"Vor 400 Jahren war ich ein Sklave, nun fahre ich nach Hause, um bei meinen Brüdern zu kämpfen", sagte Muhammad Ali vor dem Kampf im Stade du 20 Mai von Kinshasa, der zu einem der größten Sportereignisse des 20. Jahrhunderts werden sollte. "Ich lebe in Amerika, aber die Heimat des schwarzen Mannes ist Afrika."

Wenn sich am 30. Oktober Alis sensationeller K.o.-Sieg über den damals unbesiegten und für unschlagbar gehaltenen Champion George Foreman zum vierzigsten Mal jährt, gedenkt die Sportwelt nicht nur einem legendären Weltmeisterschaftskampf im Schwergewicht. Der "Rumble in the Jungle", Alis eigentlich despektierliche Reimschöpfung für Zaires Hauptstadt Kinshasa, war ein Meilenstein der Schwarzenbewegung. Es war ein Event der Schwarzen, in Schwarzafrika, von Schwarzen organisiert.

Der Kampf in Kinshasa fand inmitten politischer, kriegerischer und rassistischer Turbulenzen statt: 1974 stürzte der US-Präsident Richard Nixon über den Watergate-Skandal. Die Weltmacht USA sah in Vietnam einer blutigen Niederlage entgegen. Nelson Mandela lebte seit zehn Jahren als Gefangener auf Robben Island, genauso lange war Südafrika wegen des Apartheid-Regimes schon von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Zaire, das ehemalige Belgisch-Kongo, nahm in Deutschland als erstes Land Schwarzafrikas an einer Fußball-Weltmeisterschaft teil.


Und dann kämpften zwei Amerikaner, die besten Boxer der Welt, mitten in Afrika.

Das Verdienst an der "Heimkehr" des schwarzen Amerika nach Afrika gebührt einem Kriminellen und einem Diktator. Ein gewisser Donald King, ehemaliger Boss des illegalen Glücksspiels von Cleveland, dessen lebenslange Haftstrafe wegen Totschlags von einem korrupten Richter auf knapp vier Jahre gemildert worden war, hatte Foreman auf einem Hotelparkplatz in Oakland beschwatzt. Er zeigte auf die Hautfarbe seines Arms: "Ihr seid zwei Superathleten. Beide schwarz. Und ich bin schwarz. Das ist meine Promotion. Das ist eine Gelegenheit zu zeigen, dass Schwarze gemeinsam Erfolg haben können." Foreman unterschrieb einen Blanko-Vertrag. Auch weil Strippenzieher King mit den wie unter Strom zu Berge stehenden Haaren die beiden mit den bis dahin höchsten Börsen der Boxgeschichte köderte: für jeden fünf Millionen Dollar – die King nicht hatte.

"Kein Vietcong hat mich Nigger genannt"

Als Zahlmeister sprang Mobutu Sese Seko ein, der Diktator mit der Leopardenfellmütze. Lange bevor die Sportwelt darüber nachdenken sollte, eine Fußball-WM in Afrika auszutragen, konnte er sich und Zaire mit diesem Boxkampf ins Rampenlicht rücken. Die Welt schaute zu beim "Rumble", in Deutschland ließen sich Millionen vom Weckdienst nachts aus dem Bett klingeln. Kinshasa wurde auch zur Geburtsstadt des mächtigsten und skrupellosesten Impresarios der Boxwelt, der 83-jährige King ist noch immer im Geschäft.

1974 war Ali, der heute an Parkinson leidet und sich ohne Hilfe nicht mehr bewegen und kaum noch sprechen kann, längst eine Ikone der Schwarzen. Seinen "Sklavennamen" Cassius Clay hatte er 1964 abgelegt, als er gegen Sonny Liston erstmals Weltmeister wurde. Er war zum Islam konvertiert, rebellierte gegen die Regierung und verweigerte den Kriegsdienst in Vietnam.

"Kein Vietcong hat mich je Nigger genannt", sagte er. "Warum also sollen Schwarze aus Amerika in Vietnam andere braune Menschen töten?" Der charismatische Ali symbolisierte ein neues schwarzes Selbstbewusstsein. Wie ein Prophet kehrte er heim nach Afrika.

Die Pressekarte vom Kampf in Kinshasa © privat