Stirn an Stirn stand Dieter Pauly mit Toni Schumacher am Strafraum, dann schickte er den berühmten Tormann zurück in seinen Kasten. Das Bild war das Sportfoto des Jahres 1981. Es zeigt einen Schiedsrichter mit Mut und Ausstrahlung. Der beste deutsche Schiedsrichter der späten Achtziger bekam sogar ein eigenes Abschiedsspiel.

Fragt man den 72-jährigen Pauly heute, was für seine Leistungen am wichtigsten war, sagt er: "Als Schiedsrichter brauchst du klare Vorgaben." Fragt man ihn nach den Momenten nach einem schweren Spiel mit falschen Pfiffen: "Dann saß ich oft einsam in der Kabine und wünschte mir, dass mich jemand in den Arm nimmt und sagt: Haste gut gemacht!"

Schiedsrichter sind wichtig, doch haben den undankbarsten Job im Fußball. Sie fallen nur auf, wenn sie Fehler machen. Ihre Leistung hängt jedoch von vielen Dingen ab, auch von Faktoren außerhalb des Spielfelds. Etwa von ihren Chefs. In Deutschland sind das Herbert Fandel, der Vorsitzende der DFB-Schiedsrichterkommission. Und Hellmut Krug, der Berater für Schiedsrichter der DFL.

Es gibt erhebliche Zweifel, ob die beiden Ex-Schiris die richtigen für diesen Job sind. Man hört schwere Vorwürfe, zum Beispiel aus DFB-Kreisen. Das Schiedsrichterwesen sei von Gehorsam und Günstlingswirtschaft geprägt. Fandel und Krug beförderten nach Sympathie, hätten kein Mitgefühl, sicherten ihre Macht, indem sie Schiris zu Duckmäusern machten, und verwirrten sie und alle anderen mit fraglichen Regelauslegungen.

Die Folge ist dieselbe wie in jedem Unternehmen, das schlecht geführt wird. Das Klima wird rauer, Mitarbeiter fühlen sich ungerecht behandelt, Leistungen sinken. Kurz: Die deutschen Schiris werden langsam schlechter.

Über Schiedsrichterführung spricht man am besten mit Volker Roth. Er pfiff das Eröffnungsspiel der EM 1984, später war er lange Schiedsrichterchef in Deutschland und Vorsitzender der Kommissionen der Uefa und der Fifa. Heute, etwa fünf Jahre nach seinem Ausscheiden, sitzt er in einem Restaurant in seiner Heimat Salzgitter. Roth sagt über seine frühere Aufgabe: "Ein Schiedsrichter braucht Unterstützung, weil er sie von Zuschauern und Vereinen naturgemäß nicht bekommt. Denn ein Schiedsrichter macht immer Fehler."

Wenn seine Schiedsrichter mal wieder einen Spieler zu Unrecht vom Platz gestellt hatten, erhielt Roth böse Briefe von Managern und Präsidenten. Er schmiss sie immer weg. Kritik an seinen Leuten ließ er nicht zu, das durften nur er und seine Mitarbeiter. Darüber meckerten zwar die Vereine und Journalisten. Aber seine Zöglinge fühlten sich beschützt. Roth konnte hart sein, hatte aber eine väterliche Art.

Über seine Nachfolger Fandel und Krug, die ihm internationale Schiedsrichterkarrieren zu verdanken haben, will sich Roth nicht öffentlich äußern. So viel sagt er aber dann doch: "Die Ignoranz, mit der mit menschlichen Schicksalen umgegangen wird, ist bemerkenswert."

Keine Lehren aus dem Fall Rafati

Vor gut drei Jahren hatte der damalige Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati am Morgen vor einem Spiel einen Suizidversuch begangen. In einem Buch erhob er später schwere Vorwürfe gegen Fandel und Krug, er sei von ihnen gemobbt worden. Darin schildert er die Vorfälle so: Rafati machte Fehler. Fandel ließ nie ein gutes Haar an ihm, sagte Rafatis Schilderungen zufolge immer wieder: "Alle dürfen Fehler machen, nur du nicht, Babak!" Daraufhin machte Rafati noch mehr Fehler.

