Fifa-Skandal: Blatter weist jede Verantwortung von sich

Zurücktreten will der Fifa-Präsident nicht: Schuld am Korruptionsskandal seien andere, so Blatter. Die Uefa will ihn loswerden, scheut aber einen Boykott seiner Wahl.
Fifa-Präsident Joseph Blatter umarmt einen Delegierten auf dem Kongress in Zürich. © Philipp Schmidli/Getty Images

Die Wiederwahl von Fifa-Präsident Joseph Blatter ist wieder wahrscheinlicher geworden. Der europäische Fußballverband Uefa verzichtete nach einer Krisensitzung auf einen Boykott der Wahl, die am Freitag in Zürich stattfinden soll. Zwar will laut Uefa-Präsident Michel Platini der Großteil der europäischen Landesverbände wegen des jüngsten Korruptionsskandals für Blatters Gegenkandidaten – Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien – stimmen, doch könnten die Stimmen aus anderen Verbänden für den amtierenden Präsidenten reichen. Die asiatische Fußball-Konföderation und der afrikanische Verband Caf teilten mit, Blatter weiterhin zu unterstützen.

Im Auftrag der US-Justiz hatten die Schweizer Sicherheitsbehörden am Mittwoch sieben Fifa-Funktionäre festgenommen, unter ihnen die Stellvertreter Blatters, Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo. Sie stehen unter dem Verdacht, von 1990 bis heute mehr als 100 Millionen Dollar Bestechungsgeld angenommen zu haben. Ihnen droht die Auslieferung in die USA. Insgesamt verfolgt die US-Staatsanwaltschaft 14 Personen.

Das gesamte Fifa-Gefüge wurde von den Vorwürfen erschüttert, Sponsoren denken über ihr Engagement nach.

Blatter selbst wies jede Schuld von sich. Mit einer offensiven Rede eröffnete er am späten Nachmittag in Zürich den Fifa-Kongress. Rücktrittsforderungen, die auch Platini zum wiederholten Mal geäußert hatte, lehnte er ab. Er werde wie angekündigt für eine fünfte Amtszeit kandidieren, sagte der 79-Jährige. Er habe die Absicht, dabei mitzuhelfen, das Vertrauen in die Fußballwelt wiederherzustellen. Die Korruptionsvorwürfe nannte er die Aktion einiger weniger: "Wir können nicht zulassen, dass die Fifa durch das Handeln Einzelner in den Dreck gezogen wird."

Die wichtigsten Ereignisse des Tages zum Nachlesen im Live-Blog 

  • (18:25) IOC-Präsident Thomas Bach appelliert an die Fifa, den Weg der Transparenz einzuschlagen und intensiv mit den Behörden zusammenzuarbeiten: "Wir wissen, dass dieser Kampf herausfordernd und sehr schmerzhaft sein kann. Es gibt aber keinen anderen Weg, um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen."

  • (17:48) Immer mehr Einzelheiten der Ermittlungsarbeit werden bekannt: Die Aussagen des ehemaligen Generalsekretärs des nord- und mittelamerikanischen Fußballverbandes Concacaf, Chuck Blazer, sei von zentraler Bedeutung für die Festnahmen gewesen. Das teilte die US-Regierung mit. Blazer hat sich demnach schon vor anderthalb Jahren zu einer Reihe von Straftaten bekannt, darunter Steuerhinterziehung, Betrug, organisiertes Verbrechen, Geldwäsche und Verschleierung von Kontobewegungen.

    Der langjährige Concacaf-Chef Jack Warner hat demnach zehn Millionen US-Dollar dafür angenommen, dass er und Blazer für Südafrika als WM-Gastgeber 2010 stimmten. Blazer habe von dem Geld 750.000 Dollar (etwa 686.000 Euro) für sich behalten. Blazer hat zugestimmt, zunächst 1,95 Millionen Dollar Strafe zu zahlen, eine weitere Geldbuße dann nach seiner Verurteilung.

    Der US-Amerikaner war von 1990 bis 2011 Warners Generalsekretär bei der Concacaf und von 1997 bis 2013 Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. Nach Korruptionsvorwürfen musste er seine Ämter aufgeben.

  • (17:15) Von Selbstkritik keine Spur: Die Handlungen von Einzelpersonen seien eine Schande für die Fifa, sagt Sepp Blatter zur Eröffnung des Fifa-Kongresses in Zürich. "Wir können nicht zulassen, dass die Fifa durch das Handeln Einzelner in den Dreck gezogen wird." Das müsse jetzt aufhören. Nur eine Minderheit im Fußball sei korrupt. Dafür gebe es keinen Platz in der Fifa. Der Kongress solle eine Wende für die Fifa sein, der Beginn der Aufklärung.

