Im Zuge des Korruptionsskandals beim Fußball-Weltverband Fifa steht laut einem Medienbericht nun auch die WM 2002 in Japan und Südkorea unter Verdacht. Wie die spanische Sporttageszeitung AS berichtet, soll sich Japan die Unterstützung des südamerikanischen Verbandes Conmebol mit 1,5 Millionen Dollar gesichert haben. Die Zeitung beruft sich dabei auf einen ehemaligen Conmebol-Mitarbeiter aus Paraguay und zeigt Dokumente, die den Geldtransfer belegen sollen. Die fragliche Summe soll der damalige Conmebol-Präsident Nicolás Leoz Almirón vom früheren japanischen Verbandspräsidenten Ken Naganuma erhalten haben.

Leoz war als  Funktionär der Fifa unter anderem für die Organisation der WM 2002 zuständig. Mittlerweile ist er 86 Jahre alt und steht seit einigen Tagen unter Hausarrest. Die USA werfen ihm unter anderem Korruption, Bestechung und Geldwäsche vor und haben seine Auslieferung beantragt.

Naganuma, der 2008 verstarb, taucht namentlich in den von AS gezeigten Dokumenten allerdings nicht auf. Ebenso wenig wie die genaue Quelle oder der Zweck des Geldflusses im Februar 2000. Auch der Zeitpunkt der Überweisung ist überraschend, denn die WM 2002 wurde bereits am 31. Mai 1996 vergeben – durch einfachen Beschluss gemeinsam an die zuvor allerdings heftig rivalisierenden Kontrahenten Japan und Südkorea. Der einzige Gegenkandidat Mexiko hatte sich bereits 1995 zurückgezogen.

Der ehemalige Conmebol-Chef Leoz hingegen musste sich schon mehrfach Korruptionsvorwürfen erwehren. So soll er einem Bericht der BBC vom November 2010 zufolge im Zuge des ISL-Skandals um die Vergabe von TV-Rechten 730.000 Dollar kassiert haben. Während der WM-Bewerbungsphase der Briten für 2018 soll er sich ebenfalls angedient haben. Der Garcia-Report der Fifa bestätigte 2014, dass Leoz bei der Vergabe von TV-Rechten Bestechungsgelder erhalten hat. Ein Jahr zuvor war Leoz bereits aus "gesundheitlichen und privaten Gründen" von seinen Fußball-Ämtern zurückgetreten.  

Beckenbauer steht zu Blatter

Unterdessen hat Fußball-Idol Franz Beckenbauer Fifa-Chef Joseph Blatter erneut den Rücken gestärkt. "Ich wehre mich dagegen, dass alles Negative, was im Fußball und in der Fifa passiert, an der Person Sepp Blatter festgemacht wird", sagte Beckenbauer der Braunschweiger Zeitung. Dennoch befürworte er den angekündigten Rücktritt Blatters als Präsident des Weltverbands. "Es ist richtig, dass man sich vom Druck, der sich auf ihm und der Fifa aufgebaut hat, befreit", sagte Beckenbauer, der seit vielen Jahren ein Weggefährte Blatters ist. "Wir hatten eine sehr enge Beziehung, das ist sie immer noch."

Blatter hatte vier Tage nach seiner Wiederwahl Ende Mai angekündigt, bei einem außerordentlichen Fifa-Kongress sein Amt zur Verfügung stellen zu wollen. Die Fifa steht seit der Verhaftung mehrerer Spitzenfunktionäre kurz vor ihrem jüngsten Kongress in Zürich im Zentrum eines Korruptionsskandals. Die US-Justiz führt Ermittlungen wegen Korruption, Verschwörung sowie organisierten Verbrechens.

Zudem ermittelt die Schweizer Staatsanwaltschaft rund um die Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar. Dabei registrierten die Banken laut Schweizer Bundesanwaltschaft 53 Verdachtsfälle von Geldwäsche.

"Es gibt aber Tausende von Fußball-Funktionären in der Welt. Blatter kann nicht für alles und jeden verantwortlich gemacht werden", befand Beckenbauer. Blatter selbst hat bislang jede Verwicklung in den Korruptionsskandal bestritten und kündigte bereits an, mit eigenen Reformvorschlägen einen Neuanfang bei der Fifa einleiten zu wollen.