In der Nacht meldete sich Ozeanien. Die elf Mitgliedsnationen der dortigen Fußballföderation signalisierten dem Fifa-Präsidenten Sepp Blatter, er könne sich ihrer Unterstützung sicher sein. Trotz aller Skandale. Die 300.000 Euro Reisekostenzuschuss für die WM-Qualifikation 2018, die jedes Land erhält, scheinen überzeugend genug. Das System Blatter läuft. Wie geschmiert.

Auf den ersten Blick ist es also ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen, das Prinz Ali bin al-Hussein sich da vorgenommen hat. Sepp Blatter zu stürzen gleicht dem Vorhaben, einen König vom Thron zu jagen, der seinen Untertanen jeden Tag ein paar Goldtaler zusteckt. Doch der 39-Jährige aus Jordanien hat sich genau das fest vorgenommen. "Ich möchte Fifa-Präsident werden, weil ich glaube, dass es an der Zeit ist, den Blick statt auf Kontroversen in der Verwaltung wieder auf den Sport zu richten", twitterte der Prinz.

Ganz nett, aber er hat gegen Blatter doch sowieso keine Chance. Das waren die ersten Reaktionen auf die Ankündigung des Jordaniers. Doch seine Lage ist keineswegs hoffnungslos. Sepp Blatter kann zwar traditionell auf die Kleinen zählen. Die Fußballverbände von Simbabwe und Tonga haben in der Fifa genauso viele Stimmen wie der DFB oder die englische FA, eine nämlich. Aber der Prinz könnte einige überraschen, könnte tatsächlich zur Alternative zum ewigen Sepp Blatter werden. "Ich glaube, er hat eine Chance und wird eine erhebliche Menge an Stimmen einsammeln können", sagt etwa der Journalist und Blogger James Dorsey, der sich mit dem Fußball im Mittleren Osten beschäftigt.

Anderer Ansatz zu führen

Ali bin al-Hussein ist der Halbbruder des Königs von Jordanien. Er gilt als direkter Nachkommen des Propheten Mohammed, nunmehr in der 43. Generation, seine Schwester Haya war bis vor wenigen Wochen Präsidentin des Weltreiterverbandes. Der Prinz, der in England und in den USA zur Schule ging, wurde bereits mit 23 Jahren Chef des jordanischen Fußball-Verbands. Er soll fußballverrückt sein.

Derzeit ist er der jüngste aller globalen Fußballleader. Er ist immerhin schon Fifa-Vizepräsident, was viele zweifeln lässt, ob er, als Teil des Systems, wirklich der große Reformer sein kann. Immerhin aber hatte sich Prinz Ali als einer der ersten Funktionäre für die Veröffentlichung des Berichts von Fifa-Chefermittler Michael Garcia stark gemacht. Und er gehörte auch zu den drei Exekutivkomitee-Mitgliedern (von 25), die die 26.000 Dollar teuren Uhren zurückgaben, die der brasilianische Fußballverband während der WM verschenkte.

Die Bilanz seiner vierjährigen Amtszeit als Vizepräsident der Asiatischen Fußball-Konföderation AFC kann sich ebenfalls sehen lassen. Er war maßgeblich an der Aufhebung des Schleierverbots für fußballspielende Frauen beteiligt. Jugend- und Frauenfußball waren seine großen Themen. 2012 arbeitete er eine Resolution aus, die festlegte, dass Frauen genauso das Recht auf Fußballspielen haben wie Männer. Keine Selbstverständlichkeit im Mittleren Osten. Alle Länder der Region, außer Saudi-Arabien und Jemen, unterschrieben.

In einem Interview mit dem Tagesspiegel im Jahr 2012 sagte er: "Es gibt eine Kluft zwischen Menschen, die Fußball spielen und lieben, und denen, die es verkaufen." Das wird wohl die Headline seines Wahlkampfes. 

"Prinz Ali möchte den Schwerpunkt der Fifa von politischen Hinterzimmerdeals zurück auf das Fußballfeld verlagern", sagt James Dorsey. Er würde die Fifa nicht sofort auf links drehen können, aber mit dem Jordanier kämen nicht nur ein Generationenwechsel, sondern wohl auch ein anderer Ton, ein anderer Ansatz zu führen. "Er sorgt sich auf eine ehrliche Art und Weise um den Fußball", sagt Dorsey. Die Frage ist, wie viele der Fifa-Mitgliedsverbände das auch tun.