Tel Aviv.

Die Wahl ist vorbei, abgehakt, und der dünne Typ namens Buji hat verloren, während der ein bisschen übergewichtige namens Bibi gewonnen hat. Die ganze Welt redet darüber, viele regen sich auf, und ich sehe ein: Das ist ein trauriger Tag für die Fitness.

Nicht, dass mir das so wichtig wäre.

Ich bin am Strand und ich danke Jesus, Mohammed und Moses, dass ich gerade nicht in New York oder Hamburg bin. Da ist es nämlich verdammt kalt, und hier ist es so schön. Ich habe nicht viel zu tun und überlege, dass ich mir vielleicht, ganz eventuell, mit ein bisschen Fitnesstraining die Zeit vertreiben könnte. Eigentlich hätte ich mich für das Amt des Ministerpräsidenten bewerben sollen. Ich bin fetter als Bibi, sympathischer als er, und ich würde ohne Zweifel bessere Arbeit leisten. Bibi wird von rund 83,99 Millionen Deutschen gehasst, von zwei Amerikanern, Obama und Kerry, und von weiteren drei Milliarden Menschen weltweit. So viele Feinde habe ich nicht. Aber jetzt ist es zu spät, um sich für die Wahl aufstellen zu lassen. Vielleicht sollte ich stattdessen einfach ein bisschen abnehmen.

Nicht, dass ich so genau wüsste, wieso ich abnehmen sollte. Ich glaube, dass ich sehr sexy bin, so wie ich bin. Die Mädchen sind verrückt nach mir. Sie finden mich weich, weiblich und viele andere gute Sachen. Sogar schwule Männer mögen mich. Allein heute haben mir drei richtig coole Typen einen Heiratsantrag gemacht. Aber was soll ich sonst tun, außer trainieren?

Die einzige Frage ist: Wo soll ich trainieren? Natürlich habe ich keine Lust, ins Fitnessstudio zu gehen. Da schwitzen alle, und Schweißgeruch mag ich nicht besonders. Ich bin sehr geruchsempfindlich; ich weiß nicht, ob ich das schon einmal erwähnt habe.

Ich fange an, am Strand spazieren zu gehen, und gütiger Gott, plötzlich sehe ich ein Freilufttrainingsgelände vor mir. Ich habe solche Trainingsplätze schon gesehen, aber in Tel Aviv sieht das ganze irgendwie, wie soll ich sagen?, linker aus. Ja, doch.

Also gehe ich dorthin.

Hier sind ganz verschiedene Menschen versammelt, größtenteils so jugendliche Seelen wie ich, und die Atmosphäre ist richtig, richtig cool. Es erinnert mich an Berlin, fragen Sie mich nicht, warum. Ich spreche einen süßen Typen an, Gideon, und wir trainieren gemeinsam. Wieso nicht? Ich bin hetero, er ist hetero – zumindest glaube ich das – und wir sehen sehr gut nebeneinander aus, wie zwei britische Prinzen. Er ist ungefähr 20 Jahre alt, und das passt perfekt. Wir sehen aus wie Brüder, vielleicht sogar wie Schwestern. Ein cooles Team! Gideon kommt aus Amerika, er spricht sehr gut Englisch, und er erzählt mir, dass er in einem Hostel in der Nähe des Strandes wohnt. "Willst du das Hostel mal sehen?", fragt er mich. Ich bin potenzieller Ministerpräsident, und er fragt, ob ich ein Hostel ansehen möchte. Hallo?! Hat er den Verstand verloren? "Da gibt's viele Deutsche", erzählt er mir, "und die würdest du dir bestimmt gerne mal ansehen!" Ich glaube, ich kenne sie schon. Wenn ich mich nicht irre, habe ich sie kürzlich gesehen, da haben sie jedem, der ihnen zuhören wollte, erzählt, dass sie in dieses Land gekommen sind, um die netten, süßen Palästinenser vor den grausamen, hässlichen Juden zu beschützen.