Fifa-Wahl: Sepp Blatter bleibt Fifa-Präsident

Mit dem Rückzug seines Herausforderers Prinz Ali ist Blatter wiedergewählt. Trotz des größten Korruptionsskandals in der Geschichte der Fifa. Der Tag im Blog
Sepp Blatter bleibt Fifa-Präsident. © Philipp Schmidli/Getty Images

Der Präsident des Weltfußballverbandes Fifa, Sepp Blatter, bleibt trotz des Korruptionsskandals um ranghohe Funktionäre auf dem Chefposten. Zwar verfehlte der 79-Jährige im ersten Wahldurchgang auf dem Fifa-Kongress in Zürich die nötige Zweidrittelmehrheit für eine fünfte Amtszeit. Doch sein einziger Herausforderer, Prinz Ali bin al-Hussein von Jordanien, zog seine Kandidatur vor der zweiten Wahlrunde zurück. Blatter hatte im ersten Durchgang 133 Stimmen erzielt, sein Gegner überraschend 73.

"Ich werde die Fifa zurückbringen, gemeinsam schaffen wir das", rief Blatter den Delegierten aus den 209 Mitgliedsländern zu, die er nun für vier weitere Jahre anführen kann. Seine Wahl wurde von vielen Delegierten mit Jubel quittiert. Blatter wusste, wo Freunde und Feinde sind. Schon seine Dankesrede nutzte er für erste Breitseiten für die Opposition aus Europa, deren Einfluss im Fifa-Exekutivkomitee beschnitten werden soll.

"Wir brauchen eine bessere Vertretung der Konföderationen. Die Anzahl der Nationen in den Konföderationen soll sich auswirken auf die Zusammensetzung des Exekutivkomitees", sagte er. Ein klarer Angriff auf Europa – und ein Geschenk an beispielsweise Ozeanien für die Unterstützung.

"Heute ist ein weiterer schwarzer Tag in Zürich", urteilte Portugals Ex-Star Luís Figo, der seine Kandidatur vor gut einer Woche zugunsten Al-Husseins aufgegeben hatte. "Die Fifa hat verloren, aber vor allem hat der Fußball verloren und jeder, der sich wirklich darum sorgt."

Der seit 17 Jahren amtierende Präsident Blatter wird nun für weitere vier Jahre Fifa-Chef bleiben. Er nahm das euphorisch zur Kenntnis: "Ich mag Euch, Ihr habt mich zurück in die Fifa gebracht", sagte er. Und das, obwohl er nicht perfekt sei. Blatter kündigte bereits seinen Rückzug für 2019 an, am Ende seiner Amtszeit werde er eine robuste Fifa an seinen Nachfolger übergeben.

Die Ereignisse des Tages:

  • (21:00) Niersbach glaubt nicht an eine moralische Wandlung der Fifa unter der Führung Blatters: "Das kann ich mir nicht vorstellen. Man muss bedenken, er ist 79 Jahre alt." Einen deutschen Boykott der Fußball-WM als Reaktion auf die Wahl schloss er aus.

  • (20:15) Der frühere portugiesische Fußball-Star Luis Figo kritisiert die Wiederwahl Blatters deutlich: "Die Fifa hat verloren, aber vor allem hat der Fußball verloren und jeder, der sich wirklich darum sorgt."Figo hatte vor gut einer Woche auf seine geplante Gegenkandidatur verzichtet und stattdessen Blatter-Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein unterstützt.

  • (20:10) Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten. Uefa-Chef Michel Platini lobt den gescheiterten Blatter-Herausforderer Prinz Ali: "Ich bin stolz, dass die Uefa die Bewegung für einen Wechsel verteidigt und unterstützt hat. Ein Wechsel ist meiner Meinung nach entscheidend für die Organisation, um die Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen." Den wiedergewählten Fifa-Präsidenten erwähnt er in seiner Stellungnahme nicht.

  • (19:53) "Ich mag Euch, Ihr habt mich zurück in die Fifa gebracht. Ich bin nicht perfekt." (Blatter nach seiner Wiederwahl als Fifa-Präsident)

  • (19:50) Blatter hat seinen Rückzug als Fifa-Präsident im Jahr 2019 nach seiner fünften Amtszeit angekündigt. "Am Ende meiner Amtszeit werde ich die Fifa meinem Nachfolger übergeben, eine robuste Fifa", sagte der Schweizer nach seiner Wiederwahl.

