FC-Bayern-Kapitän Philipp Lahm hat großes Vertrauen in die Arbeit seines Trainers Pep Guardiola. "Er ist einer, der Tag und Nacht den Fußball lebt – in guten und in schlechten Phasen, einfach rund um die Uhr", sagte der 31-Jährige im Interview mit der ZEIT. Er glaube auch nicht, dass Guardiola durch seine Taktikwechsel das Münchner Team verunsichert habe. "Wenn es mal nicht so läuft, wird alles schlechtgeredet, was vorher super war. Es ist immer von Vorteil, wenn man verschiedene Systeme spielen kann", sagte Lahm, der 2014 als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister wurde.

Lahm ist sich sicher, dass auch ein mögliches Ausscheiden aus der Fußball Champions League den FC Bayern nicht in eine Krise stürzen würde. "Ich sehe nach dem bisherigen Saisonverlauf keinen Grund für eine Krise. Wir sind Meister geworden und stehen in zwei Halbfinals." Guardiola habe sich in den letzten Wochen nicht verändert. "Ich habe nicht das Gefühl." Zugleich räumte Lahm gewisse Motivationsprobleme ein. "Wir sind in der Bundesliga am Ziel, und es fällt schwer, sich zu 100 Prozent zu motivieren. Es fehlen die letzten zwei Prozent. Die Saison schlechtzureden ist nicht korrekt."

Einen Weggang Guardiolas als Trainer von München nach dieser Saison hält Lahm für ausgeschlossen. "Gerüchte gibt es bei uns über jeden – ich beschäftige mich damit nicht. Pep Guardiolas Vertrag läuft noch ein Jahr lang, ich gehe davon aus, dass er den erfüllt." Ein Abgang wäre für Lahm eine große Enttäuschung. "Ja, auf jeden Fall! Dass ich mich mit ihm sehr gut verstehe und seine Arbeit sehr schätze, ist kein Geheimnis."

Lahm lobt Guardiola ausdrücklich. Er suche stets "Schwachstellen beim Gegner und das Gute bei uns. Diese Kombination ergibt meistens guten Fußball", sagte der Mannschaftskapitän. Der Trainer gebe Lösungen mit, erinnere sich genau und wisse deshalb auch, wie der Gegner die letzten Male gespielt hat. "Er sagt zum Beispiel: Hier in der Mitte ist beim Gegner der Raum oft frei, und dann legt er sozusagen unser Spiel drüber und fragt sich: Wie kommen wir am besten in diesen freien Raum hinein?" Das unterscheide ihn von anderen Coaches. "Nicht jeder Trainer sieht so klar, welches Bild sich daraus ergibt. Das können nicht viele."

Der FC Bayern München trifft am Dienstagabend in der UEFA Champions League im Rückspiel des Halbfinales auf den FC Barcelona. Das Hinspiel hatten die Bayern 0:3 verloren, ein Ausscheiden des deutschen Meisters ist deshalb wahrscheinlich. Da die Münchner auch in der Bundesliga zuletzt verloren hatten und im DFB-Pokal ausgeschieden sind, wurde über eine Krise bei dem Verein gesprochen. Zudem hatte es Spekulationen um einen Weggang Guardiolas zu Manchester City gegeben.

Diesen Gerüchten hatte Guardiola am Montag aber eine klare Absage erteilt: "Oh, Jungs. Ich habe es 200 Millionen Mal gesagt an der Säbener Straße. Ich habe noch ein Jahr mehr Vertrag. Ich werde nächste Saison hier bleiben. Das ist alles", so Guardiola.