Nur einen Tag nach dem Votum für die erste Winter-WM der Fußball-Geschichte in Katar 2022 hat die Fifa ihre größten Kritiker mit Geld beschwichtigt. Europas Top-Clubs bekommen nicht nur für die umstrittene WM im Emirat am Golf, sondern auch schon für das nächste Turnier in gut drei Jahren in Russland die Rekordsumme von 209 Millionen Dollar – umgerechnet etwa 195 Millionen Euro. Das bestätigte die European Club Association ECA kurz vor Abschluss der Sitzung des Fifa-Exekutivkomitees in Zürich.

Die Summe ist das Dreifache der Kompensation im Vergleich zur Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr in Brasilien. Zuletzt war über eine Verdoppelung der Kompensationszahlungen spekuliert worden. 

Bayern Münchens Vorstandschef und ECA-Vorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hatte stets betont, dass die Vereine für ihre Einwilligung zur Winter-WM eine Entschädigung erhalten müssen. Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke hatte das noch im Februar ausgeschlossen. Nun wurde Fifa-Chef Joseph Blatter in einer Mitteilung zitiert, der die Entscheidung darin als "riesigen Schritt" bei den Bemühungen für ein besseres Miteinander von Weltfußballverband und Top-Clubs bezeichnete. Leisten kann er sich den Geldsegen für die Clubs: Durch die WM 2014 in Brasilien hat der Weltfußballverband offenbar einen Rekordgewinn in Milliardenhöhe erzielt. 

Rummenigge begrüßte die Vereinbarung. "Aus Sicht der ECA ist das ein sehr erfreuliches Ergebnis", heißt es in einer Mitteilung. Es markiere einen weiteren Meilenstein, den der europäische Club-Fußball gesetzt habe.

Geld nur für Vereine, die Spieler abstellen?

Auf Gegenliebe stößt die Winter-WM bei den Spitzenvertretern des deutschen Fußballs aber weiterhin nicht. "Es fällt nicht leicht, sich mit dem Gedanken abzufinden, dass ein WM-Finale an einem 4. Advent stattfindet, aber aufgrund des Klimas gab es keine Alternative zur Verlegung in die Wintermonate", sagte der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Unklar war noch, ob die knapp 200 Millionen Euro nur an die Clubs gehen, die WM-Spieler abstellen. Ein Verein ohne WM-Spieler könnte demnach leer ausgehen und auf seinen Kosten durch die lange Saisonpause im Advent 2022 sitzen bleiben. Teil der Einigung, die auch die Fifa bestätigte, ist zudem ein größeres Mitspracherecht der Vereine bei der Gestaltung des internationalen Spielkalenders. Das ist angesichts der Unterbrechung der Saison 2022/23 von Bedeutung.

Uefa-Chef Platini erinnert an Interessen nationaler Verbände

Mit der Kompensation ist es aber offenbar für die Fifa nicht getan. Als erster Kontinentalverbandschef erinnerte Uefa-Chef Michel Platini – Dauerrivale von Blatter – an die Interessen der nationalen Verbände, die in gut sieben Jahren zur ungewohnten Adventszeit um den WM-Pokal kämpfen und ihre regulären Länderspiele deshalb verschieben müssen.

"Aber die Fifa muss jetzt die internationalen Termine der Nationalverbände schützen – es gibt vier Länderspieltermine, die betroffen sein können. Sie sind die Lebensader der Nationalverbände", sagte Platini. Die Fifa will nun schnell Konsultationen für die notwendige Spielplanmodifizierung angehen.