Setzt man bei einem bekannten Wettanbieter 10 Euro auf einen Sieg für Schachtar Donezk, erhält man, im Erfolgsfall, 170 Euro zurück. Auch für ein Unentschieden, das den Ukrainern in München wohl für das Viertelfinale genügen würde, sind es noch 75. Eindrückliche Zahlen. Wie die hier: 8:0, 6:0, 4:1, 3:1, die letzten Bundesliga-Siege Bayern Münchens.

Der FC Bayern hat in der Bundesliga elf Punkte Vorsprung (noch so eine Zahl). Und er ist nach dem 0:0 im Hinspiel der Favorit. Aber schaut man sich das Spiel der Bayern in diesem Kalenderjahr genauer an, könnte der Wettanbieter ein wenig zu optimistisch gerechnet haben. Die Bayern gewinnen längst nicht so problemlos, wie die Ergebnisse es scheinen lassen, und wie man das von ihnen gewohnt ist. Man sieht der Elf in diesen Wochen manchmal nicht an, dass sie von Pep Guardiola trainiert wird.

Seinen Stil kennt man aus der Vorsaison, der Hinrunde oder aus dem Buch Herr Guardiola von Martí Perarnau. Er will Kontrolle, er will den Zufall besiegen. Beim Angreifen schiebt sich seine Elf nach und nach, Pass für Pass, in einer harmonischen Choreografie nach vorne. Gleichzeitig will er das Risiko gering halten. Verliert sein Team den Ball, soll ihr Netz so fein gewoben sein, dass es sich ihn schnell wiederholen kann. In der Vergangenheit kamen die Gegner manchmal kaum über die Mittellinie. Er hat Bayern auf ein neues Niveau gehoben. Und es sieht so einfach aus, wenn's klappt.

Die Details stimmen nicht immer

Das System wird aber instabil, wenn nicht alle mitmachen. Auf die Details kommt es an, etwa die Abstände zwischen den Spielern, auch in welchem Winkel sie zueinander stehen, und wer wann wohin läuft. Leicht gesagt, schwer getan. Jede neue Spielsituation verlangt neue Entscheidungen, neue Laufwege und Lauffinten, mit denen man den Gegner in die falsche Richtung schickt.

Die Details stimmen zurzeit nicht immer, vor allem im Mittelfeld, dem Herz des Spiels. Dort zeigt sich die Qualität des Guardiola-Stils, dort braucht er Spieler, die drei Dinge herausragend können: Ballkontrolle, Freilaufen, Passen. Der leichtfüßige Thiago mit den unsichtbaren Pässen ist ein Guardiola-Spieler. Oder Javier Martinez, der taktisch beste Defensivspieler. Oder Toni Kroos. Und vor allem Philipp Lahm, von ihm kann Guardiola gar nicht genug schwärmen. Lahm ist vom Ball kaum zu trennen, er läuft so gut wie immer im richtigen Moment an den richtigen Ort. Das Problem: Thiago, Martinez und Lahm sind verletzt, Kroos ist verkauft.

Die Kontrolle geht verloren

Bei den Spielern, die zurzeit im Mittelfeld zum Einsatz kommen, sieht man Abweichungen vom Pep-Standard. David Alaba hat einen starken linken Fuß, kann sich den Ball aber nicht so gut auf den rechten legen. In der Vorwärtsbewegung nimmt er ihn nicht immer in die gewünschte Richtung mit. Und er braucht manchmal einen Tick länger, um sich freizulaufen. Bastian Schweinsteiger weicht aus, wenn er Gegenspieler um sicht hat, meist auf links. Dadurch gibt Bayern die Macht im Zentrum auf, der wichtigsten Zone des Guardiola-Spiels. Mario Götze hat große Momente, ist aber für konstanten Guardiola-Fußball nicht erwachsen genug, er nimmt, wenn es schlecht läuft, wenig Einfluss auf das Spiel, obwohl er es könnte. Und Xabi Alonso läuft immer richtig und hält die Position, ist aber ein wenig zu langsam und für das Donezk-Spiel ohnehin gesperrt.

Diese kleinen Schwächen können sich zu nicht mehr ganz so kleinen Problemen summieren. Dann reißt der Kontakt zwischen den Spielern ab. Dann verlieren die Angriffe an Zielstrebigkeit, das Tiki Taka verkommt zum Selbstzweck. Vor allem geht die Kontrolle über die Konter des Gegners abhanden. Lahm, ein Kapitän der leisen Töne, hat die Mängel diese Woche in einem Interview angedeutet: "Es geht darum, wie sich Mannschaft und einzelne Spieler bei Ballverlust verhalten", sagte er dem kicker. "Wie wir verteidigen mit schnellen Balleroberungen, sind wir anfällig, wenn wir es nicht korrekt machen."