FC Bayern – FC Barcelona: 15 Minuten träumen vom Wunder

Der FC Bayern verabschiedet sich stolz aus der Champions League, das Finale war aber nicht drin. Der FC Barcelona hatte einfach die besseren Fußballer. Das Blog zum Spiel
  • Der FC Bayern gewinnt 3:2, verpasst aber das Finale (Hinspiel 0:3)
  • Dennoch ein würdiger Abgang
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Fazit:

Ach, man hätte ja schon gerne gesehen, was passiert wäre, wenn Arjen Robben und Franck Ribéry dabei gewesen wären. Denn das ist, was bleibt von diesem Champions-League-Halbfinale: Die Trainer können noch so schlau sein, können sich noch so viel einfallen lassen, am Ende gewinnen meist die besseren Fußballer. Im Hinspiel hat der vierfache Weltfußballer Lionel Messi das Spiel allein entschieden, im Rückspiel war er es zusammen mit Luis Suárez und Neymar.

Dennoch können sich die Bayern einigermaßen stolz verabschieden. 15 Minuten durften ihre Fans sogar vom Wunder träumen. 19:5, so die Torschussbilanz für den FC Bayern und auch nach dem 3:2 als nur noch wenige Minuten für drei weitere Tore blieben, wurde es nochmal aufregend, war das Publikum da. Selbst Matthias Sammer tobte wieder.

Es bleibt die Erkenntnis, dass den Bayern ohne die Verletzten die Überraschungsmomente fehlen. Ohne sie bleibt nur Wucht, das reicht auf höchstem Niveau nicht. Und die Abwehr fabriziert immer wieder üble Fehler, da hilft es auch nichts, Dante auf die Bank zu setzen. Im Hinspiel war es Bernat, an diesem Tag Benatia, der einmal Suárez laufen ließ, beim anderen Mal hummelslike aus der Viererkette herausrückte und dann nicht hinterherkam. Hinzu kommt ein Mittelfeld, das zwar den George-Clooney-Gedächtnispreis für würdevolles Altern gewinnt,  aber oft keinen Druck mehr auf den Ball ausüben kann. Und: Manuel Neuer scheint eine Schwäche in der kurzen Ecke zu haben.

Mit dem Ergebnis aber kann Pep Guardiola weiter arbeiten. Wer in einem Champions-League-Halbfinale gegen den späteren Sieger (Wetten, dass...?!) ausscheidet, ist nicht gescheitert. In München dürfen sie enttäuscht sein, blamiert haben sie sich nicht. Ach, und wenn doch nur Robben und Ribery dabei gewesen wären…alle Fußballfreunde wurden um ein ganz großes Duell gebracht.

  • Abpfiff Der FC Bayern verabschiedet sich halbwegs erhobenen Hauptes aus der Champions League, gewinntdas Rückspiel gegen den FC Barcelona 3:2. In Summe verlieren sie aber 3:5. Hier folgt gleich eine Kurzanalyse der Partie. Morgen lesen Sie bei uns die Spielreportage von Oliver Fritsch.

  • 90. Minute Die letzten Münchner Champions-League-Sekunden ticken herunter. Zwei richtig schlechte Spiele haben sie gemacht. Das gegen Porto konnten sie im Rückspiel noch rumwuchten. Gegen diesen FC Barcelona ging das nicht mehr. Die sind einfach zu gut.

  • 85. Minute Die Bayern jetzt, um im schiefen Bild zu bleiben, auf der Felge. Hauen sich aber beinahe rührend rein. Derweil kam beim FC Barcelona Xavi, der Volvo der Katalanen (Hospi!), hält ewig und hat nie einen schlechten Tag. Er macht heute sein 150. Champions-League-Spiel. Weltrekord. Glückwunsch, brumm, brumm.

  • 81. Minute Schweinsteiger haut sich plötzlich auch wieder rein. Aber mit ihm und Alonso im Mittelfeld ist so, als würde man mit zwei Umzugswägen in den Städteurlaub gen Süden fahren. Man hat zwar alles dabei, kommt aber in keine Parklücke. Außerdem ziehen dauernd die Vespas links und rechts vorbei.

  • 77. Minute Matthias Sammer reklamiert wieder. Jetzt wissen wir, was uns die letzten 177 Minuten gefehlt hat.

  • 74. Minute 3:2 Thomas Müller. Ein Abpraller von Pique, Schweinsteiger lässt auf Thomas Müller abtropfen, der war ausnahmsweise mal noch nicht ausgewechselt und trifft deswegen das Tor. Nur noch drei, hüstel.

  • 69. Minute Laut Wikipedia ist Luis Suárez in Salto, Uruguay geboren. Das muss ein Irrtum sein, werden das gleich mal verbessern. Korrekter Geburtsort: Abseitslinie.

  • 65. Minute Die Bayern versuchen es nochmal. Wirken aber wie die kleine Bruder, der dem Großen dauernd am Hemd zieht. Der aber möchte nicht mit den Matchbox spielen, sondern lieber den Mädels hinterhergucken.

  • 59. Minute 2:2 Robert Lewandowski. Der deutsche Maskerano tanzt den argentischen Mascherano aus. Schiebt kühl ein. Der FC Bayern zuckt noch. Nur noch vier.

