Joseph Blatter kann sich seiner Wiederwahl so gut wie sicher sein. Nach zwei Verzichtserklärungen binnen weniger Stunden tritt nur noch Prinz Ali bin al-Hussein gegen den amtierenden Präsidenten des Fußballweltverbandes Fifa an. Der Niederländer Michael van Praag begründete seinen Verzicht acht Tage vor der Abstimmung auf dem Fifa-Kongress in Zürich mit seiner Unterstützung für al-Hussein. Auch Ex-Fußballstar Luis Figo will nun nicht mehr zur Wahl antreten, übte in seiner Erklärung aber scharfe Kritik an Blatter.

Er stehe noch immer zu seinen Ideen und seinem Wunsch, die Fifa aktiv zu erneuern, schrieb Figo in einem Statement "und ich stehe zur Verfügung, wenn man mir beweisen kann, dass wir nicht unter einer Diktatur leben". Der 42-jährige Portugiese kritisierte den Wahlprozess als Abstimmung zur Macht eines einzelnen Mannes – "etwas, das ich nicht bereit bin mitzumachen". 

In den zurückliegenden Monaten habe er auf seinen Reisen nicht nur den Wunsch nach Veränderungen gespürt, schreibt Figo weiter. Er habe Vorfälle erlebt auf der ganzen Welt, "die jeden beschämen sollten, der frei, sauber und demokratisch sein will". Seine Entscheidung sei getroffen, "ich stehe nicht zur Verfügung, für das, was eine Wahl des Fifa-Präsidenten genannt wird". 

Figos Einschätzung wird von van Praag und al-Hussein nicht geteilt. Beide sagten auf einer Pressekonferenz am Donnerstagabend, sie hätten das Verfahren nicht als undemokratisch erlebt. Sie hätten auch keinerlei Hinweise auf Korruption.

Figos Bekanntgabe erfolgte nur wenige Stunden nachdem van Praag seinen Verzicht erklärt hatte. Mit dem Schulterschluss wollen der Prinz und van Praag eine fünfte Amtszeit Blatters noch verhindern. "Es gibt überall auf der Welt den echten Wunsch nach Veränderung und Fortschritt. Wenn die Mitglieder diesem Wunsch auch tatsächlich bei der Wahl Ausdruck geben, dann haben wir eine sehr gute Chance", sagte al-Hussein in Amsterdam.

"Nach gründlicher Überlegung und Reflexion mit mehreren Beteiligten hat sich Michael van Praag entschieden, seine Kandidatur für die Fifa-Präsidentschaft zurückzuziehen und die Kräfte mit Präsidentschaftskandidat Prinz Ali Hussein zu bündeln", hatte es zuvor in einer Pressemitteilung des Wahlkampfteams des niederländischen Verbandschefs van Praag geheißen.

Fifa-Mitglieder wählen kommende Woche

Bislang hatten die Bewerber alle ihre Autonomie betont. Dennoch hatten viele damit gerechnet, dass es Strategie der Blatter-Gegner sein werde, am Ende nicht mit einem Trio anzutreten und sich dadurch gegenseitig Stimmen wegzunehmen. Figo galt ohnehin nur noch als Streichkandidat in einem ersten Urnengang, da sich die europäischen Verbände nun wohl hinter al-Hussein vereinen werden.

Die 209 Fifa-Mitgliedsländer wählen den neuen Chef am Freitag kommender Woche. Ein erneuter Sieg Blatters gilt angesichts der Unterstützung für den Schweizer aus Afrika und Asien als nahezu sicher – unabhängig aller Personalentscheidungen seiner Konkurrenz. Letztlich wird es für diese nur noch darum gehen, möglichst viele Stimmen zu bekommen, um die Position des 79-Jährigen symbolisch zu schwächen. Offenbar traut die Koalition der Blatter-Gegner eher Prinz Ali zu, dieses Minimalziel zu erreichen.

Van Praag gilt als einer der profiliertesten Kritiker Blatters. Vor dem Fifa-Kongress 2014 in São Paulo hatte er in einer Uefa-Sitzung das Wort ergriffen und den im Saal anwesenden Blatter zum Rückzug aufgefordert. Dies hatte der später als schlimmste Brüskierung in seiner Funktionärs-Laufbahn bezeichnet. Der 67-jährige van Praag wollte nur eine Amtszeit als Fifa-Chef fungieren, um eine Erneuerung des skandalumwitterten Weltverbandes einzuleiten. Als Hort der "Unordnung" hatte er die Fifa bezeichnet, der "ständig unter Verdacht von Interessenkonflikten, Vetternwirtschaft und Korruption" stünde.