Die Preisfrage vor und während dieses Spiels lautete: Was passiert, sobald die Mannschaft, die die weltbeste sein will, wenn sie den Ball nicht besitzt, auf das Team trifft, das am besten verteidigt auf der Welt? Letzteres wollten die Mittelamerikaner sein gegen die Niederlande. Und Louis van Gaal ist ja ohnehin längst vom Ballbesitz-Guru zum Spielgeräte-Allergiker mutiert. Das Ergebnis ist lange ein Ringen, so zäääääh wie ein Dutzend geschmolzener Käselaibe. Es ist ein Spiel im Zeichen der verzweifelten Suche nach einem blikopener, wie der Dosenöffner auf Niederländisch heißt. Und weil den in 120 Minuten niemand findet, muss halt ein metselar her, ein Maurer, der das Tor verrammelt. Der Perfektionist van Gaal hat auch den im Sortiment.

Ja, er hat es wieder getan: Louis van Gaal wechselt den entscheidenden Mann ein. Diesmal wartet er damit bis zur allerletzten, der 120. Minute. Bis dahin liegt in diesem Viertelfinale die größte Sensation dieser an Sensationen nicht armen WM in der Luft. Costa Rica, der 28. der Weltrangliste, liefert dem Vizeweltmeister einen sagenhaften Kampf und hält gegen die Tormaschine in oranje ein 0:0. Dann bringt der Mann einen neuen Torwart, Tim Krul von Newcastle United. Und der hält im Elfmeterschießen zwei Schüsse der im Achtelfinale vom Punkt noch unfehlbaren Costa Ricaner. Und so sind am Ende dieses aufregenden Turniers doch die Großen im Halbfinale wieder unter sich.

Vor der Partie hatte es geheißen, das sei doch ein Freilos für die Niederlande. Costa Rica hatte zwar seine "Todesgruppe" vor den Ex-Weltmeistern Uruguay, Italien und England gewonnen, aber irgendwann muss doch auch diesem wackeren Fußballzwerg mal die Luft ausgehen. Erst recht nach dem Kraftakt im Achtelfinale gegen Griechenland: Eine Stunde Unterzahl, Verlängerung, Elfmeterschießen – wie wollen sie da noch mal ihren Spezial-Beton aus 22 Beinen anrühren? Gegen die bislang souveränste europäische Mannschaft bei dieser WM?

Doch es geht. 20 Minuten dauert es bis zur ersten niederländischen Chance; da waren in allen anderen Viertelfinals die entscheidenden Tore schon gefallen. Und dann passiert lange nichts. Auch darin hat van Gaal mal wieder recht: Wenn seine Mannschaft den Ball hat, ist sie vielleicht nicht die schlechteste der Welt, aber gut ist sie jedenfalls nicht. Noch in der eigenen Hälfte spielt sich die Elftal endlos den Ball zu, auf der verzweifelten Suche nach einer Antwort auf die alte Frage, wie man als Kontermannschaft dem Gegner das Spiel aufzwingt, um selbst Räume für Vorstöße zu gewinnen. Aber die Mittelamerikaner stellen sich stur, lassen sich nicht locken, geben nie ihr 5-4-1-System auf und gehen selten mit mehr als vier Spielern in die Offensive.