  • (17:08) Brasiliens Fußballverband CBF reagiert auf die Festnahme des festgenommenen Ex-Präsidenten José Maria Marin. Sein Name wurde von der Fassade des Hauptsitzes des Verbandes in Rio entfernt. Bis Mittwoch war unter dem Logo des Verbandes noch der Name des 83-Jährigen zu lesen – dann wurde Marin in Zürich festgenommen. Am Donnerstag war der  Schriftzug dann nicht mehr da.

    In einer Mitteilung des CBF hatte es zuvor geheißen, dass Marin für die Dauer der Korruptionsermittlungen von seinem derzeitigen Posten als einer von fünf Vize-Präsidenten entbunden werde.

  • (16:40) Nun hat sich auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach geäußert. Die Stimmung innerhalb der Uefa sei eindeutig, man wolle einen Wechsel, sagte Niersbach in einem dpa-Interview. "Jeder der einigermaßen, ich hätte fast gesagt, geradeausdenken kann, muss doch realisieren, dass es ein einziges PR-Desaster für den Fußball schlechthin ist." Er könne aber nicht einschätzen, wie die Chancen für einen Wechsel tatsächlich stünden. Nur durch einen Wechsel an der Spitze sei "jenseits der nötigen Aufklärung die berühmte Kurve" möglich.

    Nierbach lässt offen, ob er – wie sein britischer Kollege David Gill – seinen Posten im Fifa-Exekutivkomitee nach einer Wahl Blatters behalten wird. Die Frage stelle sich, "die habe ich mir selber gestellt", sagte er. "Stand jetzt sage ich: Was ist damit gewonnen, wenn ich heute schon sage, ich nehme die Wahl nicht an, ich trete das Mandat nicht an." Er wolle die Frage sacken lassen und sich mit Kollegen beim DFB besprechen.

  • (16:03) Eine tolle Grafik über das System Blatter, seine Helfer und seine Gegner, finden Sie hier. Ein Überblick über die Protagonisten im Fifa-System.

  • (15:47) Die sieben Funktionäre, die im Zusammenhang mit den Korruptionsverfahren in der Schweiz verhaftet wurden, widersetzen sich ihrer Auslieferung in die USA. Das sagte eine Sprecherin des Schweizer Justizministeriums. Die USA haben 40 Tage Zeit, ein formelles Auslieferungsersuchen zu stellen.

  • (15:50) Auch wenn es sich auf der gerade zu Ende gegangenen Pressekonferenz von Uefa-Präsident Platini ganz anders angehört haben mag: Er und Blatter werden in diesem Leben wohl keine besten Freunde mehr, seit Jahren dauert der "Zicken-Krieg" (so schrieb die Süddeutsche 2003) zwischen dem Uefa- und dem Fifa-Chef an. Ob Torlinientechnologie oder Winter-WM – bei zentralen Streitthemen im Fußballgeschäft waren die beiden mächtigen Präsidenten jeweils ganz unterschiedlicher Meinung.

    Im vergangenen Jahr erwog Platini eine Kandidatur zur Wahl des Fifa-Präsidenten. Letztlich sah er aber ein, dass er gegen Blatter keine Chance haben werde.

  • (15:37) An dieser Stelle sei noch mal auf diese wunderbare Argumentation der Sport-Kollegen verwiesen. All die Dinge, die für Sepp Blatter sprechen. Kann man nicht oft genug lesen.



  • Anti-Blatter-Protest in Zürich

  • (15:07) "Ich bin vollkommen entsetzt und ich habe die Nase voll", sagte Uefa-Präsident Michel Platini auf einer Pressekonferenz in Zürich. Genug sei genug. Für das Image des Fußball sei das überhaupt nicht gut. "Ich bin der Erste, der davon abgestoßen ist."

    Eine sehr große Mehrheit der europäischen Fußballverbände werde deshalb bei der Wahl am Freitag für Prinz Ali stimmen. Europa wolle Blatter nicht mehr. "Ich mag ihn, aber ich will ihn nicht mehr", sagte Platini. Er rechne mit 45 oder 46 der insgesamt 53 Stimmen aus Europa. Platini appellierte an die anderen Fußballverbände, ebenfalls für den Gegner von Blatter zu stimmen. Ein Wechsel sei nötig. "Das ist nicht schön, aber das ist nun mal so". Die Fifa sei die Mutter des Fußball – und sie habe es nicht verdient, so behandelt zu werden.

    Der Uefa-Chef erzählte, wie er am Vormittag mit Sepp Blatter gesprochen und ihn zum Rückzug aufgefordert hatte. "Sepp, bitte verlasse die Fifa", habe er gesagt. Blatter aber habe abgelehnt. Er habe gesagt, es sei zu spät, er könne nicht mehr zurücktreten.

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