Zudem fehlten die verletzten Javi Martínez, Thiago, Bastian Schweinsteiger, Franck Ribéry und Rafinha sowie der abgewanderte Toni Kroos. Und eine gewisse WM-Müdigkeit war bei Thomas Müller, Mario Götze und Manuel Neuer nicht zu übersehen. Auch neu: Den Bayern wurde ein regelkonformes Tor zum 3:1 aberkannt. Passiert ja sonst eher selten.

Angesichts dieser Umstände hätte man denken können, dass sich die Seriensieger der vergangenen beiden Jahre sehr schwertun. Dass sie zumindest zu Beginn der Saison Anlauf brauchen und einen Preis für den WM-Titel zahlen. Dass sie Borussia Dortmund ziehen lassen, vielleicht noch eine zweite Mannschaft. Was hatten wir alle gehofft!

Doch wenn selbst ein Europapokalteilnehmer mit Ambitionen diese halbfertigen, halbstarken Bayern lange unterlegen ist, wird es wohl den wenigsten Clubs gelingen, gegen die neuen Bayern zu gewinnen. Auch weil die alten Bayern funktionieren. Arjen Robben, meist von Philipp Lahm bestens bedient, war für die Wolfsburger nicht zu greifen. Er legte Thomas Müller das erste Tor auf. Das zweite schoss er selbst.

Immerhin gab es eine Münchner Phase der Verwundbarkeit. Wolfsburgs schöner Anschlusstreffer durch Ivica Olic fiel noch ohne Ankündigung. Doch nach den Wolfsburger Einwechslungen drehte sich allmählich das Geschehen. Jetzt waren es die Wolfsburger, die mit Pressing das Duell dominierten. Jetzt waren es die Bayern, die keine drei Pässe in Serie mehr zustande brachten.

In der 80. Minute rückte Wolfsburg dem Ausgleich auf zwanzig Zentimeter nahe. So weit etwa stand Junior Malanda vor dem leeren Tor. Von dort beförderte er den Ball ins Aus. Eine Szene, die wie so viele im Fußball viel schwerer zu meistern ist, als es auf den ersten Blick aussieht. Der Ball war mit Drall und Schwung zurückgeprallt. Doch ohne Frage auch eine Szene für den "Jahresrückblick der Pannenshow", wie Klaus Allofs und Dieter Hecking sagten. Die Zuschauer lachten, weniger aus Gemeinheit, eher aus Reflex. Malanda musste in der Kabine getröstet werden.

Dass Wolfsburg in diesen zwanzig Minuten die Bayern beherrschte, lag auch an Gaudino. Das Mittelfeld der Bayern wurde unsichtbar, verlor den Zugriff wie noch nie unter Guardiola. Selten sah man den Trainer so nervös auf- und abrennen. Seine Coachingzone begriff er bloß noch als grobe Orientierungsmarke, erstaunlich ungeahndet vom vierten Offiziellen.

Erst gegen Ende fanden die Bayern und Gaudino zurück. Als der in der 89. Minute ausgewechselt wurde, rief der Stadionsprecher: "Was für ein Debüt!" Der noch anwesende Teil des an diesem Abend sonst eher zurückhaltenden Münchner Publikums applaudierte. Danach warteten die Journalisten auf Gaudino. Als er kam, liefen sie zu ihm. Doch er durfte nichts sagen, wurde von einem Mitarbeiter an ihnen vorbeigeführt. So eng war er bis dahin selten gedeckt worden.