Die Weltspitze der Leichtathletik ist offenbar viel umfangreicher von Doping betroffen als bisher angenommen. Jede dritte Medaille bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften zwischen 2001 und 2012 sei an Athleten mit auffälligen Werten vergeben worden, berichtet die ARD-Dopingredaktion unter Berufung auf eine interne Datenbank des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF.

Es dürfte sich um das umfangreichste Material halten, das dazu bislang an die Öffentlichkeit gelangte: Der Datensatz führt den Angaben zufolge die Namen von etwa 5.000 Athleten und die Ergebnisse von mehr als 12.000 offiziellen Bluttests. Die Blutwerte etwa jedes siebten Athleten seien auffällig. Bei manchen Nationen seien die Blutwerte von nahezu der Hälfte aller vermerkten Athleten auffällig. Besonders hoch sei die Konzentration an gedopten Athleten etwa bei Kenia – der erfolgreichsten Nation in den Ausdauerdisziplinen.

Erstaunlich ist nicht nur die schiere Anzahl dokumentierter Dopingfälle. Offenbar hat der Verband die Praktiken gedeckt und toleriert: Nur sieben der 146 ermittelten auffälligen Medaillenträger mussten ihre Auszeichnungen zurückgeben. Bei einigen Athleten seien die Werte sogar lebensbedrohlich. Laut den Einschätzungen der konsultierten Experten könnte es infolge des Dopings bereits mehrere Todesfälle gegeben haben.

Die Dopingredaktion der ARD hatte bereits im vergangenen Dezember mit der Dokumentation Geheimsache Doping für Aufsehen gesorgt, als sie die Dopingpraktiken des russischen Verbandes offengelegt hatte. Infolge der Ausstrahlung erhielt die Redaktion nach eigenen Angaben einen Datenstick mit der IAAF-Datei. Die Redaktion habe die Daten in den vergangenen Monaten in Zusammenarbeit mit der britischen Sunday Times ausgewertet und anschließend führenden Dopingexperten zur Analyse ausgehändigt, teilte der WDR mit. Die Ergebnisse der Recherche veröffentlichte die Redaktion nun in einem zweiten Teil der Dokumentation Geheimsache Doping.


Die Dokumentation Geheimsache Doping: Im Schattenreich der Leichtathletik ist in der Mediathek der ARD abrufbar.