Doch es gibt auch Juristen, die es für legal und legitim halten, Fußballvereine an den Polizeikosten zu beteiligen. Einer ist Joachim Wieland, er lehrt Öffentliches Recht in Speyer. "Der Fußball nimmt die Gewalt in Kauf", sagt er. "Die Ursachenkette ist eindeutig: ohne Spiel keine Randale." Die Bremer haben ihm zufolge gute Argumente und gute Chancen.

Bislang endet die Verantwortung des Fußballs am Stadiontor, denn für alles, was beim Spiel im Stadion passiert, ist der Verein zuständig. Für das, was außerhalb passiert, für Verkehr und Randale, die Polizei. Für Wieland ist das zu wenig. "Es wäre gerecht, den Fußball an den Kosten zu beteiligen, denn er verdient viel Geld an seinen Spielen."

Auch verfassungsrechtlich hegt Wieland keine Bedenken. Entgegen einem landläufigen Irrtum ist es in Deutschland sehr wohl üblich, dass Verursacher von Polizeieinsätzen dafür zahlen. Löst man mit seiner Alarmanlage einen falschen Alarm aus, erhält man eine Rechnung. Für Gefahrentransporte fallen für Unternehmen Gebühren an, wenn sie von der Polizei gesichert werden. Und entläuft dem Zirkus ein Löwe und die Streifenpolizisten helfen beim Fangen, wird der Direktor im Anschluss zur Kasse gebeten.

In diesen Beispielen geht es zwar stets um den unmittelbaren Verursacher, doch wer will, kann Parallelen zum Fußball entdecken. Das Polizeirecht lasse jedenfalls eine Kostenbeteiligung des Zweckveranlassers Fußball zu, sagt Wieland. "Am staatlichen Gewaltmonopol rüttelt die Bremer Politik gar nicht, auch wenn das die DFL behauptet."

Das kann die Skeptiker nicht überzeugen. Sie stellen grundsätzliche Fragen, warnen vor Nebenfolgen, wenn man Sicherheitsfragen ökonomisiert. Man kann sich die künftigen Debatten zwischen Fußball und Politik vorstellen, ob überhaupt so viele Polizisten notwendig sind wie immer behauptet wird. Und degradiert sich der Staat nicht zum einfachen Dienstleister, wenn er seine Arbeit in Rechnung stellt? Müsste er als Marktteilnehmer nicht sogar sein Gewaltmonopol aufgeben?

Das Beispiel mit dem Ladenbesitzer und der Unterwäsche ist übrigens nicht frei erfunden, ein ähnlicher Fall ereignete sich im Jahr 1900. Ein Berliner Unternehmer bewegte in seinem Schaufenster Puppen mechanisch und verursachte regelmäßig Menschenaufläufe. Ein Preußisches Gericht untersagte es ihm daraufhin.

Vielleicht sollte der Fußballverband einer Niederlage vor Gericht vorbauen. Der Ökonom und heutige Oberbürgermeister Deggendorfs Christian Moser hat sich in seiner Doktorarbeit mit den Polizeikosten des Fußballs befasst. "Die Gesetzeslage gibt es nicht her, Fußballvereine an Polizeikosten zu beteiligen, doch der Kostendruck auf die öffentliche Hand steigt in vielen Ländern", sagt er. Die Polizeikosten entsprechen seinen Berechnungen zufolge etwa einem Euro pro verkauftes Bundesliga-Ticket. Sein Kompromissvorschlag: die Kosten zu gleichen Teilen, also je 50 Cent pro Ticket, auf Stadionzuschauer und Verein umlegen. "Diese Gebühr wäre vermittelbar", sagt Moser.