Dieter Heckings Gag war eigentlich nicht schlecht. "Ich fühle mich bekloppt", sagte Wolfsburgs Trainer nach dem Sieg im Pokalfinale. Einen Moment wartete er auf Schmunzler über seine Anspielung auf den Namen seines Gegners. Die Journalisten reagierten aber nicht. Bestimmt, weil sie von diesem Mann keine Gags gewohnt sind.

Das Pokalfinale sollte Jürgen Klopps großer Abschied werden, in Berlin ging seine Dortmunder Epoche zu Ende. Doch dann rückte ein anderer in den Mittelpunkt. Dieter Hecking wollte für Klopp nicht Spalier stehen, das hatte er schon vor dem Anpfiff zu verstehen gegeben. Stattdessen gewann Hecking seinen ersten Titel und hinterließ mit seiner gleichzeitig bescheidenen wie selbstbewussten Art den Eindruck, dass man auf eine Wiederholung gefasst sein muss.

Hecking war immer die Unscheinbarkeit in Person. Auf den ersten Blick traut ihm manch einer, der ihn nicht kennt, zu, dass er derjenige ist, der den Verkehr ums Olympiastadion regelt. Polizist ist er ja. Er war früher Trainer von Vereinen wie Aachen und Nürnberg. Von ihm war man lange nicht nur keine Gags, sondern auch keine Titel gewohnt. Sein Temperament war allenfalls denjenigen bekannt, die auf Klassenerhaltsfeiern bis 5 Uhr dabei waren, also den wenigsten.

In Berlin sahen alle: Auch seinetwegen ist ums Olympiastadion an solchen Tagen viel Verkehr. Und der Mann kann ganz gut aus sich rausgehen. Beim Jubeln und beim Springen. Oder im knallharten Körpereinsatz gegen seinen Cotrainer Dirk Bremser, als der den gesamten BVB-Stab anbellte. Auch beim Toben gegen den Schiri. "Borussia Dortmund ist ein emotionaler Verein, das ist toll", sagte Hecking mit leicht gespielter Wertschätzung auf Nachfrage. "Als ich gesehen habe, dass die gegnerische Trainerbank auch ihre Emotionalität auslebt, habe ich ein bisschen mit am Rad gedreht."

Der VfL lebt von Selbstvertrauen

Auf dem Platz zeigten Heckings Mannen, warum sie in der Bundesliga Zweiter wurden und vor der Borussia landeten. Die Mannschaft lebt von Zielstrebigkeit und Harmonie. "In der Halbzeit habe ich gesagt, dass wir einen zwölften Mann haben, wenn uns die Kraft ausgeht. Junior Malanda war bei uns", sagte Hecking über den im Januar verstorbenen Mitspieler.

Und im Angriff hat der VfL starke Spieler. Kevin De Bruyne etwa war schon während der Saison für das Aufregende zuständig. In Berlin gelang ihm mit einem harten präzisen Fernschuss das wichtige Führungstor. Auch bewies er Stehvermögen und ließ sich von Mats Hummels nicht vom Platz grätschen.

Wolfsburg musste einen guten Gegner bezwingen. Der BVB war stärker als ein Tabellensiebter und besser als so oft in dieser Saison. Am Anfang war die Hecking-Elf nervös. "Uns hat die Finalerfahrung der Dortmunder gefehlt", sagte Hecking. Man sah aber auch, dass der BVB nicht mehr die dynamische Einheit der Vergangenheit ist. "Dortmund war gut, aber einer etwas besseren Mannschaft unterlegen."

Mit ein bisschen Glück

Ein bisschen Glück brauchte der VfL. Der Schiedsrichter Felix Brych legte beim Freistoß vor dem Wolfsburger Ausgleich härtere Maßstäbe an als bei Zweikämpfen im Wolfsburger Strafraum. Mitchell Langerak prallte diesen Freistoß nach vorne, was nicht nur Hecking als Fehler bezeichnete. Und der BVB konnte nur ein Mal ausnutzen, dass ihn die Wolfsburger Abwehr oft in den Strafraum ließ. Vor allem Marco Reus enttäuschte.

Hecking sprach von einem "hochklassigen Spiel". Das war übertrieben, dafür gab es zu viel Fehlpässe und Abwehrlücken. Doch Hecking schien nun mal die Sonne aus jeder Pore. Mit breitem Lächeln sagte er, dass auch sein Trainerteam ein "ähnlich großes Lob verdient hat wie ich". Das klang, wie oft bei Hecking, nicht so großspurig wie es sich vielleicht liest. Das Trara um Klopp, dessen Kumpel er ist, hielt er für übertrieben. Das sagte er nicht, aber das merkte man.