Die Signale waren von Anfang an geeignet, Schlimmes zu befürchten: Rennabbruch, der Hinweis an die Fahrer, sich auf dem Siegerpodest zurückhaltend zu geben, kein Champagner, die Reaktionen der Piloten in den Interviews, vor allem auch die von Adrian Sutil, der wohl am meisten wusste – schließlich war er direkter Augenzeuge des mit Abstand folgenschwersten Unfalls in der Formel 1 seit Langem: Der 25-Jährige Franzose Jules Bianchi kämpft seitdem ums Überleben.

Bei immer schlechter werdenden Wetterbedingungen, zunehmendem Regen und langsam einbrechender Dunkelheit hatte zunächst Adrian Sutil die Kontrolle über seinen Sauber verloren und war in der Leitplanke gelandet – noch ohne größere Folgen.

Ein Bergungskran sollte das Auto aus der Gefahrenzone befördern, als auch Jules Bianchi im Marussia an genau der gleichen Stelle abflog und in den Truck krachte. Dabei rutsche sein Auto seitlich mit ungeheurer Wucht unter dessen Ballast-Ausbuchtung im Heck und kam mit einem Schlag zum Stillstand. Der Aufprall war so stark, dass dabei der Sauber wieder vom Haken fiel. Der Überrollbügel und die seitliche Crashstruktur wurden völlig abrasiert, das linke Hinterrad zum Vorderrad nach vorne gestaucht, nur noch die Überlebenszelle blieb übrig, aber dort, wo sich der Kopf des Fahrers befindet, wurde diese Karbonschale leicht eingedrückt. Adrian Sutil, sichtlich geschockt: "Es sah nicht gut aus, aber mehr kann ich dazu nicht sagen, ich habe auch keine genaueren Informationen. Wir können nur hoffen."

Warum keine Vorverlegung?

Erinnerungen wurden wach an den Testunfall der Spanierin Maria de Villota, die vor zwei Jahren, auch in einem Marussia, in die offene Laderampe eines leichtsinnig geparkten Lkw gekracht war. Wie sie erlitt jetzt Bianchi schwere Kopfverletzungen. Er ist in das gut zehn Kilometer entfernte Universitätsklinikum Mie gebracht und dort sofort notoperiert worden. Nach Berichten des französischen Fachblatts L'Equipe soll Bianchi eine erste Operation gut überstanden haben und müsse zudem nicht mehr künstlich beatmet werden. Eine offizielle Bestätigung des Krankenhauses oder seines Teams gab es dafür zunächst nicht. 

Dass bei dem Unfall eine Menge Pech und unglückliche Umstände zusammenkamen, ist die eine Seite – dass die Formel 1 sich aber trotzdem einige Fragen stellen muss, die andere. Erstens: Dass sich das Wetter im Laufe des Tages angesichts des heranziehenden Taifuns Phanfone deutlich verschlechtern würde, war seit Tagen bekannt, dass man bei jeder Verzögerung bei einer Startzeit von 15 Uhr gegen Ende des Rennens Sichtprobleme bekommen würde, weil es in Suzuka dann schon dunkel wird, auch. Deswegen hatte die FIA ja auch mehrfach eine Vorverlegung des Starts auf 11 Uhr vorgeschlagen, sich aber nicht durchgesetzt. Der japanische Veranstalter und Streckenbesitzer Honda war wohl dagegen, befürchtete, die Fans würden dann nicht rechtzeitig an die Strecke kommen. Und die Fernsehzeiten in Europa spielten auch wieder eine Rolle – nach dem Motto, früh um vier wären die Quoten eine Katastrophe.