John du Pont fuhr auf seinem Anwesen gelegentlich mit einem Panzer herum. Er dachte auch, Bäume könnten sich entwurzeln und durch die Gegend laufen. Oder Pferde würden ihm Botschaften vom Mars senden. John du Pont kaufte ein Polizeiauto, zog eine Uniform an und stoppte Leute, um ihnen Strafzettel zu schreiben. Manchmal sah er Disney-Figuren über seine Ländereien laufen. Und er vermutete, jemand hätte seine Billardkugeln verwanzt.

Eines Tages erschoss John du Pont einen Olympiasieger, der gerade freundlich lächelnd auf ihn zulief. Bis heute weiß niemand, warum. Auch du Pont nicht, der vor vier Jahren im Gefängnis starb.

John du Pont war Multimillionär, sein Urgroßvater gründete die Firma Du Pont, die heute einer der größten Chemiekonzerne der Welt ist, sie erfand Teflon und Nylon. John du Pont war wahrscheinlich der reichste US-Amerikaner, der wegen Mordes vor Gericht stand. Sein Opfer war Dave Schultz, damals der bekannteste Ringer des Landes. Die Geschichte von du Pont und Schultz wird in dem Film Foxcatcher erzählt, der am Donnerstag in die deutschen Kinos kommt. Der Film ist für fünf Oscars nominiert. Doch die wahre Geschichte ist auch spannend.

Einziger Freund bekam Geld dafür

"Man war mit John du Pont nicht gerne allein in einem Raum", sagt Alexander Leipold. "Er war ein komischer Charakter." Leipold war ein deutscher Ringer, er gewann 2000 die Olympischen Spiele in Sydney. Jahre zuvor hatte er John du Pont getroffen, als er mit einer Weltauswahl in Wladikawkas gegen ein russisches Team antrat. Du Pont saß als Betreuer direkt an der Matte. Ein Platz, den er sich erkauft hatte. "Man sah damals, dass er nicht viel Ahnung vom Ringen hatte", sagt Leipold.

Du Ponts Eltern trennten sich, als er zwei Jahre alt war. Er wuchs bei seiner Mutter auf. Zu seinen Geschwistern hatte er wenig Kontakt, sie waren sehr viel älter als er. Seine Kindheit verbrachte er größtenteils allein auf einem 180 Hektar großem Anwesen in Pennsylvania, inklusive riesigem Herrenhaus. Nach einem Reitunfall mussten ihm beide Hoden entfernt und durch Prothesen ersetzt werden.

Sein einziger Freund war der Sohn des Chauffeurs. Irgendwann fand John du Pont heraus, dass seine Mutter den Jungen für diese Rolle bezahlte. Er suchte nach Anerkennung. Und fand den Sport.

Du Pont war auch Ornithologe. Ihm wird die Entdeckung von etwa zwei Dutzend Vogelarten auf den Philippinen und im Südpazifik zugeschrieben. Er besaß 100.000 ausgestopfte Vögel und etwa zwei Millionen Muscheln. Er war auch Philatelist, 1980 kaufte er für knapp eine Million Dollar eine der seltensten Briefmarken der Welt, die British Guiana 1c magenta, die nach seinem Tod für 9,5 Millionen Dollar versteigert wurde. Sie ist noch heute die teuerste Briefmarke der Welt.

Als Sportler nicht gut genug

Doch eigentlich wollte der Multimillionär nichts mehr, als bei Olympia dabei zu sein. Dem stand entgegen, dass er ein höchstens durchschnittlich begabter Sportler war. Er versuchte sich als Schwimmer, trainierte mit dem berühmten Santa Clara Swim Team in Kalifornien, war aber zu langsam.

Er bekam den Tipp, es mit dem Modernen Fünfkampf zu versuchen. Der besteht aus Schwimmen, Fechten, Springreiten, Schießen und Laufen. Die Konkurrenz war in diesem Sport nicht besonders groß, weil es viel Zeit und vor allem Geld brauchte, um alle Disziplinen anständig zu trainieren. Du Pont hatte beides.

Er ließ sich zu Hause eine Laufstrecke anlegen, einen Schießstand einrichten und ein 50-Meter-Schwimmbecken bauen, wie sie bei Olympischen Spielen üblich sind. Er leistete sich Privattrainer für jede Disziplin. An den Wänden des Schwimmbads ließ er Fliesen aus Florenz anbringen, die ihn in allen fünf Disziplinen darstellten. In den US-Ausscheidungen für die Olympischen Spiele 1968 wurde er Vorletzter.

"Er dachte, er könnte Respekt kaufen"

In dem Streben nach sportlichem Ruhm blieb nur noch die Rolle als Trainer, Betreuer, Mäzen. John du Pont entdeckte das Ringen für sich. Er liebte den Sport, obwohl er ihn selbst kaum ausübte. Du Pont überwies Amerikas Ringerverband drei Millionen Dollar. Auf seinen Ländereien baute er ein Trainingszentrum und gründete eine private Trainingsgruppe, das Team Foxcatcher. Viele Ringer lebten auf dem Gelände, bekamen eine Art Gehalt, sodass sie sich ganz auf ihren Sport konzentrieren konnten.

Gegen Ende der achtziger Jahre holte du Pont den Olympiasieger von 1984, Mark Schultz, in sein Team, den Bruder des späteren Mordopfers. Mark Schultz schrieb über seine Erlebnisse mit du Pont ein Buch, die Vorlage für den Film. Er schreibt: "Für ihn waren wir nur da, um ihn zu glorifizieren. Er würde alles tun, um zu bekommen, was er wollte: Respekt. Er hat ihn sich jedoch nicht verdient. Das war das Problem. Er dachte, er könnte Respekt kaufen."