Fifa-Präsident Joseph Blatter hat angesichts des jüngsten Korruptionsskandals Vertreter aller sechs Konföderationen zu einer Sondersitzung in Zürich eingeladen. Das Treffen findet nach Angaben des Fußball-Weltverbands zur Stunde statt. Einziger Tagesordnungspunkt ist die Situation vor dem Fifa-Kongress, der am Nachmittag eröffnet werden soll. Die Europäische Fußball-Union Uefa hatte eine Verschiebung des Kongresses gefordert. Dies wurde von der Fifa bislang strikt abgelehnt.

Am Freitag soll auf dem Kongress die Präsidentschaftswahl abgehalten werden. Einziger Gegenkandidat Blatters ist Prinz Ali bin al-Hussein, den die Uefa nun unterstützen will. Und auch andere Verbände überdenken nach den Verhaftungen hochrangiger Verbandsfunktionäre und den Schweizer Ermittlungen ihre Unterstützung für Blatter: Nach dpa-Informationen wollen die Vertreter der südamerikanischen Konföderation Conmembol in internen Gesprächen ihr Wahlverhalten überdenken. Zudem sollen Gespräche mit Funktionären der Uefa und der Concacaf-Zone aus Nord- und Mittelamerika gesucht werden.

Alle drei Teilverbände vertreten knapp 100 der 209 Fifa-Mitglieder, die jeweils eine Stimme für die Wahl des neuen Präsidenten haben. 

Neben der Uefa könnte also auch Südamerika (Conmembol) den Gegenkandidaten Ali bin al-Hussein unterstützen. Dies würde allerdings noch nicht für eine Mehrheit reichen. Beide Konföderationen haben zusammen nur 63 Stimmen. 

Sponsoren in Sorge

Daher wird offenbar in bilateralen Verhandlungen eine Allianz mit der durch die Enthüllungen der US-Justiz ebenfalls stark belasteten Concacaf (35 Stimmen) gesucht. Sogar bei einem Dreierpakt müssten noch Einzelstimmen aus Afrika (54 Stimmen), Asien oder Ozeanien (11) für Al-Hussein gefunden werden, um Blatter gefährlich werden zu können.

Wegen der Verhaftungen stellen auch Sponsoren ihre Geschäftsbeziehung zur Fifa infrage. Ohne einen Wandel werde es sein Engagement überdenken, teilte das Kreditkarten-Unternehmen Visa mit und drückte seine "tiefe Enttäuschung und große Sorge" aus.  Ähnlich äußerte sich Coca-Cola. "Diese lange Kontroverse befleckt die Mission und die Ideale der Fifa", hieß es von dem Getränkekonzern. Auch der Fastfood-Konzern McDonald's nimmt die Vorgänge nach eigener Aussage sehr ernst.

Blatter sagt Termin ab

Blatter selbst hatte am Mittwoch auf einen öffentlichen Auftritt verzichtet und nur eine schriftliche Stellungnahme abgegeben. Dabei äußerte er sich nicht zu einer möglichen Verschiebung der Präsidentschaftswahl. Auch am Donnerstag machte sich Blatter zunächst rar und erschien nicht zum Medizin-Kongress. Einen Auftritt beim Treffen der Uefa am frühen Nachmittag wird es nach dpa-Informationen ebenfalls nicht geben. Für 17 Uhr ist die Eröffnung des Fifa-Kongresses geplant.

Die asiatische Konföderation AFC erneuerte ihr Treuebekenntnis zu Blatter. Man sei wegen der Ereignisse in Zürich enttäuscht, lehne eine Verschiebung der Präsidentschaftswahlen aber ab." Darüber hinaus stehe man zu der Entscheidung, "Fifa-Präsident Joseph S. Blatter zu unterstützen". Die AFC hat bei der Wahl 46 von 209 Stimmen.

Die 54 Mitgliedsverbände starke Uefa hatte nach dem Verhaftungen von Fifa-Spitzenfunktionären am Mittwoch eine Verschiebung der Wahlen angemahnt und sogar mit einem Boykott des Kongresses gedroht, der am Nachmittag mit einem Festakt in einem Theater in Zürich beginnen soll. Ab 12.30 Uhr wollten die Europäer um Präsident Michel Platini und DFB-Chef Wolfgang Niersbach in einem Hotel in Zürich weiter beraten. 

Concacaf-Chef Jeffrey Webb (Kaimaninseln) und der frühere Conmembol-Vorsitzende Eugenio Figueredo (Uruguay) gehören zu den sieben in Zürich wegen Korruptionsverdacht festgenommenen Funktionären, die daraufhin von der Fifa von allen Fußball-Aktivitäten vorläufig suspendiert wurden.

Auch gegen den ehemaligen Chef des südamerikanischen Fußballverbandes Conmebol in Paraguay, Nicolás Leoz, hat die US-Justiz mittlerweile einen internationalen Haftbefehl erwirkt. Der 86-Jährige habe sich daraufhin sofort in eine ihm selbst gehörende Klinik in der Hauptstadt Asunción bringen lassen, berichtete ein Radiosender. Leoz sei wütend über den Haftbefehl, sagte sein Anwalt Raúl Barriocanal dem Sender ABC. Sein Mandant wisse nicht, wo diese Anschuldigungen herkämen.

Zudem hat die US-Justiz offiziell die Festnahme und Auslieferung von drei argentinischen Staatsbürgern beantragt. Wie das argentinische Außenministerium am Mittwochabend (Ortszeit) in Buenos Aires mitteilte, handelt es sich um die Unternehmer Alejandro Burzaco, Hugo Jinkis und Mariano Jinkis. Alle drei sind im Sportmarketing tätig.