Das Leben verläuft nicht immer normal, stelle ich fest, je älter ich werde. Und manchmal, ob Sie's glauben oder nicht, gibt es da draußen Menschen, die einen umbringen wollen.

Zu dieser Erkenntnis kommt man ganz einfach: Sie wachen eines Morgens auf, und da steht dieser Idiot von den Daaisch, oder wie auch immer sie sich nennen, in komischen Klamotten und mit komischen Kanonen und langen Messern, und entscheidet, dass Ihr Kopf nicht auf Ihren Hals gehört. Sie haben noch nie von dem Idioten gehört, doch er existiert. Er kommt auf Sie zu, am hellichten Tag oder in der Dunkelheit der Nacht, spricht Sie an, mit einem lustigen britischen Akzent, der sich mit einem herrlichen Nahostdialekt vermischt, und das war's für Sie. Das nächste Mal sehen wir Sie auf YouTube, mit Ihrem Kopf im Sand eines fernen, heißen Landes.

Und danach werden Sie zu einem kurzen Abschnitt in den Geschichtsbüchern.

Es gibt natürlich auch Fälle, wo das Ganze anders abläuft. Zum Beispiel so: Sie gehen abends ins Bett und denken, das Leben könnte nicht besser sein, und dann wachen Sie morgens auf und stellen fest, dass eine schöne blonde Frau – eine Frau, der Sie noch nicht einmal in Ihren Träumen begegnet sind – dazu aufgerufen hat, Sie lebendig zu verbrennen.

Ist Ihnen noch nie passiert?

Na, dann sind Sie vermutlich einfach zu jung. 

Mir ist genau das kürzlich passiert.

Nein, nein, nein. Ich bin nicht in Syrien oder im Irak, und die Frau ist keine Muslimin. Das tut mir jetzt leid für alle, die glauben, dass nur Muslime brutale Wesen sein können.

Ich befinde mich gerade in Israel, und die Frau, die meinen Tod verlangt, ist eine nette jüdische Dame. 

Nein, nein. Diese Dame ist keine "Siedlerin" in irgendeinem entlegenen Dorf im Westjordanland, wie Sie sich vielleicht wünschen würden. Im Gegenteil. Sie ist, guck mal an, eine Menschenrechtsaktivistin, eine Frau, die an den Frieden und die Liebe glaubt; eine Schriftstellerin, eine Künstlerin, und sie stand sogar einmal auf der Liste einer linken Partei bei den letzten Knesset-Wahlen in diesem Land.

Alles fing damit an, dass in Israel ein Buch von mir veröffentlicht wurde, über dieses Land und seine Menschen, ein Buch, dass sich auch damit befasst, was die Peace-and-Love-Fraktion in diesem Land so treibt. Beinahe jeder Fernsehsender hier befasste sich mit dem Buch, und der Blonden gefiel das nicht. Ihr gefiel nicht, was ich herausgefunden hatte, und sie dachte sich besonders einfallsreiche Methoden aus, um mich zum Schweigen zu bringen und das Buch gleich mit verschwinden zu lassen.

Genau wie die großen, sozial engagierten Aktivisten von den Daaisch nutzte auch sie die sozialen Netzwerke, um zum Handeln aufzurufen. Sie schrieb Folgendes: "Es ist höchste Zeit, diesen Tannenbaum (sic) auf den Scheiterhaufen zu werfen. Ich habe Freunde in (der Stadt) Lod, die die Drecksarbeit gerne übernehmen und ihn im Sand von Rischon vergraben würden."

Man wäre ihrem Aufruf vielleicht nachgekommen, doch zum Glück bekam irgendein Facebook-Begeisterter Wind von dem, was da im Peace-and-Love-Lager los war, und veröffentlichte den Post. Ihre Partei, Meretz (vergleichbar mit Die Linke), dachte im Traum nicht daran, ihren Aufruf zu verurteilen, und die Dame "entschuldigte" sich erst, als sie von lokalen Medien angesprochen wurde – nicht bei mir, natürlich, sondern bei dem Reporter, der sie befragte.

Diese ganze Geschichte hat mich in eine unangenehme Lage gebracht. Es ist meine Berufung, Experte in Sachen Fitness zu sein. Ich müsste in einem Fitnessstudio sein und irgendwelche tollen Übungen ausprobieren, aber ich habe ein Problem: In Fitnessstudios gibt es jede Menge Blonde, und viele von denen lieben den Frieden – was in meinem Fall bedeutet, dass ich am Ende tatsächlich weniger Körpergewicht haben könnte, nur leider im "Sand von Rischon". Tut mir leid, aber so wollte ich eigentlich nicht abnehmen. Der Tod ist keine Alternative, meine Lieben.

Ich muss ganz offensichtlich einfallsreicher sein, was mein Fitnessprogramm betrifft, und mich von den Friedensbegeisterten fern halten.

Wo soll ich hin?