Das künftige WM-Gastgeberland Katar tut nach Einschätzung von Amnesty International trotz angekündigter Reformen weiterhin zu wenig gegen den Missbrauch von ausländischen Arbeitern im Land. Arbeitsmigranten würden in dem Golfstaat, der 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten soll, noch immer "maßlos ausgenutzt", heißt es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation

Katar habe wenig bis keine Schritte unternommen, um den Missbrauch zu bestrafen und die Gesundheitsvorsorge für die Gastarbeiter zu verbessern. Bisher sei "im Kampf gegen die weit verbreitete Ausbeutung von ausländischen Arbeitskräften erbärmlich wenig passiert", sagte Regina Spöttl, Katar-Expertin von Amnesty International in Deutschland. Die im Frühjahr präsentierten und damals schon als unzureichend kritisierten Reformvorschläge seien damit Makulatur.

Der Statusbericht kommt zu dem Schluss, dass insbesondere beim Sponsorengesetz noch erheblicher Handlungsbedarf besteht. Es verpflichtet ausländische Arbeiter unter anderem dazu, die Genehmigung ihres Arbeitgebers einzuholen, wenn sie diesen wechseln oder Katar verlassen möchten. Das kann dazu führen, dass ausgebeutete Arbeiter festsitzen und nicht ausreisen können. Amnesty International forderte die Behörden in Katar erneut auf, das umstrittene Gesetz abzuschaffen.

Die Menschenrechtsorganisation hatte schon mehrfach Missstände beim Schutz von Arbeitsmigranten in Katar angeprangert. Berichtet wurde unter anderem über ausstehende Löhne, unzumutbar harte und gefährliche Arbeitsbedingungen, heruntergekommene Unterkünfte sowie systematische Zwangsarbeit. Haushaltsangestellte seien zudem regelmäßig körperlicher Gewalt und sexuellem Missbrauch ausgesetzt.

Katar hatte im Mai Reformen versprochen

Vor vier Jahren hatte das Land den Zuschlag für die WM erhalten. Bisher liefere Katar allerdings nicht mehr als Versprechungen, sagte Sherif Elsayed-Ali, bei Amnesty International zuständig für die Rechte von Migranten. "Es muss dringend gehandelt werden, damit die WM nicht auf Ausbeutung und erzwungener Arbeit erbaut sein wird."

Katar hatte im Mai Reformen versprochen, nachdem internationale Gewerkschaftsorganisationen berichteten, dass seit 2010 rund 1.200 ausländische Arbeiter auf Baustellen in dem Golfstaat gestorben waren. Die große Hitze und lange Arbeitszeiten sind eine große Belastung für die Bauarbeiter. 

Der Fußballweltverband Fifa ist wegen der Vergabe der WM an Katar in der Kritik und mit millionenschweren Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Schon wegen der extremen Temperaturen und der fehlenden Infrastruktur vor Ort ist Katar als Austragungsort der WM umstritten.