Vorher hatte wieder mancher Segelchauvi gemutmaßt, dass die Frauen hinterher fahren werden beim Volvo Ocean Race, der härtesten Segelregatta der Welt. Doch das war ein Irrtum. Bei den bisherigen drei Etappen zeigte das rein weibliche Team des schwedischen Hygieneartikelmultis SCA, dass es nicht vorhat, auf seinem pink-blauen Boot den Männern das Regattafeld zu überlassen.

Das einzige Frauenteam des Volvo Ocean Race will mit der Teilnahme beweisen, dass Frauen so gut segeln können wie Männer. Und es sieht gut aus. Besondere Anerkennung brachte es dem von der britischen Ausnahmeseglerin Samantha Davies geleiteten Team ein, als es ihm auf der ersten Langstrecke über 6.000 Seemeilen gelang, sich von einem fast aussichtslosen letzten Platz wieder nach vorne zu kämpfen. In einem dramatischen Finale zogen die Mädels an dem mit Olympioniken und hochdekorierten Einhandseglern besetzten Boot Mapfre vorbei. 

Im Gegensatz zu den männlichen Kollegen, die das Rennen zu dieser Zeit schon aufgegeben hatten und nach der Ankunft in Kapstadt sofort zwei Segler aus dem Team warfen, schafften es die Frauen, sich immer wieder zu motivieren. Auf den letzten Meilen vor dem Ziel, nach einer nervenzermürbenden Flaute und einem uneinholbaren Abstand von über 600 Seemeilen auf die führenden Yachten, zeigte die Crew ihre Qualität. Teamgeist und Durchhaltewillen standen über allem.

Ein großer Triumph für die elf Frauen, auch weil die schwächere körperliche Konstitution bei der kräftezehrenden Arbeit an Bord ein naturgegebener Nachteil ist. Und so haben sie in der nervenzermürbenden Flaute am Mast gekratzt, um ein bisschen mehr Wind heraufzubeschwören. Sich geschunden und medienwirksam ihre von Seewasser und harter Arbeit aufgequollenen Hände in die an Bord installierten Kameras gehalten. 

Die segelnde Reporterin Corinna Halloran, die von Bord der SCA berichtet, schrieb über die letzten Meilen des Rennens: "Unsere Konzentration lässt die Meilen schnell vergehen. Wir versuchen, nicht so viel über unsere Bedürfnisse wie eine heiße Dusche und Essen nachzudenken. Auch wenn sie von Minute zu Minute wachsen. Es geht nicht nur um Platz sechs, sondern auch darum zu zeigen, was es bedeutet, Teil des Teams zu sein."

Damit haben die Frauen bereits jetzt allen gezeigt, dass sie bei diesem Rennen auf Augenhöhe mitsegeln werden. Wobei man sagen muss: Vorurteile gegen segelnde Frauen gibt es seit einigen Jahren nicht mehr. Spätestens Samantha Davies, die zweimal alleine die Welt umrundete, zeigte der männlichen Segelwelt, dass Sprüche wie von America’s Cup Sieger Dennis Conner "wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass Frauen segeln, hätte er das Wasser rosa gemacht" längst in die Mottenkiste gehören.

Ihre Eltern betreuen ihren Sohn während des Rennens

Genau diese Sammy Davies ist die zentrale Figur des Teams. Sie ist eine der besten Soloseglerinnen der Welt, Mutter eines kleinen Sohnes und zum ersten Mal bei dem Rennen um die Welt dabei. "Wir sind 23 Knoten gefahren, waren das schnellste Boot und haben nie aufgehört zu kämpfen und das Boot zu prügeln", sagt sie. Davies weiß, was es bedeutet, für lange Zeit auf See zu sein. Zweimal nahm sie an der berüchtigten Regatta für Solosegler Vendeé Globe teil, bei der die Segler so schnell wie möglich ohne fremde Hilfe nonstop in rund achtzig Tagen um die Welt segeln. Die erste Etappe von Volvo Ocean dauerte nun "nur" rund vier Wochen – für viele der Frauen der längste Zeitraum, den sie jemals nonstop auf See gewesen sein werden.

Das Volvo Ocean Race ist für "la petite anglaise", wie Samantha Davies in ihrer bretonischen Heimat genannt wird, eine neue Aufgabe: Wieder geht es um die Welt, doch diesmal nicht allein, sondern mit einer Crew. Und auch nicht nonstop, ohne jegliche Hilfe von außen, sondern eingeteilt in neun Etappen mit identischen Wetter- und Positionsinformationen für alle teilnehmenden Yachten. Gut bezahlt, aber auch risiko- und entbehrungsreich. Während Sammy Davies mit ihrem Frauenteam über die Weltmeere rast, betreuen ihre Eltern ihren dreieinhalbjährigen Sohn Ruben. 

Die aktuelle Etappe, die über 6.000 Seemeilen nach Abu Dhabi führt, ist auch ein Familienduell. Das spanische Team Mapfre engagierte als neuen Wachführer den Briten Rob Greenhalgh. Gegen ihn segelt, als Navigatorin an Bord der SCA, seine Schwester Libby. Nachdem bekannt wurde, dass ihr Bruder nun zu einem der ärgsten Konkurrenten auf See wird, sagte Libby Greenhalgh: "Natürlich will ich ihn schlagen."