Gestern Barcelona, heute Gran Canaria, morgen in die USA. Isaiah Hartenstein ist in diesen Wochen viel unterwegs. Dabei ist Isaiah Hartenstein erst 17 Jahre alt und kein Hoteltester oder Handelsvertreter, sondern Deutschlands größtes Basketballtalent. Und das nicht nur wegen seiner 210 Zentimeter.

In Spanien besichtigte er das Ausbildungszentrum des großen FC Barcelona, der um seine Dienste wirbt. Auf Gran Canaria spielte er in einem Camp für die besten Nachwuchsbasketballer der Welt. In den USA ködern ihn die besten Colleges mit Sportstipendien. Bald muss Isaiah Hartenstein entscheiden, wie es mit ihm weitergeht. Davon hängt ab, ob er den nächsten Schritt zu einer großen Basketballkarriere nehmen kann.

20 Punkte, 12 Rebounds, 2 Korbvorlagen und 3,5 Blocks pro Spiel – das sind die in der Basketballwelt so wichtigen Kennzahlen von Hartensteins abgelaufener Saison. Mit diesen Zahlen wurde er, der für die Young Dragons aus Quakenbrück spielte, in seinem ersten Jahr in der Nachwuchs-Bundesliga (NBBL) als Nachwuchsspieler des Jahres ausgezeichnet. Nicht die einzige Ehrung für das Ausnahmetalent. Im Jahr zuvor wurde er zum besten Spieler der Jugend-Basketball-Bundesliga (JBBL) gewählt.

Wo geht es hier zur NBA?

Hartenstein ist groß wie ein Center, wie einer dieser massigen Männer, die direkt unter dem Korb agieren. Aber er ist kein schwerfälliger Brecher. Für seine Körpergröße ist er leichtfüßig und schnell, dazu ein guter Dribbler. Und er kann auch von weit hinter der Dreierlinie treffen. Solche Spielertypen erlebten ihren Aufschwung im Weltbasketball mit der Karriere von Dirk Nowitzki. Bis heute sind sie äußerst begehrt.

Die Nachwuchs-Bundesligen sind für Hartenstein deshalb nicht mehr als eine Zwischenstation: Schon im Februar debütierte er für Quakenbrück in der Basketball-Bundesliga der Herren – mit damals 16 Jahren. Zwar muss er noch etwas Muskelmasse zulegen, doch seine Athletik ist schon jetzt bundesligatauglich. Hartensteins liebster Abschluss ist der Dunking, das Stopfen des Balles in den Korb. "Über einen Gegenspieler zu dunken, ist das beste Gefühl auf dem Basketballfeld", sagt der Realschüler. Noch bis Ende des Sommers besucht er die zehnte Klasse der Oberschule Artland in der niedersächsischen Kleinstadt Quakenbrück. Und dann?

Irgendwann will Hartenstein in die NBA. Dort ist Kevin Durant sein Vorbild, ein amerikanischer Superstar, der ebenso wie Hartenstein sehr groß, aber auch athletisch und wurfstark ist. Die Talentspäher der NBA haben Hartenstein schon im Blick, wegen der dort geltenden Altersregelung kann er aber frühestens in zwei Jahren direkt dorthin wechseln. Was ist also der beste Zwischenschritt auf dem Weg in die stärkste Liga der Welt?

Der Vater als Trainer

Eine Option wäre die Deutsche Basketballliga. Allerdings mussten sich die Artland Dragons aus Quakenbrück aus der Liga zurückziehen, weil der Geldgeber keine Lust mehr hatte. In der kommenden Saison wird Quakenbrück nur in der drittklassigen Liga ProB an den Start gehen. Dort wäre Hartenstein unterfordert. Ganz ausschließen will der 17-Jährige einen Einsatz aber auch nicht.

Immerhin wird sein Vater Florian als Kandidat für den Trainerposten gehandelt und das Vater-Sohn-Gespann ist seit Jahren eingespielt. Florian Hartenstein spielte selbst in der Basketball-Bundesliga, ist heute Jugendtrainer in Quakenbrück und war in den vergangenen Jahren maßgeblich an der Ausbildung seines Sohnes beteiligt.

Angesichts der Angebote, die der Junior Woche für Woche erhält, erscheint aber unwahrscheinlich, dass der in Quakenbrück bleibt: "Als bekannt wurde, dass die Dragons nicht mehr in der ersten Liga spielen werden, haben sich innerhalb von ein paar Tagen die verschiedensten Mannschaften gemeldet", sagt Vater Hartenstein. Manchmal wird er mitten in der Nacht angerufen. Viele US-amerikanische Colleges wollen seinen Sohn unbedingt von ihren Programmen überzeugen und stören sich nicht an der Zeitverschiebung.

In den USA geboren

"Die Anfragen sind sehr schön, bereiten aber viel Kopfzerbrechen, weil wir irgendwann eine Entscheidung treffen müssen", sagt Hartenstein. Der Umworbene nimmt alle Angebote sehr ernst. "Ich muss mir alles genau anschauen, treffe eine Entscheidung für die kommenden Jahre." Zu verunsichern scheint ihn die Vielzahl an Möglichkeiten nicht.

"Das College wäre eine sehr gute Erfahrung, glaube ich", sagt Isaiah Hartenstein. Unter anderem liegen ihm Anfragen von Spitzenprogrammen wie Duke und Arizona vor. "Man spielt ständig gegen gute Spieler, in jeder Mannschaft sind große Talente." Bereits sein Vater hat an einer amerikanischen Universität Basketball gespielt, in Oregon. Dort lernten sich Isaiahs Eltern kennen, dort wurde Isaiah vor 17 Jahren geboren: "Ich habe in Oregon schon als kleiner Junge angefangen zu spielen. In den USA geht es früh los, mit vier Jahren bin ich zu meinen ersten Basketballcamps und seitdem ist es immer weitergegangen", sagt er. Mit elf Jahren zog Hartenstein mit seiner Mutter nach Deutschland, wo sein Vater Florian für Gießen in der Bundesliga spielte.