Nach einem schweren Unfall bei der deutschen Langstrecken-Meisterschaft Nürburgring ist ein Zuschauer ums Leben gekommen. Zwei weitere Zuschauer wurden bei dem Unfall verletzt, teilte der Deutsche Motorsport-Bund (DMSB) mit. 

Der Rennwagen des Briten Jann Mardenborough war von der Strecke abgekommen und über die Sicherheitsbegrenzung ins Publikum geflogen. Das Rennen wurde sofort abgebrochen. Erste Bilder zeigen, wie das Auto mit der Startnummer 23 kurz vor einer Kurve abhebt, sich in der Luft praktisch senkrecht aufstellt und dann gegen eine Leitplanke kracht. Von dort wurde der Wagen offenbar über den Zaun in die Zuschauer geschleudert.

Laut einer gemeinsamen Pressemitteilung der Capricorn Nürburgring Gesellschaft, des DRK-Rettungsdienstes und der Polizei in Adenau wurde ein verletzter Fan mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen. Er soll aber keine schweren Verletzungen erlitten haben. Der Unfallpilot und ein weiterer Fan seien ins Krankenhaus in Adenau gebracht worden. Zehn weitere Zuschauer seien durch den Rettungsdienst vor Ort notfallpsychologisch betreut worden. Nach Angaben des DMSB wurde ein Fan leicht verletzt, ein weiterer erlitt Knochenbrüche.

Polizei stellt Unfallwagen sicher

"Wir sind tief erschüttert und traurig über die Ereignisse", teilte das Team des laut Polizei auch verletzten Piloten mit. Der Nissan-Rennstall sprach von einer "Tragödie". Der Autobauer sicherte seine volle Unterstützung bei einer Untersuchung des Geschehens zu. Der verunglückte Wagen wurde bereits von der Polizei sichergestellt und ein Gutachter eingeschaltet.

Der Unfall ereignete sich im Bereich "Flugplatz", einem der schnellsten Abschnitte der legendären Nordschleife. Dort erreichen die Sportwagen bei trockenen Bedingungen wie am Samstag oft Geschwindigkeiten von weit mehr als 200 Stundenkilometern. In der 38-jährigen Historie der Serie hatte es zuvor nie Unfälle gegeben, bei denen Zuschauer verletzt wurden. Die Renn-Veranstalter drückten den Betroffenen ihr Mitgefühl aus. Im Fahrerlager herrschte kurz nach dem Unfall ebenfalls Entsetzen.

Der Brite Mardenborough gilt als talentierter Rennfahrer. Er startete seine Karriere über die GT Academy von Nissan, bei der über virtuelle Autorennen am Computer die Fähigkeiten junger Fahrer getestet wurden. Mardenborough setzte sich dabei gegen Tausende Gegner durch und durfte danach bei Langstreckenrennen mitfahren. Für diese Saison erhielt er bei Nissan einen Vertrag als Werksfahrer in der Langstrecken-Weltmeisterschaft.

Mardenborough habe alle notwendigen Lizenzen und Zulassungen gehabt, hieß es. Angesichts der ersten Bilder habe er wohl nicht mehr eingreifen können, als sein Auto Unterluft bekam und dadurch abhob. Über grundsätzliche Konsequenzen aus den Ereignissen will der DMSB in den kommenden Tagen beraten.