Als Joachim Löw über das Unentschieden gegen Australien sprach, glitzerte sein Goldkettchen, das er seit Kurzem um den Hals trägt, im Scheinwerferlicht des Kaiserslauterer Presseraums. Dann fragte ihn ein Reporter, ob er beim Quali-Spiel in Georgien erneut auf die Dreierkette setzen werde, sein neuestes taktisches Schmuckstück. Löw verneinte und sagte, er habe sie nur mal testen wollen. Sie könne jetzt noch nicht richtig klappen. Sein weltmeisterlich cooler Blick richte sich auf die Zeit in einem Jahr, "vielleicht auch die in drei Jahren".

Löw denkt weit voraus, er plant die Zukunft. Das ist seit Wochen zu spüren. Mitte März hat der DFB seinen Vertrag um weitere zwei Jahre verlängert. Löw dürfte eine Ära prägen wollen, wie die Spanier, die von 2008 bis 2012 drei Turniere nacheinander gewannen. Das neue Ende seines neuen Vertrags, 2018, deutet jedenfalls darauf hin, dass er sich am Beginn einer neuen Phase fühlt. Dann ist wieder WM, diesmal in Russland.

Nach dem wackligen 2:2 gegen Australien beschleicht einen aber das Gefühl, dass die Gegenwart auch ein bisschen seiner Aufmerksamkeit vertragen könnte. Das Jahr eins nach Rio hat begonnen, doch seit dem WM-Titel hat die Löw-Elf noch nicht viel geboten.

Das war auch gegen Australien so. Der Spielaufbau aus der Abwehr heraus war mickrig. Das Mittelfeld passte zu ungenau, stand nach Ballverlusten zu offen und ermöglichte den Australiern Konter. Mario Götze stand seinen Mitspielern das eine oder andere Mal auf den Füßen – oder umgekehrt. Beim Verteidigen sah man große Lücken, etwa vor dem 1:1, als Karim Bellarabi und Mesut Özil dem Flankengeber eine Gasse öffneten. Manchmal hatte man das Gefühl, dass in der Abwehr einer fehlt. Die Australier hätten 1:0, später auch 3:1 in Führung gehen können. Vieles sah "lahmaschisch" aus, wie ein Pfälzer von der Haupttribüne rief.

Die Enttäuschung der Zuschauer war spürbar, lange war es sehr leise uffm Betze. Erst Lukas Podolski verhinderte mit seinem Tor die Niederlage und rettete den Abend. Das Publikum jubelte schon bei seiner Einwechslung, erst recht bei seinen Schüssen und Dribblings. Doch Podolski ist ein Stürmer, der eher für die Vergangenheit als die Zukunft stehen dürfte. Einer, der Löw jedenfalls nicht zuerst in den Sinn kommt, wenn er an Moskau denkt.

Es gibt ja durchaus genügend andere gute deutsche Fußballer, die seine Zukunftshoffnung rechtfertigen. Zwar werden nach wie vor Stürmer und Außenverteidiger gesucht und Löws bester, Philipp Lahm, hat aufgehört. Doch da sind ja noch Manuel Neuer, Thomas Müller, Toni Kroos oder Jérôme Boateng, der athletischste Verteidiger. Das ist die deutsche Weltklasse, die gegen Australien alle pausieren durften. Knapp dahinter stehen Spieler, die bis zur EM 2016 in Frankreich von guten Trainern in die Weltklasse befördert werden könnten: Mario Götze, Marco Reus, Mesut Özil, İlkay Gündoğan, vielleicht auch Julian Draxler.