André Schürrle am Ball und wieder ein toller Fußballmoment durch die deutsche Mannschaft! "Tooooooor", rief der Stadionsprecher. Jubel aus zigtausenden Kehlen donnerte über die Spieler. Aus den Lautsprechern dröhnte Schwarz und Weiß von Olli Pocher. "Wir steh'n auf Eurer Seite!" Endlich durfte der DJ den DFB-Torjingle aufdrehen.

Selten wird ein deutsches Tor so laut gefeiert, ein 1:4 wird eigentlich nie so gefeiert. Doch an diesem Abend waren Ergebnisse Nebensache für deutsche Spieler und ihre Fans. Die Helden wollten sich im ersten Spiel nach dem WM-Titel feiern lassen für den Triumph vom Maracanã, den vierten Stern.

So war das Freundschaftsspiel gegen Argentinien weder Test noch Revanche für Rio, auch kein Neuanfang. Es war ein Blick zurück, hatte Joachim Löw schon vorher gesagt. Bereits zum Training am Montag waren 40.000 Zuschauer gekommen. Das Spiel war die Ehrenrunde, die Verlängerung der Fanmeile auf den Rasen, das Restesaufen. "Mit diesem Spiel wollten wir abschließen mit der WM", sagte Löw danach. Es sei ihm wichtig gewesen, dass alle Weltmeister in Düsseldorf noch einmal zusammenfinden. "Selbst de Muschti kam aus Spanien." Gemeint war Shkodran Mustafi.

Die Zeremonie fing vor dem Spiel an, als vier verdiente Kräfte verabschiedet wurden, "vier Persönlichkeiten", sagte der Stadionsprecher. Hansi Flick, Per Mertesacker, Miroslav Klose und Philipp Lahm gehen der Nationalmannschaft verloren. Das Publikum geriet fast außer sich, als die Geehrten in Zivil einzeln durch das Spalier aus Ersatzspielern gingen. Vor allem bei Klose schlug der Applausometer aus.

Das Spiel forderte allerdings die Geduld der Partygäste heraus. Klar, es gab ein paar stolze Toni-Kroos-Kringel. Man sah ein paar nette Schüsse und Chancen der Deutschen. Und Christoph Kramer, der mit der Endspielamnesie, riss mit Läufen Löcher in das Abwehrnetz des Gegners. In solchen Momenten sangen die deutschen Fans zur Melodie von When the Saints Go Marching In: "Die Nummer 1 der Welt sind wir!"

Mit Stille reagierten die Zuschauer auf die vielen unweltmeisterlichen Fehlpässe und die großen Lücken in der neu formierten Abwehr. Manchmal war es so gespenstisch leise im Stadion, dass man die Kommandos der Spieler hörte. Als wäre die Schweigeminute für den verstorbenen argentinischen Fifa-Obergauner Julio Grondona auf die Spielzeit ausgedehnt worden.

Den Argentiniern sah man an, dass sie die Sache ernst nahmen. Ihnen machte es Spaß, die deutsche Defensive zu entblößen. Speziell Angel Di María überforderte seine Gegenspieler mit Dribblings und Flanken, mit drei Torvorbereitungen und einem Treffer. "Gut, dass der im Finale nicht dabei war", flüsterte ein Düsseldorfer Fan hinter der Pressetribüne. Di María hatte sich in Brasilien im Viertelfinale verletzt.