Die Vereine der Fußball-Bundesliga haben die Einführung der Torlinientechnik in der höchsten deutschen Spielklasse ab der Saison 2015/16 beschlossen. Das teilte die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit. Die Vereine stimmten mit 15 zu 3 Stimmen dafür, die Hawk-Eye-Technologie zu nutzen, die bereits in der englischen Premier League zum Einsatz kommt. 

Seit Oktober setzen die Schiedsrichter bereits Freistoßspray als Hilfsmittel ein, um den vorgeschrieben Abstand der Mauer zum Schützen zu kontrollieren. Beide Technologien hatten sich im Sommer bei der Weltmeisterschaft in Brasilien bewährt. Allerdings war bei der WM ein anderes System für die Kontrolle der Torlinie genutzt worden.

Bei der jetzt zweiten Abstimmung zur Torlinientechnik haben nur die Erstligaclubs entschieden. Im März hatte es bei einer Abstimmung unter den Vereinen der Bundesliga und damals auch der 2. Liga noch nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit für die Torlinientechnologie gegeben. Vor allem die Zweitligaclubs gaben dabei den Ausschlag. Viele Vereine lehnten die Technik aus Kostengründen ab. 

Nach dem DFB-Pokalfinale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München im Mai, bei dem ein offensichtlich reguläres Tor der Dortmunder nicht anerkannt wurde, stellten die Sieger aus München einen erneuten Antrag zur Einführung der Torlinientechnologie. Vor einer Entscheidung darüber startete die DFL zunächst eine Ausschreibung.  

Die großen europäischen Fußballligen sowie die Dachverbände Uefa und Fifa sind uneins über den Einsatz technischer Hilfsmittel.

In England wird Hawk-Eye seit der Vorsaison in der Premier League eingesetzt. Damit war die Liga weltweit Vorreiter bei der flächendeckenden Anwendung technischer Hilfe in strittigen Situationen. Das System kostet jeden Verein bis 2017 rund 300.000 Euro. Bei Hawk-Eye registrieren 14 unter dem Stadiondach angebrachte Kameras die Position des Balles zentimetergenau. Einen Torerfolg meldet das System in nur einer Sekunde an den Schiedsrichter. Die Uhr an dessen Handgelenk vibriert und blinkt, zudem ertönt ein Audiohinweis. Möglich ist es zudem, in den Stadien wie beim Tennis eine grafische Präsentation der Szene zu zeigen.

In der spanischen Primera División gibt es derzeit keine konkreten Pläne für die Einführung einer Torlinientechnologie. Über das Thema wird in Spanien auch aktuell nicht diskutiert. In Italiens Serie A gibt es für die Schiedsrichter keine technischen Hilfsmittel, stattdessen sind zwei zusätzliche Torrichter im Einsatz.

In der niederländischen Ehrendivision sitzt ein Video-Schiedsrichter in einem Übertragungswagen und schaut sich dort alle Kamerabilder an. Bei strittigen Entscheidungen wie Abseits oder Handspiel oder bei versteckten Fouls funkt er den Referee auf dem Platz an – möglichst binnen 15 Sekunden. Dieser Eingriff in das Spiel geht weit über die Torlinientechnologie hinaus und ist ein Videobeweis wie beim Eishockey oder beim American Football. 

Beim europäischen Verband Uefa kommen seit 2009/10 in der Europa League zwei weitere Unparteiische auf der Torlinie zum Einsatz. Eine Saison später wurde dies auch in der Champions League realisiert. Bei der EM 2012 setzte der Verband erstmals auch bei einem großen Turnier auf die zusätzlichen Schiedsrichter. Sie sind über Funk mit dem Hauptschiedsrichter verbunden.

Der Weltverband Fifa hatte sich vor dem Confederations Cup 2013 in Brasilien für die Technik Goal Control entschieden und setzte das System des Unternehmens aus Würselen nach dem erfolgreichen Test auch bei der Weltmeisterschaft im Sommer ein. Das Eigentor von Torhüter Noel Valladares bei der 0:3-Niederlage von Honduras gegen Frankreich ging als erster Treffer nach Technikbeweis in die WM-Geschichte ein.