Als Demütigung empfand Rafati, dass er, obwohl Fifa-Schiedsrichter, als Vierter Offizieller eingesetzt wurde, also als Mann, der bei Auswechslungen die Tafel hochhält. Als Fandel noch pfiff, hatte er sich gegen diese Nebenrolle immer gesträubt. Rafati mag nicht der beste Schiedsrichter gewesen sein, doch von seiner Absetzung als Fifa-Schiedsrichter informierte ihn Fandel nicht mal persönlich. Fazit des Buchs: Die Buhrufe von Zehntausenden und die "Babak Tomati"-Schlagzeilen konnte Rafati ertragen. Von seinen Vorgesetzten fallen gelassen zu werden nicht.

Krug und Fandel bestritten Rafatis Vorwürfe. Vier bekannte Schiedsrichter nahmen auf der Website des DFB ihre Chefs in Schutz. Doch was Roth und andere noch heute erschüttert: wie unsensibel Krug und Fandel auf Rafatis Suizidversuch reagierten.

Rafatis Assistenten hatten ihn regungslos im Hotelzimmer gefunden. Doch nur wenige Stunden später baten ihre Chefs sie, ins Stadion zu fahren. Man werde einen Ersatzschiedsrichter suchen, sagte Krug, der zu dem Spiel als Beobachter eingeteilt war. Menschen, die unter schwerem Schock standen, sollten Abseits und Einwurf winken. Sie lehnten ab. Und als ein paar Tage später eine außerordentliche Telefonkonferenz mit allen Schiedsrichtern und Assistenten anberaumt wurde, plauderte Krug erst mal über Golf.

Wenn ein Mensch sich das Leben nehmen will, wirft das viele Fragen auf, zumal wenn er seine Vorgesetzten beschuldigt. Doch Fandel und Krug scheinen kaum Konsequenzen aus dem Fall gezogen zu haben. Die Schiedsrichterkommission hat zwar Maßnahmen eingeführt, das sportpsychologische Coaching etwa, es wird von einigen Schiedsrichtern angenommen. Doch dem Ombudsmann, dem sich Schiedsrichter in Problemfällen seitdem anvertrauen können, begegnen sie mit Skepsis. Er unterliegt keiner Schweigepflicht, ist zudem Aufsichtsrat eines Zweitliga-Vereins. Viele Schiedsrichter fürchten, dass er Vertrauliches an die Chefs weiterreichen würde.

Ihren Führungsstil haben Fandel und Krug offenbar nicht geändert. Das sieht man daran, wie sie die Schiedsrichter bewerten. Die internen Noten bestimmen über Auf- und Abstieg. Eine 8,9 ist herausragend, eine 8,6 sehr gut, unter 8 wird’s eng. Erstellt werden sie von den Schiedsrichterbeobachtern, oft Altehrwürdigen wie Pauly. Beobachter begleiten die Schieds- und Linienrichter ins Stadion, trösten, betreuen und bewerten sie.

Hellmut Krug © Thorsten Wagner/Bongarts/Getty Images

Selbstverschuldete Handspieldebatte

Herbert Fandel © Bongarts/Getty Images

Zunehmend jedoch korrigieren Fandel und Krug vom TV aus die Noten nachträglich. Jetzt fragt sich so mancher Beobachter: Warum gibt es uns eigentlich noch? Sie sagen auch: Fandel und Krug fördern durch dieses Bildschirmkorrektiv ihre Lieblinge.

Mancher wird für Durchschnittsleistungen mit einer 8,9 belohnt. Ein anderer wird nach unten korrigiert, nachdem er einen Allerweltsfehler begangen oder bei einer Fünfzig-fünfzig-Entscheidung nicht den Geschmack seiner Chefs getroffen hat. "Du musst gerecht sein als Schiedsrichter", sagt Pauly, "also musst du gerecht behandelt werden".

Einfluss nimmt Krug auch über die Medien. Er ist TV-Experte, spricht oft mit Reportern im Hintergrund. So kann Krug die Schiedsrichterei erklären, aber auch über die Wertung strittiger Szenen bestimmen. Ein Schiedsrichterassistent der Ersten Liga sagt, Krug gestalte manchmal die halbe Sportschau.

