ZEIT ONLINE: Moin Herr Rose, was macht Brasilien heute?

Dirk Rose: Alles bestens, Sommer, Sonne, gute Laune. Heute ist der WDR wieder abgerückt. Die haben abgebrochen, machen jetzt keine Live-Interviews fürs Frühstücksfernsehen mehr von hier. Gerald Asamoah verlässt uns dann wohl auch, der war mit denen dabei.

ZEIT ONLINE: Die WM geht doch noch eine Woche, oder haben wir was verpasst?

Rose: Ihre Kollegen waren drei Wochen hier, die Sendezeit ist nun abgelaufen. Vielleicht hatten die bei der Planung nicht damit gerechnet, dass Deutschland bis ins Halbfinale kommt. Die müssen jetzt jedenfalls woanders drehen, bei der größten Pferdeshow Deutschlands.

ZEIT ONLINE: Pferde, klingt auch gut. Sie sind Strandwärter in Brasilien, was ist das eigentlich für ein Job?

Rose: Ich bin mit meinen beiden Kollegen für die Strände in Kalifornien, Schönberger Strand und Brasilien zuständig, wir arbeiten im Zweischichtsystem. Und das ist ein toller Job.

ZEIT ONLINE: Wie bei Baywatch – David Hasselhoff, Pamela Anderson und so?

Rose: Strandwärter, keine Rettungsschwimmer. Wir betreuen die Ostseebadegäste, sind Ansprechpartner für alles, kümmern uns um mehr als 700 Strandkörbe. Da ist eine Menge zu tun, sieben Tage die Woche. Ein toller Job, weil man auch viele interessante Leute kennenlernt.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel Gerald Asamoah?

Rose: Lockerer Typ, der hat sich hier bei uns ein Fahrrad gemietet. Manche Brasilianer erkennen ihn und rufen hinterher, wenn er vorbeiradelt: Eh Gerald, altes Haus...

Dirk Rose, 42, Strandwärter in Brasilien © Privat

ZEIT ONLINE: Sind Sie auch für die Kontrolle der Kurtaxe zuständig? Soll ja vorkommen, dass Menschen baden wollen und irgendwie vergessen haben, ein Kurtaxenticket zu kaufen.

Rose: Kurtaxe, Parkplätze, wird alles von uns kontrolliert. Hört sich bescheuert an, aber ein bisschen Zucht und Ordnung muss hier schon herrschen. Von der Seebrücke ist Springen verboten, das kontrolliere ich. Gerade ab nächster Woche, da gehen die Ferien los, der Strand wird knackevoll sein, das wird irre.

ZEIT ONLINE: Wenn doch mal einer einfach von der Brücke springt?

Rose: Wir passen auf. Wenn man auf die Menschen freundlich zugeht, reagieren sie meist auch freundlich. Klingt einfach, ist aber so. Manchmal weisen uns auch andere Badegäste auch auf jene hin, die sich nicht an die Regeln halten. Wir werden auch benachrichtigt, wenn mal ein Autoreifen angeschwemmt wird oder ein Wal oder...

ZEIT ONLINE: Ein Wal?

Rose: Ja, wir haben echte Wale am Ostseestrand. Wenn einer hier strandet, müssen wir uns darum kümmern.

ZEIT ONLINE: Groß wie Moby Dick?

Rose: Nein, nein. Ich glaube, das sind Schweinswale. 1,20 bis 1,50 Meter werden die groß. Wir hatten auch schon einen Seehund hier. Ganz toll. Der kam hier irgendwie angeschwommen, hat sich neben der Seebrücke ins flache Wasser gesetzt und gesonnt.

ZEIT ONLINE: Der hatte auch ne Sonnenbrille auf.

Rose: Der Seehund fühlte sich hier pudelwohl.

ZEIT ONLINE: Wir wollten ja über die WM reden. Zufrieden mit dem deutschen Team?

Rose: Klar doch, das Spiel gegen Frankreich habe ich mit ein paar Bierchen mit Freunden vom HSV-Fanclub geschaut. Wir treffen uns immer am ersten Freitagabend im Monat, alle Mann mit Frauen, die haben sich ja auch immer was zu sagen. Gestern saßen wir in der Bierbörse zusammen, das ist ne Kneipe hier um die Ecke.

ZEIT ONLINE: Löw? Lahm? Müller? Alle gut?

Rose: Ich habe von meinem zwölften bis 35. Lebensjahr aktiv Fußball gespielt, meist Mittelstürmer. Aber ich bin ein Laie. Wissen Sie, was ich nicht verstehe: Wieso meckern die alle immer? Die Deutschen haben doch topp gespielt. Und Lahm? Das ist doch ein schlauer Kopf. Ist doch egal, wo der spielt, der macht das gut. Da kann man dem Trainer mal vertrauen.

Brasilien an der Ostsee - Die Copacabana hinter Kiel An der holsteinischen Ostseeküste befindet sich in der Gemeinde Schönberg der Ortsteil Brasilien – direkt neben Kalifornien. Traumstrände und Offenheit hinter dem Deich lassen den brasilianischen Geist aufleben.