Das Blog Metronaut veröffentlichte vor ein paar Tagen eine Plakatreihe mit Motiven der Olympischen Spiele 1936 in Berlin. In die montierten die Blogger das aktuelle Kampagnen-Motto "Wir wollen die Spiele – Berlin für Olympia". Der Blog kennzeichnete die Aktion als Satire. Trotzdem mahnte das Land Berlin die Blogbetreiber ab. Die haben die Motive mittlerweile aber wieder online gestellt.
ZEIT ONLINE: Herr Nebel, in Ihrem Blog zeigen Sie bearbeitete Nazi-Plakate, die plötzlich für die Olympischen Spiele 2024 werben. Warum?
John F. Nebel: Das ist Satire. Die Bilder sollen provozieren, weil in der Olympiabewerbung Berlins sehr wenig kritisch darüber geredet wird, was neue Spiele bedeuten, wenn man solch eine Nazivergangenheit hat wie Berlin mit Olympia 1936. Satire muss nicht gefallen, muss nicht schön und hintersinnig sein. Satire darf alles und sie hat auch das Ziel, eben nicht zu gefallen. Das kann auch provozieren.
ZEIT ONLINE: Nun kann man Ihnen aber auch eine gewisse Berechnung unterstellen. Nichts provoziert in diesem Land so sehr wie ein Nazivergleich.
Nebel: Ich sehe das nicht als Nazivergleich. Ich würde der Olympiakampagne nie vorwerfen, dass sie es wie 1936 macht. Ich will nur sagen: Guckt mal, Berlin 1936, da war doch was, da müssen wir hingucken. Die Sportstätten stehen ja auch noch. Man muss den richtigen Umgang mit der Vergangenheit finden. Momentan erleben wir eine künstliche Jubelstimmung. Den 50 Prozent der Berliner, die die Spiele nicht wollen, trichtert man in einer großen Kampagne ein: Wir wollen die Spiele!
ZEIT ONLINE: Haben Sie wirklich was gegen Olympia oder wollen Sie nur stänkern?
Nebel: Ich sehe solche Großveranstaltungen kritisch. Vor allem, wenn man bedenkt, was da alles passiert, wie das IOC mit Markenrechten umgeht und so weiter.
ZEIT ONLINE: Ist dann aber die fehlende Aufarbeitung der Nazispiele wirklich das drängendste Thema?
Nebel: Das kann man nicht getrennt sehen. Natürlich geht es auch um die Frage, ob diese Stadt sich die Spiele überhaupt leisten kann. Das muss zusammen diskutiert werden.
ZEIT ONLINE: Wie nehmen Sie die Olympiastimmung in der Stadt wahr? Gibt es sie überhaupt?
Nebel: Nein, da springt kein Funke über, obwohl da sehr viel Geld und Kraft reingesteckt werden. Diese Kampagne wirkt verzweifelt. Die Leute sagen nicht: Wir wollen das unbedingt haben. Ich glaube, das liegt auch daran, dass die Berliner nach dem Flughafen Angst vor Großprojekten haben und denken, das wird das nächste Milliardengrab, oh Gott!
ZEIT ONLINE: Sie wurden vom Land Berlin abgemahnt und nahmen die Motive kurz aus dem Netz.
Nebel: Wir hatten am Montag eine Frist von 26 Minuten. Das war knapp bemessen, um Druck zu machen. Wir sind Feierabendblogger, wir mussten sehr schnell handeln, einen Anwalt finden, die Motive aus dem Netz nehmen.
ZEIT ONLINE: Warum haben Sie die Motive runtergenommen und dann am Dienstag doch wieder veröffentlicht?
Nebel: Das war zunächst eine Vorsichtsmaßnahme. Zu der Zeit konnte ich noch nicht absehen, wie sich das entwickelt. Ich habe das dann mit unserem Anwalt besprochen. Und wir haben uns entschieden, die Motive wieder online zu stellen.
ZEIT ONLINE: Was fürchten Sie, könnte noch auf Sie zukommen?
Nebel: Es können jetzt schon Kosten auf uns zukommen. Aber das Thema ist durch die Abmahnung viel größer geworden, größer als die eigentliche Satire. Selbst internationale Medien berichten. Ich weiß nicht, ob sich das Land Berlin damit einen Gefallen getan hat.
Das Blog Metronaut veröffentlichte vor ein paar Tagen eine Plakatreihe mit Motiven der Olympischen Spiele 1936 in Berlin. In die montierten die Blogger das aktuelle Kampagnen-Motto "Wir wollen die Spiele – Berlin für Olympia". Der Blog kennzeichnete die Aktion als Satire. Trotzdem mahnte das Land Berlin die Blogbetreiber ab. Die haben die Motive mittlerweile aber wieder online gestellt.
ZEIT ONLINE: Herr Nebel, in Ihrem Blog zeigen Sie bearbeitete Nazi-Plakate, die plötzlich für die Olympischen Spiele 2024 werben. Warum?