Da ist noch einmal ein typischer Klopp. Vielleicht ja der Letzte für einige Zeit. Auf der Pressekonferenz nach dem Pokalfinale fragt ein Reporter, ob Klopp sich vorstellen könne, in Zukunft den FC Schalke 04 zu trainieren. Dazu merkt der Frager an, dass schon seine Mutter gesagt hätte, dass es keine dummen Fragen gebe, sondern nur dumme Antworten. "Ihre Mutter war sicherlich eine intelligente Frau", sagt Jürgen Klopp. "Aber da hatte sie unrecht."

Ansonsten war dieser Berliner Pokalabend ein ungewöhnlicher Klopp-Abend. Das lag nicht nur an der letztlich deutlichen 1:3-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg. Daran, dass der BVB auch mal ein Spiel verliert, daran hatten sich Klopp und die BVB-Fans in dieser Saison schon gewöhnen müssen. Zumal es gegen die derzeit zweitbeste deutsche Fußballmannschaft ging. Aber von dem ehemaligen Rumpelstilzchen der Seitenlinie war an diesem Pokalabend nicht mehr viel zu sehen. Und man erkannte: An einem Emotionsbolzen wie Klopp geht so ein Abschiedsspiel eben nicht spurlos vorbei.

Klopp hatte seine Kappe tief ins Gesicht gezogen. Er wirkte bedacht, manchmal fast lethargisch und sehr mitgenommen. Im ARD-Interview mit Gerhard Delling musste er schlucken, als er sagte: "Jedes Mal, wenn ich einen meiner Spieler im Arm habe und weiß, dass ich ihn möglicherweise zum letzten Mal im Arm habe, sind sofort die Tränen da. Das ist brutal."

In diesen Momenten, mit den Spielern im Arm, wird er an die ganzen Jahre gedacht haben. An die Jahre, in denen er eine junge Mannschaft zum besten Team der Bundesliga machte. An die Jahre, in denen er die Talente seiner Spieler schliff, sie ansteckte mit seinem Siegeswillen. An die Jahre, in denen er auch neutrale Fans mitriss. Nun wurde es nichts mit Klopps Traum, noch einmal mit dem Lkw um den Borsigplatz zu fahren. Diese Niederlage gegen den VfL Wolfsburg mag Klopp zwar zusetzen, aber was er in Dortmund geschaffen hat, wird dadurch nicht weniger bemerkenswert.

Klopp war bis zu seinem letzten Spiel das Symbol dieses BVB. Vor dem Endspiel schwenkten Kinder Fahnen mit dem Gesicht ihres Idols aus den Fenstern fahrender Autos. Auch Klopp-Masken waren beliebt. Ein wenig absurd sah es aus, wenn man neben einer Handvoll singender Jürgen Klopps stand. Nach dem Spiel feierte die Dortmunder Kurve ihren Trainer mindestens genauso laut wie der Wolfsburg-Anhang seine Pokalsieger. Noch kann sich keiner einen BVB ohne Klopp vorstellen. 

Nicht länger der Generator an der Seitenlinie

So emotional wie der Abschied von den Fans ist auch der von den Spielern. Manche machten unter Klopp ihr erstes Bundesligaspiel. Andere schafften den Sprung zum Weltstar. Einer von ihnen ist Marco Reus, der in der 18. Minute die Chance auf das 2:0 vergab. Nach der Frage eines Journalisten, ob Reus nicht der falsche Mann für solche Spiele sei, da er noch nie einen Titel gewonnen hat, stellt sich Klopp vor seinen Zögling: "Marco ist ein fantastischer Spieler und ich bin mir sicher, dass er in seiner Karriere noch eine Menge Titel gewinnt." Nur eben mit einem anderen Trainer.

Dennoch war zu erkennen, dass die Luft um Jürgen Klopp während dieses Pokalfinals weniger brannte als noch vor ein paar Monaten. Er war ja immer der Generator, der seine Mannschaft schreiend und springend mit Energie versorgte. An diesem Samstag aber bejubelte er nicht mehr jeden gewonnenen Zweikampf. Auch der vierte Offizielle hatte, bis auf die Szene, die zum Freistoß für Wolfsburg führte, der wiederum zum Ausgleich führte, einen geruhsamen Tag. Sonst kein Zähnefletschen, kein Gestikulieren, kein Flummihüpfen.

Mit seiner Energie wird Jürgen Klopp womöglich andere Teams zu Höchstleistungen führen. "Er bleibt uns ja als Trainer erhalten. Ich freue mich auf mein nächstes Spiel gegen Jürgen Klopp", sagte Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking, der im Klopp-Abschiedstrubel nur nicht unterging, weil er gerade den DFB-Pokal gewonnen hatte.