Angesichts des Kriegs im Osten der Ukraine denkt die Europäische Union als weitere Sanktion offenbar über einen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 nach. Das berichtet die spanische Zeitung El País und bezieht sich auf eine Vorschlagsliste, die die EU-Kommission den Mitgliedsstaaten unterbreiten wolle. Auf der Liste der Vorschläge stünden außerdem drastische Einschränkungen für den Handel mit Waffen und technischen Ausrüstungen in der Energiewirtschaft.

Die geplanten neuen Strafmaßnahmen seien weitaus härter und konkreter als die bisherigen Sanktionen, schrieb die Zeitung. Auch die Formel 1, die im Oktober in der Olympia-Stadt Sotschi ihr Russland-Debüt gibt, könnte davon betroffen sein. Die EU halte ein Einlenken Moskaus im Ukraine-Konflikt für ausgeschlossen und wolle daher einen harten Kurs einschlagen.

Von einem Boykott hält der Weltfußballverband Fifa nichts. Präsident Joseph Blatter hatte Russland noch am Vortag das volle Vertrauen ausgesprochen. "Wir stellen die WM in Russland nicht infrage. Wir sind in einer Situation, in der wir den Organisatoren der WM 2018 und 2022 unser Vertrauen aussprechen. Wir warten derzeit noch den Bericht der Ethikkommission ab", sagte der Schweizer Fifa-Chef in Kitzbühel. Ein Boykott sei keine Lösung: "Das hat noch nie etwas gebracht."

Ähnlich hatte sich zuvor auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach geäußert. Der Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau habe nichts gebracht. "Er hat nur den Sportlern geschadet. Der Versuch, über den Sport auf politische Dinge Einfluss zu nehmen, ist gescheitert. Niemand von uns nimmt das Wort Boykott in den Mund und das wird auch nicht von der Politik erwartet", sagte Niersbach.

Angesichts der militärischen Intervention Russlands in der Ukraine waren zuletzt Forderungen laut geworden, die WM 2018 zu boykottieren oder das Turnier neu zu vergeben. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees warnte vor diesem Schritt. Der Sport dürfe sich nicht verleiten lassen, den Boden der politischen Neutralität zu verlassen, sagte der Thomas Bach.

EU-Diplomaten wiesen nach Angaben von El País darauf hin, dass über die geplanten Sanktionen noch nicht entschieden worden sei. So sei es nicht ausgeschlossen, dass ein Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft erst für eine nächste Phase in Betracht gezogen werde.