Dank Nadine Angerer können die deutschen Fußballerinnen ihren Traum vom dritten WM-Titel weiterleben. Die Mannschaft von Bundestrainerin Silvia Neid setzte sich am Freitagabend (Ortszeit) im Viertelfinale in Montreal allerdings erst in einem Elfmeterkrimi mit 5:4 durch. Welttorhüterin Angerer krönte ihre überragende Leistung und parierte den entscheidenden zehnten und letzten Strafstoß von Claire Lavogez.

Nach der regulären Spielzeit und Verlängerung hatte es 1:1 gestanden. Louisa Nécib brachte die Grande Nation in der 63. Spielminute im Olympiastadion von 1976 in Führung. Célia Šašić entfachte mit ihren Ausgleich (84./Handelfmeter) vor 24.859 Zuschauern neue Hoffnung.

Im Halbfinale am kommenden Dienstag treffen die deutschen Frauen auf das Team der USA. Die Amerikanerinnen setzten sich am Freitag (Ortszeit) im Viertelfinale in Ottawa mit 1:0 (0:0) gegen China durch. Das Tor des Tages gelang Spielführerin Carli Lloyd in ihrem 200. Länderspiel in der 51. Minute.

Starke Französinnen überraschten eine schläfrige DFB-Elf

"Im Moment bin ich einfach nur glücklich, und die Mannschaft ist glücklich, dass wir heute weitergekommen sind. In der zweiten Halbzeit haben wir uns alle noch mal berappelt und den Spieß umgedreht", meinte Matchwinnerin Angerer. "Wir hatten heute nicht unseren besten Tag", gab Silvia Neid zu. "Wir haben es uns in der ersten Halbzeit total schwer gemacht. Die Französinnen hatten einfach zu viel Raum." Nach über 120 Minuten und dem spannenden Elfmeterschießen fiel auch der Bundestrainerin eine Zentnerlast von den Schultern: "Unterm Strich kann man sagen – es war schon etwas glücklich heute."

Die DFB-Elf startete in der Innenverteidigung wie erwartet mit Babett Peter für die gelbgesperrte Saskia Bartusiak. Darüber hinaus begann dieselbe Startelf wie beim 4:1-Sieg im Achtelfinale gegen Schweden. Allerdings kam die deutsche Mannschaft nicht mal ansatzweise so gut ins Spiel wie gegen die Skandinavierinnen. Im Gegenteil: Von der ersten Minute an übernahmen die Französinnen die Initiative und überraschten die schläfrig wirkende DFB-Elf mit überfallartigen Angriffen.

Schon in der 1. Minute hatte Spielmacherin Nécib freie Schussbahn nach einer Flanke der pfeilschnellen Élodie Thomis in den Rücken der DFB-Abwehr. Doch Nécib setzte den Ball knapp links am Tor von Nadine Angerer vorbei, die in der ersten Hälfte gegen die Französinnen mehr zu tun bekam als in den vier WM-Spielen zuvor. Marie-Laure Delie, zwei Jahre lang Teamkollegin von Annike Krahn bei Paris Saint-Germain, setzte einen Kopfball (25.) über das Tor.

Glück und Angerer sicherten das 0:0 zur Halbzeit

Der zweimalige Weltmeister bekam auch danach kaum Zugriff im Mittelfeld und auf die schnelle Spitze der Blauen. Neids Vorgabe, aggressiv zu sein und dominant aufzutreten, gelang dem DFB-Team bis zur Pause nie. Und die seltenen Chancen durch einen Kopfball von Célia Šašić (15.) und zweimal Simone Laudehr (28.), deren Torschüsse abgeblockt wurden, konnte das Team nicht nutzen. Leonie Maiers Nachschuss war kein Problem für Frankreichs Torhüterin Sarah Bouhaddi.

Als eine der wenigen Spielerinnen erreichte Torhüterin Angerer ihre Normalform. Bis zur Pause stand die Weltfußballerin von 2013 gleich dreimal im Blickpunkt: Erst entschärfte sie einen Distanzschuss der starken Amandine Henry (35.), dann rettete sie reaktionsschnell gegen Nécib (38.) und war auch drei Minuten später bei einer hohen Flanke von Thomis vor Delie am Ball. Der achtmalige Europameister hatte Glück, dass es mit 0:0 in die Kabinen ging, und konnte sich auch bei Krahn bedanken, die hinten fast auf sich allein gestellt rettete, was zu retten war.

Mit der Hereinnahme von Dzsenifer Marozsán bekam das deutsche Spiel in der zweiten Hälfte deutlich mehr Struktur, während Les Bleus etwas nachließen. Die Folge waren zwei Chancen zur Führung. Zunächst prüfte Šašić (50.) mit einem Distanzschuss Keeperin Bouhaddi (50.), die auch bei einem Freistoß von Mározsan (58.) glänzend parierte. Als Deutschland die Partie allmählich etwas besser in den Griff zu bekommen schien, schlugen die Französinnen doch noch zu. Der 18-Meter-Schuss von Nécib war für Angerer nicht zu parieren.

Deutschland wehrte sich, mehr als ein knapp am Tor vorbeistreichender Schuss von Laudehr (72.) kam zunächst jedoch nicht heraus. Bis Amel Majri bei einem Schuss von Maier einen Handelfmeter verursachte, Šašić die Nerven behielt und in die Verlängerung schoss.