Jung, wild, rebellisch – diese Attribute kommen einem nicht unbedingt in den Sinn, wenn man an die Olympischen Spiele denkt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) und sein Präsident Thomas Bach wollen genau das so schnell wie möglich ändern. Bei den Olympischen Jugendspielen im chinesischen Nanjing sind daher zum ersten Mal langhaarige, tätowierte, wagemutige Männer und Frauen dabei, die Stunts auf Rampen und auf einem Straßenparcours vorführen: Skateboarding, also coole Shows für ein junges und zahlungskräftiges Publikum.

Den ganz großen Sprung traut sich das IOC wohl noch nicht zu, vorerst ist Skateboarding nur als Demonstrationswettbewerb dabei. Doch wenn das Konzept überzeugt, könnte der Sport bereits 2020 sogar zu den offiziellen Olympia-Wettkämpfen gehören. Die International Skateboard Federation (ISF), die die Interessen des Sports seit einem Jahrzehnt vertritt, ist begeistert: "Wir sind stolz darauf, dass das IOC uns ausgewählt hat, weltklasse Skateboarding auf einer globalen Bühne zu repräsentieren", so Gary Ream, Präsident der ISF. "Wir wollen die einzigartige Begeisterung zeigen, die Skateboarding auslösen kann."  

Es gibt nur ein Problem: Nicht alle in der Skateboard-Szene sind von dieser Idee ebenso begeistert wie das IOC und die ISF. Der Sport ist einer, der keiner sein will.

"Skateboarding passt nicht zu Olympia!"

Schon für 2012 war die Einführung von Skateboarding als offizieller Wettbewerb bei den Olympischen Spielen im Gespräch, und scheiterte damals nicht zuletzt am massiven Widerstand der Szene, sich als Aufnahmebedingung dem Radsport-Weltverband (UCI) unterzuordnen. Viele fürchteten, ihre Leidenschaft würde unter dem Dach eines solchen Verbandes zu einer Zirkusveranstaltung verkommen. Ähnlichen Protest gab es damals bei den Snowboardern nach der Eingliederung des Sports in den Internationalen Ski-Verband (FIS).  

Vor allem wird die Einführung eines Punkte-Bewertungssystems kritisiert. Das soll für komplizierte Figuren gelten, die die Skater mit ihren Brettern vollführen. Doch deren Schwierigkeitsgrad ist für szenefremde Personen kaum einzuschätzen. "Ich sehe die Probleme vor allem bei einer einheitlichen Bewertung", sagt Yannick Schall, einer der wenigen deutschen Skateboarder, der von seiner Leidenschaft dank Sponsoren leben kann. "Skateboarding wird durch Olympia definitiv nicht als das dargestellt, was es ist: Ein Lifestyle, und kein Sport im klassischen Sinn." 

Dennoch ist Schall einer Verbindung von Skateboarding und Olympia nicht grundsätzlich abgeneigt: "Ziel sollte es sein, das Skateboarding gut und für die Zuschauer begreifbar darzustellen. Generell passt es für mich nicht zu Olympia, aber beide könnten sich gegenseitig bereichern, wenn es richtig umgesetzt wird."   

Verkauft der Sport seine Seele?

Viele Skater fürchten zudem, ihre Leidenschaft an große, szenefremde Sponsoren zu verkaufen. Dass das aber längst schon passiert, zeigen Millionendeals von Skatern und Skate-Firmen sowie Veranstaltungen mit Giganten wie Nike, Toyota oder Red Bull. Auf Wettbewerben werden mittlerweile auch dank dieser Sponsoren Preisgelder von bis zu einer Million Dollar ausgelobt. Die Events werden in Ländern wie den USA und Brasilien live im Fernsehen übertragen.