Gibraltar – Deutschland 0:7 (0:1)

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat gegen Gibraltar im Rückspiel der EM-Qualifikation mit 7:0 (1:0) gewonnen. Eine deutliche Steigerung nach der Pause ermöglichte den zweithöchsten Sieg unter Bundestrainer Joachim Löw. Mit 13 Punkten ist die DFB-Elf in Gruppe D hinter Polen (14) auf Rang zwei gerückt. Neben dem dreifachen Torschützen André Schürrle (28., 65. und 71.) trafen zweimal der zukünftige Wolfsburger Max Kruse (47. und 80.) sowie İlkay Gündoğan (51.) und Karim Bellarabi (57.).

Das Spiel fand vor 7.467 Zuschauern im Éstadio Algarve im portugiesischen Faro statt, wo Gibraltar mangels geeignetem Heimstadion antreten muss.

Löw setzte dabei auf eine relativ offensive Aufstellung. Patrick Herrmann über rechts und Karim Bellarabi über links bildeten zusammen mit Mario Götze und André Schürrle quasi einen Vierer-Angriff. In der Abwehr beließ es Löw auf eine von Rückkehrer Jérome Boateng dirigierte Dreierkette.

An der Umsetzung von Löws Plan haperte es anfangs aber gewaltig. Gegen die dicht gestaffelte Defensive agierte die DFB-Elf einfallslos und ging viel zu fahrlässig mit ihren Chancen um. Bestes Beispiel war der verschossene Foulelfmeter von Kapitän Bastian Schweinsteiger, den Torhüter Jordan Perez in der zehnten Minute parierte. Kläglich auch, wie Mesut Özil und der eingewechselte Max Kruse kurz vor der Pause (44.) mit ihren Torchancen umgingen. So wurde Perez, im wahren Leben ein Feuerwehrmann, zum wichtigsten Spieler der Gastgeber.

Gibraltar mit mehreren Chancen

Doch nicht nur das Offensivspiel lahmte, im Mittelfeld offenbarte die DFB-Auswahl erschreckend große Lücken, sodass Gibraltar sogar selbst zu einigen Chancen kamen. Ging ein Warnschuss von Liam Walker in der fünften Minute noch knapp vorbei, musste der Dortmunder Schlussmann Roman Weidenfeller sogar einige Male beherzt eingreifen, um einen Gegentreffer zu verhindern.

Dabei sollte es eigentlich ein ruhiges "Abschiedsspiel" für den 34-Jährigen werden, der wohl nach der Sommerpause angesichts der vielen starken jungen Torhüter wie Marc-André ter Stegen oder Bernd Leno kaum mehr eine Chance haben wird. Doch Weidenfeller war bei Schüssen von Adam Priestley (17.) – ein Lehrer, der in der achten englischen Liga spielt – und Aaron Payas (22.) zur Stelle. Noch brenzliger wurde es in der 30. Minute, als Jake Gosling zum Mannschaftshelden hätte aufsteigen können, als er aus zwei Metern am DFB-Schlussmann scheiterte.

Bezeichnenderweise ging beim Führungstor des Weltmeisters ein Fehler von Gibraltars Ryan Casciaro voraus. Schürrle spitzelte dem Verteidiger den Ball weg und überwand auch Perez. Zuvor hatte sich Götze festgelaufen. Der WM-Held musste kurze Zeit später mit Oberschenkelproblemen für Kruse ausgewechselt werden. Rund 3.000 aus dem 400 Kilometer entfernten Gibraltar angereiste Fans waren angesichts der Vorstellung völlig aus dem Häuschen, während bei Löw und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach betretene Mienen zu verzeichnen waren.

Schürrle trifft dreifach

Nachdem ein kaputtes Tornetz in der Halbzeit für eine Verzögerung sorgte, ging die deutsche Mannschaft im zweiten Durchgang mit viel mehr Ernsthaftigkeit zu Werke und profitierte wohl auch davon, dass bei den Halbprofis Kräfte und Konzentration nachließen. So staubte Kruse nach Vorarbeit von Özil aus kurzer Entfernung ab (47.), kurz darauf gelang Gündoğan der dritte Treffer (51.), ehe Bellararbi nach einem Perez-Patzer weiter erhöhte (57.).

Nun nutzte der Weltmeister die Schwächen des Gegners konsequent aus. Doch trotz aller Überlegenheit blieb es für Weidenfeller ein arbeitsreicher Tag. Gegen Lee Casciaro lenkte der Routinier den Ball mit den Fingerspitzen gerade noch über das Tor (55.). Das längst verdiente erste Heimtor wollte der Mannschaft von David Wilson einfach nicht gelingen.

Stattdessen entwickelte die deutsche Mannschaft, insbesondere Schürrle, starken Drang zum Tor. Der Wolfsburger war sowohl in der 65. als auch in der 71. Minute aus kurzer Entfernung zur Stelle, ehe sein zukünftiger Kollege Kruse nochmals traf (80.).

Gibraltar: Jordan Perez  – Garcia , Roy Chipolina, Ryan Casciaro, Joseph Chipolina – Gosling, Walker, Payas (82. Sergeant), Kyle Casciaro (78. Bosio) – Lee Casciaro – Priestley (61. Coombes)

Deutschland: Weidenfeller – Rudy, Boateng, Hector – Schweinsteiger – Herrmann (56. Podolski), Özil, Gündoğan (67. Khedira), Bellarabi – Götze (36. Kruse), Schürrle

Schiedsrichter: Pisani (Malta)

Zuschauer: 7.467

Tore: 0:1 Schürrle (28.), 0:2 Kruse (47.), 0:3 Gündoğan (51.), 0:4 Bellarabi (57.), 0:5 Schürrle (65.), 0:6 Schürrle (71.), 0:7 Kruse (81.)

Besonderes Vorkommnis: Jordan Perez (Gibraltar) hält Foulelfmeter von Schweinsteiger (10.)

Gelbe Karten: Joseph Chipolina, Lee Casciaro / - 

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