Holger Badstuber

Er musste zuschauen, wie seine Kollegen vom FC Bayern 2013 das Triple gewannen. Er musste zuschauen, wie sie 2014 das Double gewannen. Und er musste zuschauen, wie die Nationalmannschaft in diesem Sommer Weltmeister wurde. Wenn all das Unglück nicht gewesen wäre, Holger Badstuber wäre überall dabei gewesen. Der 25-Jährige ist womöglich einer der besten Innenverteidiger seiner Generation. Wegen zwei Kreuzbandrissen hintereinander hat er aber in den vergangenen zwei Jahren nur vier Fußballspiele absolvieren können. Und als ob seine Leidensgeschichte nicht schon biblisch genug wäre, riss ihm im vierten Spiel nach seinem Comeback eine Sehne. Jetzt hat er sich wieder einmal herangekämpft, sein Trainer Pep Guardiola schwärmt von ihm und man kann nicht anders, als diesem bescheidenen und leisen Bayern die Rückrunde seines Lebens zu wünschen. Und beste Gesundheit.

Xizhe Zhang

Wolfsburgs neuer Chinese Xizhe Zhang © Julian Stratenschulte/picture alliance/dpa

"Guten Tag, ich bin Tschangchije", las Xizhe Zhang im Dezember auf einer Pressekonferenz in Wolfsburg vom Zettel ab. In China schauten angeblich 44 Millionen Menschen zu, die Vorstellung des VfL-Neuzugangs wurde dort live im Staatsfernsehen übertragen. China? Wolfsburg? Man muss kein Fußballkapitalismuskritiker sein, um hier die Nase zu rümpfen. Ist der 23-jährige Zhang aus Wuhan womöglich nur ein lebendiger PR-Gag? Die Indizien sprechen dafür: Der VfL braucht eigentlich keinen neuen offensiven Mittelfeldspieler, dafür haben die alten offensiven Mittelfeldspieler ihre Sache zu gut gemacht, Wolfsburg ist Tabellenzweiter. Zudem tut sich der Mutterkonzern VW in China gerade etwas schwer. Da kann es nicht schaden, dass sich plötzlich Millionen von Menschen für VW und den VfL Wolfsburg interessieren, einen Verein, der selbst in Deutschland außerhalb Wolfsburgs seine Fans an zwei Händen abzählen kann. Die Verantwortlichen des VfL versuchten, das Naheliegende schnell zu dementieren, Dieter Hecking lobte den Chinesen nach den ersten Trainings ausdrücklich. Wir werden jedenfalls ganz genau hinschauen, ob in der Rückrunde in Wolfsburg die Zhang-Dynastie beginnt oder er der arme Kerl doch nur als Litfaßsäule verpflichtet wurde.

Valon Behrami

Hamburgs Zweikampfmonster Valon Behrami © Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images

Genau 2,88 Mal pro Partie foult Valon Behrami seine Gegenspieler. Eine Zahl bei der jeder Kreisliga-Vorstopper, der etwas auf sich hält, nur lächelnd seine Schraubstollen anfeilt, aber in der braven Bundesliga reicht das schon fürs Bad-Boy-Image. Keiner foult so häufig wie er. Wer also auf eine härtere Gangart steht, muss auf den Schweizer Hamburger mit den blonden Großraumdisco-Strähnchen achten. Auch außerhalb des Platzes ist Behrami beim HSV der Mann fürs Grobe. In der Vorrunde mahnte er, seiner Mannschaft fehle es an Mentalität, Charakter und Führungspersönlichkeiten. Wir könnten jetzt schlaumeierisch widersprechen, dass die drei Dinge doch eigentlich das Gleiche seien, haben aber Angst, dass Behrami uns hier am Großraumbüroschreibtisch gleich von den Beinen holt.

Mats Hummels

Mats Hummels beschwert sich © Christof Koepsel/Getty Images

Es war wirklich Mats Hummels, der in der Vorrunde Löcher in die Bundesligaluft schlug, dass einem Angst und Bange wurde. Der Mats Hummels, der bei der WM im Sommer zwei Tore köpfte und auch den ein oder anderen Zweikampf gewann. Der Mats Hummels, an dem angeblich die halbe Fußball- und die komplette Damenwelt interessiert ist. Nun ist Mats Hummels auch in Höchstform mitnichten vor Stellungsfehlern und Sinnlosgrätschen gefeit. Ganz zu schweigen von seiner schnöseligen Spielweise. Aber so hilflos, wie sich Hummels in der Vorrunde gab, musste man ja schon fast Mitleid haben, er war so etwas wie das Sinnbild der BVB-Krise. Und genau dieser Blick des verletzten Welpen mit den wilden Locken hat die Frauenherzen nur noch mehr erweicht. Sorry, liebe Damen, aber das wird in diesem Extrem bald vorbei sein. Mats Hummels kann in der Rückrunde nur besser werden. Außerdem hat er ja seine Cathy. Zitat: "Mein Luxus ist keine goldene Uhr, sondern der Caffè Latte mit Sojamilch, den ich jeden Morgen trinke."