Sie sind die deutsche Nationalmannschaft, aber drei Monate vorher war nicht klar gewesen, ob Daniela Steidl und ihre Mitspielerinnen an der Weltmeisterschaft teilnehmen würden. Einen Teil der Reisekosten sowie Übernachtung und Verpflegung zahlte die Mannschaft selbst. Den anderen Teil übernahmen der Verband und die Vereine. Ein Sponsor hatte die Badeanzüge bezahlt. Aber die Anmeldegebühr war dann einfach zu hoch: 3.000 Euro.

Daniela Steidl spielt Unterwasserhockey. Viel mehr Nische geht nicht. Geld hat hier keiner so richtig. "Ein Jahr vor der WM in Ungarn haben wir mit der Sponsorensuche angefangen, aber es war sehr schwierig. Unseren Sport kennt einfach kaum jemand", sagt sie. Dass die deutsche Unterwasserhockey-Frauen-Nationalmannschaft trotzdem zur Weltmeisterschaft nach Ungarn fahren konnte, hat sie der Crowd zu verdanken, der Masse also. "Irgendwann haben wir Crowdfunding entdeckt. Eine Woche vor der WM hatten wir das Geld zusammen, das hat uns alle total überrascht."

Das Prinzip von Crowdfunding ist einfach: Es sind nicht wenige Sponsoren, die große oder mittlere Beträge zahlen. Stattdessen finanzieren viele private Unterstützer Projekte mit kleinen Summen. Onkel Horst, Oma Erna, Opa Heinz. Am Ende, so die Idee, kommt dabei genauso viel Geld zusammen. Dieses Modell, das in der Kultur, Kunst oder Wirtschaft gut funktioniert, spielt auch im Sport eine immer größere Rolle.

Crowdfunding hilft vor allem kleinen Vereinen

Über spezielle Onlineportale stellen Sportler sich und ihre Projekte vor, machen Werbung und versuchen, Spenden zu sammeln. Für jeden Betrag gibt es eine Gegenleistung. "Wir haben zum Beispiel Postkarten oder Fotos von der WM geschickt", sagt Steidl. Die einzige Hürde: Die angestrebte Summe muss in einer bestimmten Zeit gespendet werden. Sonst bekommt der Sportler nichts und die Geldgeber alles zurück.

Die Unterwasserhockey-Spielerinnen haben sich ihren WM-Start über Deutschlands erste Sport-Crowdfunding-Plattform ermöglicht: Fairplaid. Die Seite wurde im November 2012 von Marthe-Victoria Lorenz gegründet. Ihre Bachelorarbeit in Medienwirtschaft schrieb sie über Crowdfunding als Finanzierungsmodell für Sportvereine. Das Ergebnis: Vor allem für kleine Vereine kann es eine Alternative zum klassischen Sponsoring sein.

"Was können Mannschaften mit zehn Zuschauern pro Spiel Sponsoren schon bieten? Sie fallen mit ihrer geringen Reichweite durch das Raster, brauchen aber auch Geld. Dabei wollte ich helfen", sagt Lorenz. Seit Fairplaid im Sommer 2013 online ging, unterstützten mehr als 2.800 Spender mit knapp 180.000 Euro gut sechzig Projekte. Der Förderverein für Ringkampfsport in Weilimdorf beispielsweise sammelte 400 Euro für T-Shirts, der TuS Burgschwalbach 1.500 Euro für zwei neue Tore für sein Jugend-Team, die Heißluftballon-Nationalmannschaft 3.000 Euro für ihre WM in Brasilien.

Das Prinzip, schon mit einem kleinen Betrag zu helfen und zu einem Teil eines Projektes zu werden, funktioniert. Im Idealfall, sagt Lorenz, entwickle sich diese Form der Finanzierung neben wirtschaftlichem Sponsoring und der staatlichen Förderung zu einer dritten Säule.