Als Hans-Dieter Flick im vergangenen Jahr den Posten des DFB-Sportdirektors antrat, sprach er davon, dass Jugendspieler "mehrere Systeme beherrschen" und "über einen großen Fundus an technisch-taktischen Ausbildungsinhalten verfügen" müssten. De facto spielen die meisten Bundesliga-Juniorenteams sowie die DFB-Auswahlmannschaften die immer gleichen Systeme. In den Nationalteams wird mit passendem Mittelstürmer ein 4-2-3-1 präferiert, ohne richtigen Neuner greift man auf das 4-2-4-0 zurück, das auch bei Joachim Löw häufiger zu sehen ist.

So züchten die Ausbilder eine Generation an Talenten heran, die insbesondere diese Systeme in Perfektion beherrschen. Sie werden allesamt zu Handwerkern, aber niemand zum Architekten. Sie können die taktischen Werkzeuge sehr gut bedienen, aber nur die wenigsten können Ideen kreieren.

Pure Kraft

Die U21 von Horst Hrubesch schlug am vergangenen Samstag Dänemark mit 3:0. Der taktische Plan sah vor, das Tempo der Außenstürmer Leonardo Bittencourt und Amin Younes sowie das des Angreifers Kevin Volland zu nutzen. Die Bälle wurden steil und scharf nach vorn gepasst. Der Zehner Max Meyer, der Spielmacher, blieb weitestgehend außen vor. In dieser weiträumigen Spielanlage konnte der Gestalter im offensiven Mittelfeld seine Stärken nicht einbringen. Die Deutschen gewannen, weil die Dänen über 90 Minuten hinweg gegen die brachiale Kraft der DFB-Elf nicht ankamen. 

Die U20, die bei der WM im Juni im Viertelfinale gegen Mali ausschied, spielte ebenfalls wenig inspiriert. Es dominierten Sicherheitspässe, in die gefährlichen Zonen vor die gegnerische Abwehr wurde nur recht träge gespielt. Bei Ungeduld gab es auch mal den langen Ball. Die Offensivtalente Marc Stendera und Julian Brandt konnten ihre durchaus vorhandenen Fähigkeiten zu selten einbringen.

Und Deutschland wird in den kommenden Jahren weiterhin um Pokale mitspielen. Die U21 hat gute Chancen auf den EM-Titel. Das Fundament des deutschen Fußballs ist stark. Doch für die letzten fünf Prozent braucht es die Feingeister und Strategen, die nicht nur rennen, sondern ein Spiel lenken können. Diese gibt es auch in der Generation nach Özil und Co., nur sind sie kaum zu sehen.