Über Bewertungen lässt sich viel debattieren, zumal wenn sie auch subjektiv sind. Doch offensichtlich profitieren einige von der Gunst der Chefs. Da ist das Beispiel Felix Zwayer. Für das Spiel Dortmund gegen Hoffenheim im Dezember erhielt Zwayer eine durchschnittliche Note, sagt ein Beobachter. Das war ungewöhnlich milde, Zwayer hatte ein korrektes Tor der Dortmunder nicht gegeben und einen Elfmeter für Hoffenheim übersehen.

In der Vorsaison ließ Zwayer die Rote Karte stecken, obwohl der Gladbacher Abwehrspieler Julian Korb Kevin-Prince Boateng foulte. Der hätte nur ins leere Tor schießen müssen. Nach den Regeln ein klarer Fall: Vereitelung einer Großchance, Feldverweis. Krug jedoch verteidigte Zwayers Fehlentscheidung. "Wenn eine Flanke von außen kommt, ist es keine zwingende Torchance", sagte er. Das steht in keinem Regelbuch, widerspricht jeder Fußballpraxis.

Fandels Wankelmut

Zwayer zeigt zweifellos gute Leistungen. Doch man muss auch wissen, dass Krug sein Coach ist. Der Chef sieht gut aus, wenn sein Schüler glänzt. So durfte Zwayer in der Hinrunde zehn Bundesliga-Spiele leiten, so viele wie kein anderer. Zwayer ist sogar Schiedsrichter des Jahres, obwohl er seiner Laufbahn selten zu den Besten seiner Klasse zählte. Und obwohl er gemäß einem Urteil des DFB in den Hoyzer-Skandal verstrickt war. Dass Zwayer zu gut bewertet wird, hat sich sogar bis zu Kreisliga-Schiris rumgesprochen. Und er ist nicht der einzige Schiri, über dessen Aufstieg sich viele wundern.

Andere werden kleingehalten. Robert Hartmann, Guido Winkmann, die mehrfache Weltschiedsrichterin Bibiana Steinhaus, auch einige Assistenten bekamen eine Zeit lang ungerechte, schlechte Noten. Auf Lehrgängen wurden ihre schwachen Szenen geradezu genüsslich seziert. Ihre Chefs führten sie vor.

Ein anderes Beispiel: Der Routinier Florian Meyer wurde von Fandel öffentlich kritisiert, nachdem er einen strittigen Handelfmeter gepfiffen hatte. Dabei hätte sich Fandel an die eigene Nase fassen können. Seit einiger Zeit führt die Bundesliga eine selbstverschuldete Handspieldebatte. Sie gibt es in dieser Form nur in Deutschland, obwohl die Regel einfach und überall die gleiche ist: Handspiel ist strafbar, wenn Absicht vorliegt.

Fandel und Krug führten aber immer wieder neue Kriterien ins Feld: Vergrößerung der Körperfläche, natürliche Armbewegung, Abstand zum Ball. Jetzt verschränken Abwehrspieler oft wie Tischfußballmännchen ihre Arme hinter dem Körper, damit sie bloß nicht angeschossen werden. Um die Erläuterungen der Schiri-Chefs zu verstehen, muss man studiert haben, sagen Spötter.

Fandel und Krug haben nicht nur die Schiedsrichter verunsichert, sondern auch die Trainer. Wolfsburgs Dieter Hecking sagte nach einer umstrittenen Entscheidung: "Hand muss wieder Hand sein, mir geht es um Klarheit für den Fan und Einfachheit für den Schiedsrichter." Gladbachs Coach Lucien Favre ging an die Decke: "Ich weiß nicht, wo diese Regel herkam. Diese Leute sind total dumm." Thomas Schaaf und Jürgen Klopp schlossen sich an. Das war nicht das übliche Verlierergemecker über Schiris. Das galt Fandel und Krug.

