Leute, die sich mit der Fifa befassen, fragen sich schon lange: Was weiß Jérôme Valcke über die Fifa und Sepp Blatter? Dass Blatter ihn im Sommer 2007 zurück in die Fifa holte, obwohl Valcke ein halbes Jahr zuvor gefeuert worden war, ist bis heute verdächtig. 2004 hatte der damalige Marketingdirektor Valcke die Rechte des Fifa-Sponsors Mastercard verletzt. Er verhandelte mit Visa, obwohl der Vertrag der Fifa mit Mastercard das untersagte. In E-Mails belog er beide Seiten regelmäßig, um sie im Spiel zu halten. Valckes Vertragsbruch kostete die Fifa fast 100 Millionen Dollar. Ein Gericht stellte später fest: Jeder darf Valcke einen "Serienlügner" nennen. Wie konnte Blatter diesen Versager wieder einstellen? Der Verdacht liegt nahe, dass er zu viel über Blatter und die Fifa weiß.

Abgesehen von diesen Fragen prägten peinliche Auftritte die Karriere des heutigen Fifa-Generalsekretärs Valcke. Unter anderem bei Auslosungen von großen Turnieren, bei denen er als Zeremonienmeister fungierte, konnte man sich ein Bild davon machen. Als der brasilianische Starkoch Alex Atala vor dem Confederations Cup 2013 in Brasilien in den falschen Lostopf griff, bemerkte Valcke den Fauxpas zunächst nicht, versuchte ihn zu überspielen und agierte hilflos. "Herr Präsident, jetzt brauche ich Ihre Hilfe", rief er Blatter im Saal zu.

Szenen wie diese lassen sich als peinliche Patzer abtun. Als Mann neben dem scheidenden Fifa-Präsidenten ist die Situation für Valcke derzeit deutlich ernster. Im aktuellen Korruptionsskandal spielt seine mögliche Verwicklung in eine Zehn-Millionen-Dollar-Zahlung eine wichtige Rolle. Er selbst sieht sich in der Korruptionsaffäre nicht belastet. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen", sagte Valcke am Mittwoch dem Sender France Info. Aus seiner Sicht gebe es keinen Grund, warum er nicht auf dem Posten des Generalsekretärs bleiben sollte. "Ich fühle mich ganz sicher nicht schuldig."

Die New York Times hatte berichtet, dass US-Ermittler der Ansicht seien, Valcke sei "der hochrangige Fifa-Offizielle", der 2008 die Zahlung im Zuge von möglicher Korruption um die WM-Vergabe an Südafrika von einem Fifa-Konto auf ein US-Konto überwiesen habe.

Von einem Managementfehler zum nächsten

Während seiner Laufbahn im Fußball-Weltverband stolperte der 54 Jahre alte Franzose von einem Managementfehler zum nächsten: Es gab nicht nur das Mastercard-Desaster. Auch bei der umstrittenen WM-Vergabe an Katar hatte der ehemalige Journalist eine unrühmliche Rolle. In einer privaten E-Mail an den früheren Weltverbandsvize Jack Warner deutete Valcke an, dass Katar die Weltmeisterschaft gekauft haben könnte. Warner, der jüngst vorübergehend festgenommen worden war, machte dies öffentlich – Valcke redete sich heraus. Dies sei ein privater Schriftverkehr gewesen.

Auf diplomatischer Ebene handelte Valcke ebenso ungeschickt. Den WM-Gastgeber Brasilien brüskierte er 2012, zwei Jahre vor dem Turnier, mit unfeiner Kritik. Die Organisatoren benötigten wohl einen "Tritt in den Hintern", argwöhnte Valcke angesichts schleppender Vorbereitungen.

Nach dem bevorstehenden Abgang von Blatter ist sein Fifa-Abschied vor der nächsten WM sehr wahrscheinlich. Kein neuer Fifa-Chef wird einen Neuanfang mit einem Gesicht des alten Regimes wagen. Die Fifa-Statuten schreiben vor, dass der Generalsekretär vom Präsidenten ernannt wird, nur er kann den Topangestellten auch entlassen. Auch sein Freund Ricardo Teixeira, mit dem er gelegentlich in den Urlaub fährt, wird Valcke nicht mehr retten können. Der ehemalige brasilianische Fußballpräsident ist wegen dauerhafter Korruption aus der Fifa ausgeschieden.