Der Frühsommer ist die Zeit der Entscheidungen im Sport. Eishockey- und Basketballligen spielen ihre Meister aus. Im Tennis und Golf häufen sich die Grand-Slam-Turniere. Nur in der Fußball-Bundesliga steht der Meister oft schon viele Wochen vor Ende des Spielbetriebs fest.

Wer Spannung will, muss schon ans Ende der Tabelle schauen. Der Höhepunkt dieser Saison war das Relegations-Rückspiel, als der HSV in Karlsruhe den Abstieg in allerletzter Sekunde abwendete. Ganz Fußballdeutschland schaute zu, trotz des bescheidenen Niveaus. Die Topspieler des FC Bayern waren da schon im Urlaub.

Auch in anderen Sportarten gibt es dominante Mannschaften. Bamberg gewann sieben der vergangenen elf BBL-Titel, besiegte zuletzt in fünf spannenden Finalspielen Bayern München. Damit zogen die Brose Baskets mit den Fußball-Bayern gleich in Sachen Meisterbilanz seit 2005. Dennoch hat sich noch nie jemand über mangelnde Spannung am Ende einer Basketball-Saison beklagt. Die kleine Basketballgemeinde wird zum Saisonende regelmäßig so aufgeregt, dass selbst alberne Kampagnen wie diese gefeiert werden:

Playoffs, baby!

Erlauben Sie ein Gedankenspiel: Zwei Titelanwärter verfolgen grundsätzlich unterschiedliche Spielphilosophien. Team A spielt schnell und offensiv. Seit einigen Jahren wächst ein junger Kader zusammen, der perfekt auf das System passt. Team B ist traditionell aufgestellt, hat gerade den besten Spieler der Welt verpflichtet und spielt defensiv. Beide gehen mit neuen Trainern an den Start, die sich beweisen wollen. Ein Traumszenario für ein knappes Titelrennen.

Ultimative Verstärker narrativer Komponenten

Dieses Traumszenario wurde dieses Jahr in der nordamerikanischen Basketballliga NBA Wirklichkeit. Team B (die Cleveland Cavaliers) verpatzte den Saisonstart, stellte den Kader aber nochmal um, ließ Verletzungen heilen und legte zum Ende eine beeindruckende Siegesserie hin. Jedoch hatte Team A (die Golden State Warriors) nach 82 Spielen 14 Siege mehr errungen als Cleveland. Nach Bundesliga-Regeln wäre schon klar gewesen, wer Meister wird.

Dank der K.O.-Phase, die im US-Sport auf die Tabellen-Runde folgt, wurden die Karten aber nochmal neu gemischt. Beide Teams hatten sich gegen die besten Konkurrenten ihrer Landeshälfte durchgesetzt und standen sich im Finale gegenüber. Golden State siegte und bestätigte die glänzende Form. Doch dies geschah in einer packenden Spielserie und nicht per Taschenrechner zwei Monate zuvor.

Playoffs sind mehr als ein paar Entscheidungsspiele, die ans Ende der Saison drangeklebt werden. Vielmehr sind sie der ultimative Verstärker der narrativen Komponenten des Sports. Rivalitäten werden besonders herausgestellt, das Gefühl einer auf bestimmte Punkte hinführenden Chronologie entsteht, es kommt wiederholt zu Duellen, die erneut entschieden werden, dieses Mal vielleicht endgültig.