Nach einigen kritischen Schlagzeilen werden inzwischen weniger Handelfmeter gepfiffen, Fandel und Krug änderten mitten in der Saison die Linie. Die Trainer finden das prinzipiell gut, wundern sich aber, dass Fandel ihnen das auf ihrer Herbsttagung nicht erklärte. Sie fühlen sich uninformiert. Und so fangen TV-Kameras noch immer Trainer ein, denen nach Handpfiffen die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben steht.

Es gibt noch mehr Beispiele für Fandels Wankelmut: Das Freistoßspray fand er erst schlecht, dann gut. Über Abseits gab es irritierende Aussagen von ihm. Und hätte Fandel dem Wunsch der Uefa und des DFB entsprochen, hätte er zum Pokalfinale 2014 Strafraumrichter eingesetzt. Dann wäre vielleicht Dortmund statt Bayern Pokalsieger geworden, denn der Borussia wurde ein Tor nicht anerkannt.

"Fandel und Krug wissen nicht, was sie wollen", sagt der Altschiri Pauly. Er arbeitete lange für den DFB und die Uefa als Beobachter. 2010 wurde er vom neuen Chef Fandel kurzerhand abgesetzt. Zwei Jahre vor der Altersgrenze und obwohl der verdiente Pauly mit dem Job seine private finanzielle Not, in die er geraten war, hätte lindern können. Heute lebt Pauly in Thailand, "wie ein räudiger Hund", sagt er. Auch das meint Roth mit menschlichen Schicksalen.

Der mündige Schiedsrichter entspricht nicht dem Profil von Krug und Fandel

Dieter Pauly bei der EM 1988 in Deutschland © Bongarts/Getty Images

Pauly sei zu altmodisch, begründete Fandel dessen Rauswurf. Aus einer E-Mail der Uefa an die deutsche Schiedsrichterführung hingegen geht hervor, dass sie Pauly als einen der besten Beobachter einstufte. Vielleicht kommt der Wahrheit näher, was einer erzählt, der viele Schiedsrichter gut kennt: Pauly sei abgesetzt worden, weil er Krug im Beisein anderer widersprochen habe.

Wer den Mund aufmacht, hat es schwer. Ein Beispiel beschreibt Rafati in seinem Buch: Auf einer Tagung entgegnete Manuel Gräfe eine Kritik Krugs. Krug jedoch ging nicht auf Argumente ein, sondern beendete die Diskussion mit einem Machtwort. Und seit er nach Rafatis Suizidversuch ein nachdenkliches Interview gegeben habe, habe Gräfe nicht mehr denselben Status wie früher, sagt ein Beobachter.

Fandel entscheidet nämlich, wer welche Bundesliga-Spiele pfeift, formal ist er der mächtigere der Bosse. Doch Krug gilt als heimliche Nummer Eins. Auf einer Tagung vor einigen Jahren sprang ein Schiedsrichter empört auf und rief: "Herbert, wer hat hier eigentlich das Sagen?" Krug hat die besseren Kontakte zur Bild-Zeitung und zum Fernsehen. Aber auch zu den Vereinen, er ist Vertreter der Liga. Und genau darin sehen einige ein weiteres Problem. Die Uefa schreibt nämlich vor, dass die Schiedsrichterei Verbandssache sei. Wer sich nicht daran hält, dem drohen Geldstrafen, theoretisch sogar der Ausschluss der Nationalmannschaft.

Doch die reiche DFL hat vor fünf Jahren durchgesetzt, dass sie in Schiedsrichterfragen mitreden darf. Sie hat Krugs Job geschaffen. Seitdem nehmen die Vereine Einfluss. Und so kommt es, dass sie unliebsame Schiedsrichter loswerden können. Nürnberg wollte Rafati nicht mehr. Augsburg muss sich nicht mehr mit Peter Gagelmann herumschlagen. Wann Florian Meyer wieder Spiele der Dortmunder leiten darf, nachdem er im Pokalfinale ihr Tor übersah, ist offen. Und zu Bayer Leverkusen wurde Hellmut Krug lange eine besondere Nähe nachgesagt. Ein Beobachter sagt, jeder Schiedsrichter habe gewusst, dass Fehler gegen Leverkusen besonders hart benotet würden.

