"Was ich aus meiner Zeit in den USA weiß: Wenn sie mal reingehen und eine Beweislage haben, machen sie nicht Schluss. Das wird noch eine richtige Lawine für uns alle." Das sagte Jürgen Klinsmann, der ein paar Tage nach dem Besuch des Lederhosenfreaks Barack Obama beim Trachtenverein Partenkirchen in die alte Heimat kam, um die deutsche Hymne mitzusingen.

Und um an einem Treffen der zwei größten Fußballmächte teilzunehmen, einer Art G-2-Gipfel. Der Unique Selling Point der einen: Sie sind die Besten auf dem Platz. Die anderen sind Weltmeister bei der Jagd auf Fußballgangster. Doch diesmal gewannen die Amerikaner, wie schon in Holland eine Woche zuvor. Damals 4:3, jetzt 2:1.  

Die Mannschaft performte nicht

Wahrscheinlich nicht, wie ZEIT-ONLINE-User mutmaßen, weil die Deutschen das FBI milde stimmen wollten, das zu viel über 2006 rausgefunden haben könnte. Es war sicher auch keine Dankadresse der deutschen Abwehr an Loretta Lynch. Die US-Guys waren einfach besser. Anfangs schauten sie noch Götze, Herrmann, Özil und einem Rückstand hinterher. Ihre Angriffe endeten an einem Linebacker namens Rüdiger.

Doch sie zeigten eine "learning curve", einen "work in progress", wie Klinsmann nachher sagte. Unter der Führung des Ex-Gladbachers Michael Bradley erlangten sie zunehmend die Herrschaft über das Mittelfeld und das Spiel. Oder aus Sicht der Deutschen: Die Mannschaft performte nur eine Halbzeit lang.

In Köln fand auch transatlantische Kontaktpflege statt. Es war ein Treffen von Partnern, Freunden, sogar ohne Meinungsverschiedenheiten. Klinsmann, der im Vorjahr irgendwie auch Weltmeister wurde, und Löw umarmten sich und scherzten. Das Siegtor schoss ein Ersatzstürmer von 1860 München, der in Honolulu geboren wurde. Tatsächlich sangen die stets gut gelaunten US-Fans auf dem Heimweg. "Es gibt kein Bier auf Hawaii, kein kühler Fleck." Die Deutschen übernahmen das Echo: "Fleck, Fleck, Fleck, Fleck!"

Etwas mehr als 40.000 Zuschauer zählte der DFB. Also wurden mehr als 4.000 Tickets, die zwischen 45 und 100 Euro kosten, bei der dritten Niederlage im neunten Saisonspiel nicht verkauft. Obwohl ein Kölner, Jonas Hector, spielte. Und trotz Poldi. Bierhoff sagte über die Insights dieses Abends: "Das kam für uns auch überraschend, dass es in Köln nicht voll wird. Aber ich habe Verständnis."