Wer vor der Saison die beiden direkten Absteiger aus der Bundesliga hätte tippen sollen, hätte wahrscheinlich ziemlich schnell Paderborn und Freiburg genannt. Insofern ist eigentlich nichts Dramatisches passiert. Die beiden Sportclubs müssen in die Zweite Liga. Das ist nicht schön, aber keine Blamage wie es sie für die Konkurrenz aus Hannover, Berlin und vor allem Stuttgart und Hamburg gewesen wäre.

Das wird die Spieler, Trainer, Angestellte und Fans der beiden Vereine wahrscheinlich kaum trösten. Aber in ein paar Tagen, wenn die letzten Tränen getrocknet und die Sicht wieder klarer ist, werden sie erkennen, dass sie mit dem Abstieg zurechtkommen. Die Etats schrumpfen in Liga Zwei zwar auch bei Freiburg und Paderborn, aber womöglich nicht so stark wie es der großen Konkurrenz der Fall gewesen wäre. Es wird nicht alles umgekrempelt, es werden auch keine Köpfe rollen. Warum auch?

"Man hat ja gesehen, welche Mannschaften abgestiegen sind", sagte Paderborns Trainer André Breitenreiter. "Geld schießt Tore." Oder besser: Wenig Geld schießt wenig Tore. Über die ganze Saison haben sich dann doch die Teams durchgesetzt, die aufgrund etwas üppigerer Kassen mehr Qualität aufs Feld schicken konnten. Peinlich für für Stuttgart und Co. ist, dass sie solange zittern mussten.

Wie sehr der Liga die beiden Vereine ans Herz gewachsen sind, erkennt man an der Anteilnahme der neutralen Fußballfans. In den sozialen Netzwerken dominiert das Wörtchen "schade".

Der SC Freiburg war schon in den Neunzigern der Liebling der Fußballalternativen, eine Art St. Pauli des Südens. Mit Volker Finke, einem charismatischen Trainer, der zeitweise den taktisch feinsten Fußball des Landes spielen ließ. Von diesem Image zehrt der Verein noch heute. Trainer Christian Streich ist über die Grenzen der Region hinaus Kult. Taktisch lässt er im Breisgau noch immer einen anspruchsvollen Fußball spielen.

Auffällig beim SC Freiburg: Sie verloren zwar nur 14 Mal, einmal weniger als etwa der FC Augsburg, der Fünfter wurde und sich für die Europa League qualifiziert hat. Dafür spielten die Freiburger 13 Mal unentschieden. Kein Verein schaffte das öfter. Würde die alte Zwei-Punkte-Regel noch gelten, wäre der SC nicht abgestiegen.

Für Paderborn war es schon ein Wunder, das Rennen um den Klassenerhalt überhaupt so lange offen gehalten zu haben, so strukturell abgeschlagen ist der Club. Am Ende hat es fußballerisch einfach nicht gereicht. Am Ball hatten die geretteten Stuttgarter und Hannoveraner deutlich mehr zu bieten. Nur der Hamburger SV nicht, der sich wieder einmal in die Relegation gerettet hat, weil sein Gegner Schalke 04 an diesem Samstag keine Lust auf Fußball hatte.

Von Paderborn bleibt eine zwischenzeitliche Tabellenführung nach dem vierten Spieltag, das Tor des Jahres, dieser 82,3-Meter-Weitschuss von Moritz Stoppelkamp und ein kleines enges Fußballstadion, bei dem man als Zuschauer mal nicht das Gefühl hat, weniger zu sehen als vorm Fernseher. Das ist mehr, als man aus dem Stand von dem ein oder anderen Durchschnitts-Bundesligisten memoriert.

Beide Vereine haben gar nicht so schlechte Chancen, schnell wieder aufzusteigen. Die Freiburger größere als die Paderborner, weil dort die Strukturen schon geschaffen sind. Zwischen Platz 14 in Liga eins und Platz fünf in Liga zwei ist das natürliche Habitat des Sportclubs. Paderborn wird es ein wenig schwerer haben, schon der Aufstieg war eine Sensation. Viel wird davon abhängen, ob der Club einen guten Nachfolger für seinen Trainer findet, falls André Breitenreiter den Verein verlassen sollte.

RB Leipzig wird mit seinem Geld im kommenden Jahr sicherlich um den Aufstieg mitspielen wollen, aber sonst ist in dieser Liga alles möglich. Es hat ja auch etwas Gutes, wenn die Kleinen absteigen: Es ist kein Großer abgestiegen, der im kommenden Jahr einen Aufstiegsplatz besetzen könnte.