Der unterschenkelamputierte Weitspringer Markus Rehm darf nicht an der Leichtathletik-Europameisterschaft in Zürich teilnehmen. Das hat der Deutsche Leichtathletik-Verband entschieden. Der Leverkusener hatte den deutschen Meistertitel der Nichtbehinderten gewonnen und damit die EM-Norm erfüllt.

"Wir leben Inklusion. Es besteht aber der deutliche Zweifel, dass Sprünge mit Beinprothese und mit einem natürlichen Sprunggelenk vergleichbar sind", sagte DLV-Präsident Clemens Prokop. Die Situation sei jedoch sorgfältig abgewogen worden.

Grundlage für die Entscheidung waren biomechanische Messungen bei den nationalen Titelkämpfen. Die Analyse hatte ergeben, dass Rehm durch die Beinprothese einen Vorteil im Wettstreit mit gesunden Sportlern haben könnte. Den dritten deutschen EM-Startplatz erhält Julian Howard (Karlsruhe). Unstrittig waren die Nominierungen von Christian Reif (Rehlingen) und Sebastian Bayer (Hamburg).  

Auch steht noch nicht fest, ob Rehm seinen Titel als Weitsprung-Meister behalten darf. DLV-Präsident Prokop sagte, dies obliege dem Bundesausschuss für Wettkampforganisation.

Rehm hatte bei den nationalen Meisterschaften am Samstag in Ulm nicht nur den Titel gewonnen, sondern mit 8,24 Metern auch die Norm für die EM vom 12. bis 17. August erfüllt. Daraufhin war eine Debatte ausgebrochen, ob die Beinprothese dem Sportler einen Vorteil verschafft. Bei den Titelkämpfen waren biomechanische Messungen vorgenommen worden.

Große Enttäuschung bei Rehm

Rehm sagte zu der Entscheidung: "Ich finde es schade und enttäuschend." Dass diese auf den biomechanischen Messungen basiere, halte er für "schwierig und unseriös". Anders als angekündigt, wolle er jedoch nicht gegen das Urteil vorgehen. "Wenn es eine kluge Entscheidung ist, ist das keine Option. Wenn ich Zweifel an der Begründung habe, werde ich mich beraten", sagte Rehm.   

Auch der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes Karl Quade zeigte sich enttäuscht: "Es ist schade, ich hätte dem DLV gewünscht, mutiger zu sein. Aus meiner Sicht ist die Untersuchung in Ulm keine solide Basis."

Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, hat die Nichtnominierung von Markus Rehm kritisiert. "Meinem Erachten nach ist die Entscheidung sehr schade. Ich finde es nicht glücklich, dass sie so gefallen ist", sagte die zwölfmalige Paralympics-Siegerin. "Ich hätte es gut gefunden, wenn der DLV ein Statement abgegeben und die Inklusion ernsthaft vorangetrieben hätte. Es wäre konsequent gewesen und eine politische Entscheidung."