Spiele der Premiere League sind nett anzusehen. Es geht hin und her, in den Zweikämpfen knirscht es und wer gewinnt, steht im Gegensatz zu vielen anderen Ligen, die von ein oder zwei Mannschaften dominiert werden, auch nicht vorher fest. Der hohe Unterhaltungswert der englischen Liga hat sich längst bis Asien oder Amerika rumgesprochen, weshalb sie auch mit TV-Geld überschüttet wird. Sieben Milliarden Euro wird sie für drei Jahre einsacken, da staunt die Bundesliga.

Doch wie lange noch? Möglich, dass die Zuschauer in Asien und Amerika erkennen, dass sie zwar den aufregendsten Fußball vorgesetzt bekommen, aber nicht den besten. Sie gucken ja auch Champions League und Europa League und wenn sie nicht auf den Kopf gefallen sind, werden sie feststellen, dass sich von ursprünglich sechs englischen Mannschaften genau null für das Viertelfinale qualifiziert haben. Null!

Das kann kein Zufall mehr sein

In England sind alle sehr aufgeregt. Weil man doch vor ein paar Jahren noch, wie es sich gehört, den europäischen Fußball dominierte: 2008 und 2009 stammten je drei der vier Champions-League-Halbfinalisten aus England, im ersten Jahr gab es gar ein rein englisches Finale. In den acht Finals zwischen 2005 und 2012 stand siebenmal mindestens ein Premier-League-Vertreter. Und jetzt sowas.

Besonders schlimm: Es ist nicht das erste Mal. 2013 war auch kein englisches Team im Viertelfinale. Damals konnte man das noch als Zufall abtun. Ein zweites Mal innerhalb von drei Jahren ist kein Zufall mehr. Da muss etwas schief laufen.

Tatsächlich scheinen die englischen Vereine gerade ein fußballerisches, ach was, generelles Naturgesetz auszuhebeln: dass man sich mit Geld so gut wie alles kaufen kann, Erfolg auf jeden Fall. Aber weil Geld derzeit doch keine Tore schießt, stellt sich die Frage: Was machen die Engländer nur mit ihrem vielen Geld? Es verbrennen?

Keine Ideen, keine Innovationen

Vielleicht ist es ja sogar das viele Geld, das die englischen Clubs scheitern lässt. Wer viel hat, gibt es aus, ohne nachzudenken. Wer nicht, muss kreativ sein. Zu viel Kohle lähmt nur, der Fluch der Milliarden.

Es fehlt an Ideen, Innovationen. Die Abermillionen, die russische Oligarchen oder arabische Scheichs in die Liga kippen, werden nicht klug genug genutzt. Alle taktischen Impulse der vergangenen Jahre gingen vom Kontinent aus: das Gegenpressing, die falsche Neun, das Umschaltspiel oder sein Pendant, der Ballbesitzfußball. Der englische Fußball ist berechenbar geworden. Den Taktikfüchsen aus Spanien oder Deutschland macht er jedenfalls kaum noch Sorgen.