Vielleicht hat Joachim Löw an seine eigene Karriere gedacht, als er sagte, Thomas Schneider passe "wunderbar in unser Team". Vielleicht dachte er an die von Hansi Flick, seinem bisherigen Assistenten, der jetzt zum Sportdirektor des Deutschen Fußball Bundes (DFB) befördert wurde. Dass hinter Schneider ein ähnlicher Weg liegt wie hinter Löw und Flick, macht aus dem 41-Jährigen nicht automatisch einen idealen Assistenten.  

Aber Schneiders Vita erfüllt in mehreren Punkten die Wünsche des Bundestrainers: Schneider ist in jeder Lage loyal, besitzt weniger Geltungsbedürfnis als Marcus Sorg (U19) oder DFB-Chefausbilder Frank Wormuth – und er kommt von außen. 

Wie Löw und Flick war Schneider von der großen Fußball-Bühne verschwunden und galt in der Bundesliga als gescheitert. Ab und zu tauchte er als Kandidat bei verzweifelten Clubs wie etwa dem TSV 1860 München auf. Aber kaum jemand traute ihm eine baldige Rückkehr an einen prominenten Arbeitsplatz zu.

Als Jürgen Klinsmann 2004 Löw an seine Seite holte, spielte der nur noch eine untergeordnete Rolle im Trainer-Geschäft. Beim neuen DFB-Sportdirektor Flick lagen die Dinge ähnlich. Der musste 2005 als Trainer beim damaligen Regionalligisten Hoffenheim gehen, bevor ihn Löw 2006 zu seinem Assistenten machte. Mancher mag sich nun wundern und Schneiders Berufung als Zufall sehen. Doch Löw sieht in Schneider eine gute Wahl: "Unsere Ansichten über Fußball sind sehr ähnlich", sagt Löw.   

 Als talentierter Profi musste der ehemalige Verteidiger und VfB-Spieler einige Verletzungen verkraften. Es hieß, er habe nicht immer alles für seine Karriere getan. Das Karriereende wurde durch eine Borreliose-Erkrankung beschleunigt, die ihn schließlich Nachwuchstrainer werden ließ.          

Im August 2013 entließ der VfB Stuttgart seinen Cheftrainer Bruno Labbadia und engagierte Thomas Schneider. Schneider ("Heute sprechen schon Sechsjährige über Spielsysteme") war im Mai 2013 mit der U17 des schwäbischen Clubs Deutscher Meister geworden. Die TSG Hoffenheim hatte angefragt, ob er Assistent von Cheftrainer Markus Gisdol werden wolle. Doch Bobic hielt ihn beim VfB mit dem Hinweis, er sei ein Kandidat für den Chefposten.

Die "Jungen Wilden" waren dem VfB zu wild

Im März 2014 musste Schneider gehen, nach nur knapp sieben Monaten. Daran trägt er zumindest eine Mitschuld. Mit talentierten Nachwuchsspielern sollte er die Marke "Junge Wilde" beleben. Am Ende bekam es der VfB mit der Angst zu tun und beendete das Projekt vorzeitig. Schneider zog immer seine Linie durch und verpasste es, mit dem Druck des Clubs im Rücken den Paradigmenwechsel zu verlangsamen und auf mehr Erfahrung im Kader zu setzen.

Dass Schneider ein Nachwuchs- und Entwicklungstrainer mit Blick für Spieler mit Potenzial ist, trat in den Hintergrund. Der oft still wirkende Novize war gescheitert. Eine Einschätzung, die den zurückhaltenden Schneider schwer kränkte, er zog sich zur Familie in das bayerische Straubing zurück.   

Es wurde ruhig um den Mann, der gerne "sie haben gut performt" sagte, wenn er nach der Leistung seiner Spieler gefragt wurde. Schneider steht trotz des Scheiterns beim VfB für eine neue Trainergeneration, die über Integration und Gebetsteppiche ihrer türkischstämmigen Spieler redet, ohne plump zu wirken. Auch das macht ihn zu einem geeigneten Kandidaten, der Löw als perfekte Lösung auf der Suche nach einem Assistenten über den Weg lief. In seinem Windschatten könnte sich Schneider weiterentwickeln und wertvolle Entwicklungsarbeit leisten.