Die Presseanfragen von ZEIT ONLINE lassen Fandel und Krug unbeantwortet. Fragt man Schiedsrichter nach Spielen, was sie davon halten und ob die Kritik an ihren Chefs berechtigt ist, blicken die vielsagend. Reden dürfen sie nicht, Interviews nur nach Absprache mit dem DFB geben. Wer mit Schiedsrichtern zu tun hat, merkt: Sie haben Persönlichkeit, Charakter, sind eloquent, manche charmant, andere gewitzt, gerissen, eitel. Es gibt Akademiker, Karrieristen, Cowboys. Manche sind arrogant, wollen bestimmen. Zumindest die älteren und ehemaligen sind Menschen, die was zu sagen hätten. Fandel und Krug ließen sich früher nie den Mund verbieten.

Schiedsrichter sind ja auch gezwungen, etwas zu sagen: mit ihren Pfiffen. Sie brauchen Mut für Entscheidungen, die sie umgeben von Millionären vor Millionen Zuschauern treffen müssen. Mut, einem zähnefletschenden Jürgen Klopp die Stirn zu bieten. Mut, unabhängig und neutral zu urteilen. Mut, auch die Mächtigen zu strafen. Der ehemalige Mainzer Trainer Thomas Tuchel sagte mal: "Der Ton, in dem die Spieler von Bayern München mit den Schiedsrichtern reden, unterscheidet sich kolossal von dem der Spieler von Mainz – wenn die überhaupt das Wort erteilt kriegen."

"Gefragt sind heute Nicken und Jasagen"

So denken viele in der Bundesliga, zuletzt hat sich Klaus Allofs derart geäußert. Es gehört mehr dazu, Bastian Schweinsteiger die Rote Karte zu zeigen als einem Spieler von Eintracht Braunschweig oder dem SC Freiburg. Man braucht Rückgrat, wenn man in Dortmund in der 85. Minute einen Elfmeter gegen den BVB pfeifen muss.

Doch der mündige Schiedsrichter entspricht nicht dem Profil von Krug und Fandel. Sie fordern Gehorsam, sagt einer, der nahe dran ist. Dieter Pauly sagt: "Gefragt sind heute Nicken und Jasagen."

Jahrzehntelang galten deutsche Schiedsrichter als die besten der Welt. Doch die Zeiten sind vorbei. Das liegt auch daran, dass Fandel sportpolitisch ungeschickt ist. So kritisierte er während der WM-Vorrunde 2014 die Fifa. Das war inhaltlich korrekt, aber er hätte ahnen können, dass er Felix Brych, der in Brasilien pfiff, dadurch die Chance auf die K.o.-Runde nahm. Die Fifa tickt so, duldet keine Kritik. Brych fuhr nach der Vorrunde nach Hause.

Vor allem sind die deutschen Schiedsrichter nicht mehr so gut wie früher. Das sagt ein Bundesliga-Trainer. Ein Spieler, den man aus der Bundesliga kennt, sagt: "Es ist bekannt, dass unsere Schiedsrichter schlechter werden, weil sie schlecht geführt werden." Das Problem dürfte sich verschärfen, weil in den nächsten Jahren einige erfahrene Schiris aus Altersgründen ausscheiden. Pauly sagt, dass die deutschen Schiedsrichter international an Ansehen verloren hätten.

Das lässt sich sogar an Zahlen ablesen. In der Elitegruppe der Uefa waren vor zehn Jahren vier von zweiundzwanzig Schiedsrichtern deutsch. Heute sind es nur noch zwei, Brych und Deniz Aytekin, ein weiterer Krug-Schüler, der gerade aufgestiegen ist. Wichtige Spiele bei großen Turnieren oder im Europapokal leiten Deutsche schon länger nicht mehr. In der vorigen Europapokalrunde im Dezember pfiff in 32 Spielen nur ein einziger Deutscher – und das sogar nur in der zweitklassigen Europa League. Vor zehn Jahren war die Deutschen-Quote durchschnittlich mindestens vier Mal so hoch.

Im deutschen Fußball mag es noch nicht überall angekommen sein, dass die Qualität seiner Schiedsrichter sinkt. Das Ausland hat sie längst bestraft.