Am Wochenende treten zwei Teams aus Deutschland bei den Europameisterschaften im Curling an. Keine gewöhnliche EM, die deutschen Teams stehen unter genauer Beobachtung. Während in der Schweiz Titel vergeben werden, verhandeln in Deutschland die Funktionäre über die Zukunft des Curlings.

Die ist bedroht. Jeder Spitzensportverband bekommt Geld vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zugeteilt. Insgesamt jährlich 130 Millionen Euro. Die Curler bekommen bald nichts mehr. Im Oktober wurde bekannt, dass die Steuergelder aus dem Innenministerium für sie gestrichen werden. Bisher hatten die Curler etwa 450.000 Euro zur Verfügung. Eigentlich wollten sie 160.000 mehr.  

Curling ist der Sport, für den sich die meisten nur während der Olympischen Winterspiele interessieren. Zwei Teams schieben Granitsteine über das Eis, dabei wird oft mit Besen gewischt. Damit lassen sich die Steine ein bisschen steuern. Manche sagen zu Curling: Schach auf Eis. In Asien und Nordamerika boomt Curling, in Deutschland nicht. Curling wird eher belächelt. Der Verband ist mit nur 700 Mitgliedern ein kleines Licht. Das nun droht, auszugehen.Vielleicht ist es die letzte EM für die deutschen Curlerinnen und Curler.

Aber es gibt Hoffnung. Vergangene Woche beschloss der Bundestag, weitere fünfzehn Millionen Euro aus dem Haushalt in den deutschen Sport zu stecken. Zuvor verhandelten Curler und der DOSB mit Mitgliedern des Sportausschusses. Damit Geld fließt, will der DOSB aber ein nachhaltiges Zukunftskonzept sehen. Und wie das aussieht, darüber streitet man.

Streng nach Leistung geht der DOSB. Zu erfolglos und im internationalen Vergleich zu schlecht seien die Curler. Die Männer wurden in Sotschi Letzter, die Frauen verpassten die Olympia-Qualifikation. Von den Junioren hat sich seit 2010 kein Team mehr für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Deshalb fordert der DOSB nachhaltige Jugendarbeit.

Was ist Erfolg?

Die Curler verweisen darauf, dass sie bisher alles umgesetzt haben, was mit dem DOSB vereinbart war. "Ich möchte mal wissen, wie Erfolglosigkeit definiert wird", sagt der Rekordnationalspieler Andreas Kapp. Das plötzlich die jahrelang Aufbauarbeit in Frage gestellt wird, versteht er nicht.

Die Curler waren der erste olympische Verband, dem die finanzielle Unterstützung komplett gestrichen wurde. In der laufenden Saison und ohne Ankündigung. Was das hieß, wurde schnell klar: "Eine Sportart wird kaputt gemacht", sagte Andreas Kapp, der selbst dreimal an Olympischen Spielen teilnahm. Ohne die Gelder vom Staat ist professionelles Curling in Deutschland nicht denkbar.

"Der DOSB verhält sich wie ein Konzern, nicht wie ein olympischer Dachverband", sagt Kapp. Der DOSB erweckt den Anschein, als schaue er lediglich danach, was sich lohnt, nicht nach dem gesellschaftlichen und kulturellen Wert des Sports. Es zählen Medaillen. Dabei sein ist alles? Ein Märchen. Curling war als kleinster Verband nur das erste Opfer, weitere werden folgen, sagt Kapp. Wenn das alle so wollen, hätte man es eher sagen müssen.

Zu wenig Geld, darüber klagen alle deutschen Verbände, auch der DOSB als Dachverband des olympischen Sports. Das Prinzip der Spitzensportförderung aber scheint sich gerade zu ändern. Es wird nicht mehr auf alle Rücksicht genommen, sondern dort gefördert, wo Medaillen möglich sind. "Sportförderung ist ein Privileg, kein Recht", sagte der Präsident Alfons Hörmann, nachdem er den Curlern das Geld wegnahm.