Frage: Herr Heidfeld, fährt sich ein Formel-E-Auto grundsätzlich anders als ein Formel-1-Wagen?

Nick Heidfeld: Der Wagen ist im Vergleich zur Formel 1 relativ schwer, etwa 900 Kilo. Auf Stadtkursen mit Randsteinen und vielen Bodenwellen, da muss das Auto einiges aushalten. Die Reifen spielen auch nicht so eine wichtige Rolle, dafür müssen wir mit der Energie haushalten. Es ist ein anderes Fahren, ähnlich wie bei den Sportwagen. Da muss man seit zwei Jahren auch Energie sparen. Aber das gibt es ja jetzt auch in der Formel 1.

Frage: Und wie sieht es mit dem Unterschied zwischen einem Elektromotor und einem Verbrennungsmotor aus?

Heidfeld: Ein spürbarer Unterschied ist, dass die Kraft noch konstanter und feiner dosierbar ist. Der größte Unterschied für Fahrer und Zuschauer ist aber natürlich das Geräusch. Als ich das erste Mal im Auto saß, war das ganz ungewöhnlich. Ich fuhr auf die erste Kurve zu und habe die Windgeräusche und das Reifenquietschen gehört, aber fast nichts vom Motor. Für mich ist es immer noch nicht ganz einfach, den richtigen Zeitpunkt zum Schalten zu finden. Da nutzt man im Rennauto sonst oft das Gehör, und das fehlt hier eben ein bisschen. Wir haben nur die Warnlampen am Lenkrad. Doch gerade im Zweikampf guckst du da normalerweise nicht drauf, sondern auf die Strecke oder in den Rückspiegel.

Frage: Die Formel E fährt nur auf Stadtkursen, die meist voller Schlaglöcher und Schmutz sind. Muss man da grundsätzlich anders fahren, um nicht rauszurutschen?

Heidfeld: Ja, man muss sich im Vergleich zu den echten Rennstrecken von unten ans Limit tasten. Auf anderen Rennstrecken kannst du dich mal verbremsen und fährst dann in die Auslaufzone. Da ist ja mittlerweile leider alles geteert – dann fährst du halt wieder zurück auf die Strecke. In der Formel E wirst du für Fahrfehler meistens bestraft. Mir macht es viel Spaß, da weniger Raum für Fehler zu haben.

Frage: Die Autos sind relativ langsam und erreichen selten mehr als 200 km/h. Vermissen Sie nicht die Power der Formel 1?

Heidfeld: Es macht immer mehr Spaß mit einem schnelleren Auto, mit mehr Grip und Motorleistung. Die Formel 1 ist natürlich viel schneller – hier haben wir gerade mal knapp 300 PS. Aber vielleicht gerade deswegen haben wir sogar noch spannenderen Rennsport. Auf den engen Stadtkursen sieht das schnell aus, und es fühlt sich auch im Auto so an. Und weil wir etwas langsamer sind, kann man etwas leichter überholen, denn die Aerodynamik ist nicht so hochgezüchtet wie in der Formel 1.

Frage: Optisch fällt auf, dass die Formel-E-Autos Stoßfänger vor den Reifen haben. So soll ein Aufsteigen der Autos bei Zweikämpfen verhindert werden.

Heidfeld: Das ist auf jeden Fall eine gute Idee. Würde mich nicht wundern, wenn man auch in anderen Formel-Serien mehr und mehr in die Richtung geht.

Frage: Durch die Stoßfänger scheinen sich aber auch eher härtere Zweikämpfe wie bei den Tourenwagen zu entwickeln.

Heidfeld: In den letzten Rennen ging es auf jeden Fall in die Richtung, ich fand es aber teilweise deutlich zu extrem. An so einem Formelwagen kannst du dir schnell was kaputtfahren und bist aus dem Rennen raus.

Frage: Eine weitere Neuerung ist der sogenannte Fanboost. Die Fans stimmen ab, wer per Knopfdruck zeitweise ein paar Zusatz-PS bekommt. Dadurch soll mehr Nähe zu den Fans geschaffen werden. Durch den Castingshow-Faktor entsteht aber auch ein gewisser Druck zur Nabelschau in den Sozialen Medien, oder?

Heidfeld: Ich bin auf Twitter aktiv, auf Facebook nicht. Ich habe auch schon mal geschrieben: Votet für mich! Aber da irgendeinen Quatsch zu machen, das tu ich nicht. Das ist einfach ein bisschen komisch.

Frage: Wie finden Sie den Fanboost generell?

Heidfeld: Ich finde es grundsätzlich toll, die Fans zu integrieren. Aber vielleicht findet man da eine andere Idee. Ich habe tatsächlich Schwierigkeiten mit dem Fanboost, weil ich mich mit dem Konzept nicht anfreunden kann. Es ist einfach unfair den anderen Fahrern gegenüber, weil es nicht die gleichen Bedingungen für alle hergibt. Natürlich nehme ich ihn, wenn ich ihn bekomme, auch weil das Team das von mir erwartet. Aber gerade anfangs habe ich sogar überlegt, den Fanboost nicht einzusetzen, wenn ich ihn habe.