Maracanã 2014, Sommermärchen 2006 – es sind Chiffren für Sportfeste, die die halbe Welt vereinten. So wie die fröhlichen Spiele von Sydney 2000, Barcelona 1992, die Winterspiele in der norwegischen Idylle Lillehammer 1994 oder die erste Fußball-WM in Südafrika 2010.

Olympische Spiele und Fußball-Weltmeisterschaften können großartige Ereignisse sein, der Sport kann Grenzen überwinden, Völker verbinden. Doch in der nächsten Dekade werden Sportfans wenig Freude haben. Aus Spaß am Sport werden Diskussionen über Menschenrechte, aus Enthusiasmus die Frage nach den Profiteuren der Spiele. Dafür steht auch die Entscheidung des IOC, die Winterspiele 2022 in Peking auszutragen.

Zwar behaupten die chinesischen Bewerber, ihre Spiele würden Natur und Kosten schonen. Doch das können sie Leuten erzählen, die das IOC für einen gemeinnützigen Verein halten. Schnee fällt in Peking nämlich so gut wie nie, hohe Berge gibt es nicht. Viele Wettbewerbe werden auf Kunstschnee stattfinden, vier Autostunden von Peking entfernt. Was für ein Fake! Die Mächtigen des Sports aber werden sagen: Alles gut, kein Problem, die Chinesen kriegen das hin. Worüber die Sportmächtigen kein Wort verlieren, ist Politik. Und die wird uns die Spiele mächtig verleiden.

In Rio stinkt es, in Tokio steigen die Kosten

China ist unter Xi Jinping zum Führerkult zurückgekehrt. Oppositionelle, Künstler und Anwälte werden eingesperrt, Arbeiterrechte eingeschränkt. Vielleicht fahren dort, wo das olympische Dorf steht, zwei Wochen vor der Eröffnung noch die berüchtigten Hinrichtungsbusse vorbei. Seit 2003 sind sie im Einsatz, von außen sehen sie aus wie Krankenwagen. Die mobilen Henkerwagen haben Sitzbänke für Richter und Staatsanwälte. Experten schätzen die Zahl der Todesstrafen in China auf über 5.000 pro Jahr, die bevorzugte Disziplin ist übrigens der Genickschuss. Peking ist ein Extrembeispiel, aber keine Ausnahme.

Schöne Aussichten gibt es auch für die kommenden Spiele nicht: In Rio stinkt es – keine guten Vorzeichen für die Sommerspiele von 2016. In dem Wasser, in dem gesegelt, gerudert und geschwommen werden soll, treiben Müll und tote Tiere. Daran werden die Organisatoren auch bis nächstes Jahr nicht viel ändern. 2018 finden die Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang statt. Die Südkoreaner interessieren sich allerdings nicht sehr für Wintersport, wohl aber der IOC-Sponsor Samsung. Und in Tokio, dem Ort der Sommerspiele 2020, spricht man seit Monaten vor allem über immense Baukosten.

Laxe Haltung des IOC gegenüber Diktatoren

Auch die beiden kommenden Fußball-Weltmeisterschaften könnten finstere Angelegenheiten werden. In kaum einem anderen Land ist Rassismus in den Stadien so verbreitet und geduldet wie in Russland. Und spätestens seit Sotschi 2014 ist klar, dass die Regierung Ereignisse wie diese gerne politisch missbraucht: Vor den Spielen verschärfte Putin Gesetze gegen Schwule und Lesben, kurz nach der Schlussfeier schickte er grüne Männchen auf die Krim. Und Katar, Austragungsort 2022? Ein einziges Ärgernis für alle.

Das liegt auch an der weichen Haltung des Internationalen Olympischen Komitees gegenüber den Diktatoren dieser Welt.

IOC-Chef Bach revanchiert sich bei China

Als Peking die Spiele 2008 austrug, versprach das IOC, die Menschenrechtslage in China werde sich dadurch bessern. Menschenrechtsorganisationen verweisen aber darauf, dass die Zahl der Verhaftungen, Repressionen und Hinrichtungen bereits 2008 stieg. Die Fechterin Imke Duplitzer, die damals die Eröffnungsfeier verweigert und sich kritisch über China geäußert hatte, wurde später an der Einreise gehindert. Ihre Karriere litt unter China, unkommentiert vom IOC.

Vielleicht belehrt das IOC uns Sportfans eines Besseren und macht Druck auf China, dass das Land seine Menschen besser behandelt. Die Macht hätte der Sport dazu. Doch die Politik des Chefs Thomas Bach deutet nicht darauf hin. Wahrscheinlicher ist, dass er den Sieger Peking sogar gut findet. Das Land hatte ihn bei seiner Wahl zum Präsidenten 2013 unterstützt.