Mehr als zehn Jahre hat Berlin versucht, das Finale der Champions League nach Berlin zu holen. Jetzt findet es ohne deutsche Mannschaft statt – die Party bezahlen trotzdem die Berliner Steuerzahler. Mindestens 5,2 Millionen Euro lässt sich Berlin das Finale am Samstag kosten, teilt der Berliner Senat auf Anfrage des Recherchebüros CORRECT!V mit. Weil Berlin einige Wünsche des Veranstalters, der Europäischen Fußballunion (Uefa), erfüllen muss.


Selbst verdient die Uefa Hunderte Millionen Euro mit der Champions League. In der vergangenen Saison brachten allein die Champions League und die Superpokal-Wettbewerbe der Uefa einen Gewinn von 137 Millionen Gewinn ein, verrät ein Blick in den Finanzbericht. Steuern zahlt die Uefa rund um das Finale in Deutschland nicht.

Dafür werden der Uefa und ihren Sponsoren der Pariser Platz und die Straße des 17. Juni für eine Fanmeile kostenfrei überlassen, obwohl das eigentliche Spiel dort gar nicht gezeigt wird. Es sollen sich allein die Sponsoren prominent in der Hauptstadt präsentieren können, es gibt dort ein temporäres Uefa-Museum, ein Uefa-Kinozelt, eine Trophäenausstellung, ein kleines Kunstrasenfeld und unzählige Mitmachstände.

Eine Party für 154.000 Euro

Für weitere Events muss Berlin noch draufzahlen: Im April nahm der Bürgermeister Michael Müller den Pokal in Empfang. Die Zeremonie im roten Rathaus kostete knapp 17.000 Euro, teilt der Senat auf Anfrage mit.

Am Abend vor dem Herren-Finale schmeißt die Uefa eine "Celebration Party". Eine Feier für mehr als 500 geladene Gäste. Angekündigt sind der Uefa-Präsident Michel Platini, Vertreter der Finalisten, Sponsoren und Berliner Politiker. Und natürlich viele Fußballfunktionäre. Das dreistündige Fest für die Ehrengäste kostet die Berliner Steuerzahler dem Senat zufolge 154.000 Euro. Das Geld fließt unter anderem in die Raummiete und das Catering, schreibt der Senat. Der Veranstaltungsort unterliege vertraulichen Vereinbarungen. Schon im vergangenen Frühjahr verriet Staatssekretär Andreas Stachowski jedoch, dass die Veranstaltung in der Abflughalle des ehemaligen Flughafens Tempelhof stattfinden soll.

Pro Person kostet die Party damit mehr als 300 Euro. Für einen solchen Betrag können die Ehrengäste fürstlich speisen. "In Berlin werden sich kaum Leute ein Essen für einen solchen Preis leisten können", sagt Alexander Kraus vom Bund Deutscher Steuerzahler. Er verweist auf die "üblichen Betriebsausgaben", die der Staat einem Unternehmen empfiehlt. Diese liegen deutlich darunter, bei 110 Euro.

Sicherheitskosten kommen noch dazu

Weitere Forderungen der Uefa: Die Stadien, also das Olympiastadion und der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, in dem im Mai schon das Finale der Frauen stattfand, müssen speziell hergerichtet werden. Neue Rasenflächen müssen verlegt werden. Die Beleuchtungsanlagen rund ums Stadion müssen erneuert werden. Und auch außerhalb der Stadien muss Berlin investieren. In der Stadt werden Flächen für Werbebotschaften der Uefa bereitgestellt. Der Flughafen Schönefeld wird rund um die Finalspiele nur eingeschränkt nutzbar sein, schreibt der Senat auf Anfrage.

Zu den bislang kalkulierten 5,2 Millionen Euro werden wohl noch einige Hunderttausend Euro hinzukommen. Wie viel beispielsweise die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen kosten werden, ist noch nicht bekannt. Vor drei Jahren in München betrug allein dieser Posten 350.000 Euro. Insgesamt musste München damals deutlich weniger Steuergeld ausgeben. Es kostete nur etwa eine Million Euro, die Stadien herzurichten, berichteten damals die Süddeutsche Zeitung und die Welt.

Einnahmen sind unklar

Dass es in Berlin teuer wird, könnte vor allem am für Berlin relativ kostspieligen Finale der Frauen gelegen haben. Das gab es im Paket mit dem Männerfinale dazu und es wurde bereits am 14. Mai ausgespielt. Aus Angst vor leeren Rängen im großen Olympiastadion mussten die Frauen in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark umziehen. Kabinen wurden saniert, Fluchtwege und Brandschutzmaßnahmen erneuert. Mehr als zwei Millionen Euro kostete Berlin der Umbau. Die Investition brachte aber wenig für das Image des Frauensports, meint Gabrielle Hiller (Linke): "Ich glaube nicht, dass das Spiel dazu beitragen hat, den Frauenfußball in Berlin zu stärken. Die Wirksamkeit über den Tag hinaus war nicht zu erkennen."

Keine Werbung für Berlin

Besonders der Transport der Fangruppen wird für die Berliner Polizei eine Herausforderung. Bei zwei ausländischen Teams – Barcelona und Turin – wird ein Großteil der Fans zum Finale einfliegen. Ein "Worst-Case-Szenario" für die Berliner Polizei. Im Februar äußerte sich die Polizei im Berliner Innenausschuss. "Sollten tatsächlich zwei ausländische Teams im Finale stehen, muss mit einer Anreise von ca. 9.000 Fans pro Fanlager über den Luftweg gerechnet werden." Allein am Flughafen Schönefeld landen und starten 170 bis 200 Chartermaschinen. Das Nachtflugverbot in Schönefeld wurde schon ausgesetzt.

Und was bringt das Großsportereignis der Stadt? Mit welchen Einnahmen kalkuliert das Land Berlin?

"Das Engagement ist kaum in Euro umzurechen", sagte Björn Eggert (SPD) bei einer öffentlichen Sitzung des Berliner Sportausschusses im vergangenen Jahr. Das Land Berlin kalkuliert keine Summe für die Einnahmen. Als feste Einnahmen können nur die Mieteinnahmen für das Olympiastadion und den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, die von der Uefa gezahlt werden, eingeplant werden, schreibt der Berliner Senat auf Anfrage. Wie hoch die sind, wollte er nicht sagen.

Die rot-schwarze Landesregierung hofft auf einen Imagegewinn für die Hauptstadt und eine steigende Kaufkraft in den Tagen davor und danach. Das sind bekannte Argumente. Viele Fans aber landen erst am Samstag in Berlin und fliegen in der Nacht nach dem Spiel direkt wieder zurück, übernachten also nicht in der Stadt. "Meine Vorstellung vom Umgang mit öffentlichen Mitteln ist: Ich muss eine sehr klare Abwägung zwischen den Investitionen und dem Nutzen haben", sagt Anja Schillhaneck (Grüne). Aber selbst sie als Abgeordnete bekomme von der Landesregierung nur das Ergebnis der internen Überlegungen geliefert.

Die Opposition fragt sich, wie groß der Marketingeffekt für Berlin wirklich ist. Wenn zur Hauptsendezeit im Fernsehen das Olympiastadion gezeigt werden würde, ist "das nur ein Sportstadion", sagt Schillhaneck. Das Motiv sei austauschbar und kein Werbefilm für Berlin.

Jonathan Sachse arbeitet als Reporter für CORRECT!V. Das gemeinnützige Recherchebüro ist unabhängig und wird alleine durch Spenden von Stiftungen und Bürgern finanziert.