  • 52. Minute Das Ganze wird jetzt zu einem entspannten Frühsommerkick. Zeit, sich ein paar Gedanken zu machen. Zum Beispiel über den heute grandios haltenden Marc-André (schon wieder ein Doppelvorname) ter Stegen, kürzer: MAtS. Der darf in der Liga nicht halten, dafür im Pokal und der Champions League. Gerade große Diskussion in der Redaktion (also zwischen dem Hospitanten und mir), ob MAtS es damit gut oder schlecht getroffen hat. Er sagt: gut. Ich sage: In Eibar kann es auch ganz nett sein.

  • 45. Minute Es geht weiter und ich kann gestehen: Wegen Neymar, den zweifachen Torschützen, habe ich mir im Sommer das erste Fußballtrikot seit langer, langer Zeit gekauft. Ein Gelbes von Brasilien. Allerdings war es nicht echt, nach dem ersten Waschen musste ich es etwas zerfranst in den Schrank legen. Das letzte Trikot des Hospitanten: Marcell Jansen. Ein echtes.

  • Immer noch Halbzeit Zur Unterhaltung ein kleines Bilderquiz. Wem gehören diese Hände? Dem Stardirigenten Pep Guardiola oder dem Stardirigenten Sir Simon Rattle.

  • Halbzeit, 1:2. 15 Minuten lang durften die Bayern hoffen, spielten mit Schwung und Mut. Dann kamen zwei Konter und die Herren Messi, Suárez und Neymar. Obwohl die Bayern noch ein paar Chancen hatten, ist Fußball manchmal doch ganz einfach. Eine alte Bolzplatzregel sagt: Wer die besseren Spieler hat, gewinnt auch. Zur Debatte steht diese Frage heute einfach nicht.

  • 43. Minute Unsere Leser sind dem schlechten Wortspiel gottseidank noch weniger abgeneigt als wir. Zum Beispiel penpirate: "Pep wird gehen (müssen) und sein Nachfolger steht grade fest: Klopp, die Wette gilt!"

  • 40. Minute Die beste Parade seit langem? Thiago, heute viel besser als im Hinspiel, dribbelt sich durch, der Ball kommt zu Lewandowski, der schießt. Ter Stegen kommt noch ran, der Ball trudelt in Richtung Tor, ter Stegen kratzt ihn von der Torlinie. Weltklasse? Weltklasse.

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Vorbemerkungen:

Auf den FC Bayern ist Verlass. Er polarisiert, auch und vor allem in Zeiten des Misserfolgs. Fein säuberlich sortiert der Verein gerade Deutschlands Fußballkenner, oder alle, die sich dafür halten, also rund 80 Millionen Menschen, in das Team Pep und das Team kein Pep.

Die einen halten ihn für ein Trainergenie, das mit reichlich Pech geschlagen ist in den vergangenen Wochen. Die ganzen Verletzten, und dann kommt auch noch dieser Messi und zeigt, warum er viermal Weltfußballer des Jahres wurde, und nicht Neuer, Lahm oder Schweinsteiger. Dafür hat Pep souverän die Meisterschaft gewonnen, seine Mannschaft großartigen Fußball gespielt, und überhaupt sei Erfolg im Fußball eben nicht planbar. Manchmal kommt es halt anders, obwohl man wenig falsch macht.

Die anderen halten Guardiola für überschätzt. Pep versage in den großen Spielen, dafür sei er doch aber geholt worden. Die Bundesliga könne der FC Bayern auch mit dem Greenkeeper gewinnen. Sagt zum Beispiel José Mourinho, der sich aber nicht allzu weit aus dem Wohnzimmerfenster lehnen sollte, sonst könnte er, wenn er rausfällt, das Champions-League-Halbfinale nicht einmal im Fernsehen sehen. Und dann wechselt Pep immer Thomas Müller aus, dabei stehen dem doch Lederhosen so gut.

Nun kommt es also drauf an. Ist das 0:3 noch aufzuholen? Wenn ja, könnten Guardiola und die Bayern Geschichte schreiben. Wenn nicht, auch. Besonders, wenn sie erneut hoch verlieren. Das wäre das zweite überdeutliche Champions-League-Aus in zwei Jahren. Und Wasser auf die Kein-Pep-Mühlen.

Wir möchten Sie an dieser Stelle natürlich ermuntern, in den Kommentaren Farbe zu bekennen: Pep oder kein Pep. Und wenn Sie schon am herummeinen sind, wären wir auf einen Ergebnistipp gespannt. Wer richtig liegt, dem winken Ruhm, Ehre und eine Erwähnung im Blog. Gleiches gilt für den, der sonsterlei Geistreiches beizutragen hat. Also, machen wir uns einen schönen Abend.

Hier übrigens die Tipps der Sportredaktion:

Oliver Fritsch 1:1 ("Pep muss sich ein Jahr gedulden")
Christian Spiller 3:1 ("raus mit Applaus")
Arndt-Fabian Rohlfing 2:0 ("mindestens ein Tor Boateng")

Aber insgeheim sind wir ja alle große Fans von Guildo Horn.

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