    Zugleich kündigte er einen Umbau des Exekutivkomitees an. "Wir brauchen eine bessere Vertretung der Konföderationen. Die Anzahl der Nationen in den Konföderationen soll sich auswirken auf die Zusammensetzung des Exekutivkomitees", sagte er. Dies ist als Angriff auf das Blatter-kritische Europa zu werten. Derzeit ist Europa in dem Gremium im Vergleich zur Anzahl der Mitgliedsländer in der Fifa überrepräsentiert. "Die, die mehr haben, können auch etwas abgeben", sagte Blatter.


    Nach dem Korruptionsskandal mit sieben Festnahmen von Fußball-Funktionären werde er die Fifa "zurückbringen", sagte Blatter. "Wir werden zurücksteuern an Land, wo wieder Fußball gespielt werden kann. Wir müssen daran arbeiten, wir müssen auch an anderen Dingen arbeiten."

  • (19:46) Alex Wilks, Kampagnendirektor für Avaaz, reagiert gegenüber unserer Korrespondentin Sarah Jäggi enttäuscht auf die Wiederwahl Blatters: "Ein weiterer schmutziger Deal in den Hallen der Fifa hat heute die Hoffnung von Milliarden Fußballfans zerstört. Die Abstimmung war kein faires Spiel und Sponsoren wie Coca Cola, Visa und adidas sollten die Fifa erst wieder finanzieren, wenn sie sauber ist."

  • (19:20) Der Herausforderer gibt auf: Joseph Blatter kann seine fünfte Amtszeit als Präsident des Fußball-Weltverbands Fifa antreten. Prinz Ali bin al-Hussein zog vor dem zweiten Wahlgang seine Kandidatur zurück.

    Im ersten Wahlgang hatte Blatter vermutlich wegen des größten Skandals der Fifa-Geschichte die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit verpasst.

    Der Schweizer hatte 1998 das Amt des Präsidenten übernommen. Zuvor war er bereits Technischer Direktor und Generalsekretär des Weltverbands gewesen.

  • (19:00) Es braucht einen zweiten Wahlgang: Joseph Blatter hat in der ersten Runde die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit gegen seinen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein knapp verpasst. Blatter erhielt 133 Stimmen, 140 hätte er gebraucht. Prinz Ali bekam 73 Stimmen. Im zweiten Wahlgang reicht nun die einfache Mehrheit.

  • (18:52) Ja, sie zählen noch.

  • (18:43) Ahnt Uefa-Chef Platini schon das Ergebnis?

  • (18:28) Nun haben tatsächlich alle 209 Mitgliedsländer ihre Stimmen abgegeben. In Kürze dürfte also das Ergebnis feststehen.

  • (18:23) Während drinnen Land für Land zur geheimen Wahl aufgerufen wird, reihen sich vor dem Hallenstadion bereits die Limousinen, berichtet unsere Korrespondentin Sarah Jäggi. Ein Chauffeur sagte ihr: "Manche haben es eilig, von hier wegzukommen."

  • (18:15) Wann steht der Wahlsieger fest? Im ersten Wahlgang sind zwei Drittel der Stimmen für die Wahl erforderlich, was derzeit 140 entspricht. Im zweiten Wahlgang genügt eine einfache Mehrheit von mehr als 50 Prozent der Stimmen (derzeit 105).

  • (18:04) "We are waiting  for Qatar", sagt der Wahlleiter. Für wen Katar als WM-Ausrichter 2022 wohl stimmen wird?

  • (17:50) Mittlerweile ist die Fifa-Stimmabgabe bei M wie Madagaskar oder Malediven angekommen.

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Kommentare

189 Kommentare Seite 1 von 24 Kommentieren

Ziemlich dürftig hier

die SZ bietet wenigstens Auszüge aus Blatters rede.

Das was man da zu lesen bekommt, lässt keinen Zweifel am Ausgang der Wahl aufkommen. Blatter wird bleiben. Zu viele seiner Amigos sitzen mit ihm in einem Boot. Diese Menschen scheren sich einen Dreck um den Fußball an sich oder um die Fans. Es geht um Geld, Geld, Geld und natürlich Macht.