Ich habe eine besondere Angewohnheit: Ich mag Menschen, die sonst niemand mag. Wenn es irgendwo eine Gruppe gibt, die alle verabscheuen, eine Gruppe, die jeder aufgeklärte Mensch mit Leidenschaft hasst, verliebe ich mich augenblicklich in diese Gruppe. Seltsam, ich weiß; aber es ist die Wirklichkeit, meine Wirklichkeit.

Nehmen wir zum Beispiel die Daaisch, oder, wie sie heute genannt werden, IS – "Islamischer Staat", den jeder weißhäutige Mensch hasst, der von unserem Zeitgeist bestimmt ist. Aber ich gebe zu, dass ich sie mag. Ja, ich mag die Daaisch. Natürlich gibt es Dinge, die ich kritisieren würde. Wie Sie auch, und wie alle aufgeklärten Menschen in der westlichen Welt, habe ich das Video gesehen, in dem einer der Daaisch einen Journalisten köpft. Ich meine, genau genommen habe ich nur davon gelesen. Um mein sanftmütiges, westliches Wesen zu schützen, wurde die Enthauptung in unseren aufgeklärten Medien nicht voll gezeigt.

Das soll keine Beschwerde sein. Wir, die aufgeklärten Menschen, sehen nicht gerne so unschöne Sachen wie Enthauptungen im Namen des Islam. So was ist schrecklich und sollte nicht gezeigt werden. 

Und deshalb stecke ich in diesem konkreten Fall auch nicht mit den Daaisch unter einer Decke. Ich mag keine Enthauptungen. Sie sind so unmenschlich! Ich sage: Wenn man jemanden umbringen muss, dann doch besser mit, sagen wir mal, Tomahawk-Raketen. Eine Tomahawk-Rakete kann im Durchschnitt Zehntausende Menschen auf einmal umbringen, und da ist gar nichts Unschönes daran. Tomahawk-Hinrichtungen sind wie fürs Fernsehen gemacht: sauber, schön und in Farbe. Enthauptungen, selbst wenn es nur um eine Person geht, sind unmenschlich und eine Riesensauerei. Menschen mit Bildung, solche, die an die Menschenrechte glauben, töten mit Raketen.

Aber sonst bin ich auf der Seite der Daaisch. Tut mir Leid, wenn ich Sie enttäuschen muss.

Ich mag auch Deutsche. Ich liebe Deutsche. Ich weiß, dass viele in Europa sie nicht mögen, aber ich schon. Die Briten, die Franzosen und die Griechen denken nur Schlechtes über die Deutschen, aber ich liebe sie sehr. Meine Liebe zu den Deutschen ist sogar so groß, dass ich mich oft selbst als Deutschen bezeichne. Ich bin zur Zeit in Israel, und hier kennen viele Leute meinen Namen. Wenn sie mir auf der Straße begegnen, rufen sie: "Hey, Deutscher!" Manche kennen sogar meinen vollen Namen: "Tobi der Deutsche." Das bin ich. Manche Menschen – Palästinenser, meine ich – umarmen mich voller Leidenschaft und flüstern mir romantische Worte ins Ohr, wie: "Palästinensisches Blut ist deutsches Blut. Wir sind alle Deutsche!"

Das einzige Problem, das ich mit meinen neuen Blutsbrüdern habe, ist, dass jeder weiße Mann und jede weiße Frau auf der Welt sie liebt, aber ich, von Natur aus, nur die verhassten Völker dieser Erde lieben kann.

Ich laufe umher und suche nach verhassten Völkern. Historisch gesehen, das erinnern oder wissen noch einige von uns, waren die größten Sündenböcke des Planeten schon immer die Juden – und sind es noch. Wie man uns immer wieder erzählt hat, töten die Juden kleine christliche Kinder, um ihr Blut in ihren Teig zu rühren. Wozu, hat niemand je herausfinden können, aber wen interessiert's? Fakt ist Fakt. Aber weil es heutzutage immer weniger kleine christliche Kinder gibt, gehen die Juden auf palästinensische Kinder los. Sie schießen auf sie, sie töten sie, und sie pressen jeden einzelnen Tropfen Blut aus diesen Kindern heraus. Wozu? Wen interessiert's? Fakt ist Fakt.